Traumpaar Savchenko/Massot läuft bei DM in eigener Liga

Ihr erster Wettkampfauftritt auf deutschem Boden endete gleich mit einem Titel: Das neu zusammengestellte Eiskunstlaufpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot wurde in Essen Deutscher Meister.
Ihr erster Wettkampfauftritt auf deutschem Boden endete gleich mit einem Titel: Das neu zusammengestellte Eiskunstlaufpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot wurde in Essen Deutscher Meister.
Foto: Volker Hartmann/Funke Foto Services
Das neue Star-Paar des Eiskunstlaufen, Aljona Savchenko und Bruno Massot, zieht bei den Deutschen Meisterschaften in Essen der Konkurrenz davon.

Essen.. Schlichte Betonwände, ein schonungslos ausgeleuchteter Innenraum, Kälte, die sich um die Tribünen legt. So eine Halle nennt man Zweckbau. Kaum vorstellbar, dass eine Eiskönigin hier ihr Schloss bauen würde. Aljona Savchenko scheint sich dennoch wohl zu fühlen in der Eissporthalle Essen-West. Die 31-Jährige, der nachgesagt wird, zuweilen so ehrgeizig zu sein, dass es an der Grenze zur Verbissenheit kratzt, lächelt, winkt, wippt mit ihren dünnen, aber durchtrainierten Beinchen sogar im Takt der Musik ihrer Konkurrenz.

Ein Hexenschuss kurz vor dem Auftritt

Fast wäre alles geplatzt, der erste Wettkampf des hoch gehandelten Paares auf deutschem Boden abgesagt worden. Denn Savchenkos neuer Partner, der 26-jährige Bruno Massot, „hatte Besuch von einer Hexe bekommen“, wie es Trainer Alexander König ausdrückt. „Wir haben Bruno mit viel Physiotherapie aufgepäppelt.“ Es war auch dieser Vorgeschichte geschuldet, dass der Trainer nach dem ungefährdeten Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften im Eiskunstlaufen vorsichtig formuliert: „Ich muss zufrieden sein. Ich bin sogar glücklich.“ Bloß keine Fehler machen, schien das Motto gewesen zu sein.

Was haben Savchenko und Massot nicht alles mitgemacht. 18 Monate war ihre gemeinsame Zukunft tatsächlich auf Eis gelegt. Diese Sperre hatte der französische Verband Bruno Massot auferlegt, bis er die Freigabe bekam, für Deutschland starten zu dürfen. Dazu viel Ärger um Ablösesummen und Streit ums Prinzip. Nun ist das Paar, von dem sich die Deutsche Eislauf-Union so viel verspricht, endlich auch im Wettkampf vereint und nicht mehr nur im Training daheim in Oberstdorf.

Er wirkt wie ihr Beschützer

Wer die beiden beobachtet, bekommt schnell einen Eindruck davon, wie harmonisch diese sportliche Beziehung zu laufen scheint. Er, der groß gewachsene Franzose mit dem sanftmütigen Blick. Sie, dieses zarte Persönchen mit dem streng zusammengebundenen blonden Haarschopf. Neben ihr wirkt er wie ein Beschützer. Selbst im Wettkampf, wenn es hochkonzentriert zugeht. Beim dreifachen Wurf-Lutz hebt Aljona Savchenko so dynamisch ab, dass man fast fürchtet, sie könnte durch das Hallendach katapultiert werden. Doch sie gleitet wieder nach unten, landet sicher in den ausgebreiteten Armen ihres Schutzengels und Paarlaufpartners.

Trainer Alexander König versichert, dass sie alle gut mit den eineinhalb Jahren des Wartens zurecht gekommen seien, trotz der Nebengeräusche: „Jeder von uns war auf seine Art tiefenentspannt.“ Zwischen den Athleten habe sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Sie werden die Kraft und positive Haltung benötigen, wenn es um die großen Ziele geht: die Europameisterschaften im Januar in Bratislava und dann Olympia, die Winterspiele 2018 in Südkorea.

Erfolge an der Seite von Robin Szolkowy

Aljona Savchenko bringt mit ihren 31 Jahren so viel Erfahrung und Erfolg mit aufs Eis, dass einem die Konkurrenz bei den Deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende leid tun kann. Zu perfekt tritt die Ausnahmeläuferin auf, und das trotz eines Sturzes bei der Kür.

In ihrer elf Jahre währenden Karriere mit ihrem früheren Partner Robin Szolkowy gewann die gebürtige Ukrainerin fünf WM-Titel, dazu Bronze bei Olympischen Spielen. Die beiden galten als erfolgreichstes Paar in der Geschichte des deutschen Eiskunstlaufs.

Nun der Neustart. „Es ist etwas anderes mit einem neuen Partner“, sagt Savchenko. Und spricht über mehr Kraft, mehr Energie und mehr Freude. Zurück zum Glück: Titelgekrönt ist das Star-Paar Savchenko/Massot seit Sonntag auch. Im eigenen Land laufen die beiden schon jetzt in einer eigenen Liga.

 

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