Thüringen: Mit DIESEM Trick wurde der Biathlon-Weltcup in Oberhof in letzter Sekunde gerettet

Vor dem Biathlon-Weltcup in Oberhof (Thüringen) laufen die Schneekanonen auf Hochtouren. Nur mit einem Trick konnte das Event noch gerettet werden.
Vor dem Biathlon-Weltcup in Oberhof (Thüringen) laufen die Schneekanonen auf Hochtouren. Nur mit einem Trick konnte das Event noch gerettet werden.
Foto: Montage: Thüringen24 / imago images / Gerhard König & Revierfoto

Oberhof. Biathlon ohne Schnee? Kaum vorstellbar. Aber genau das machte den Veranstaltern des Biathlon-Weltcups in Oberhof (Thüringen) enorm zu schaffen: Es ist einfach zu mild in Thüringen. Dabei sollen schon am Donnerstag die Biathleten mit dem Sprint der Frauen in Thüringen ins neue Jahr starten.

Wegen mangelnden Schneefalls im Thüringer Wald laufen in Oberhof bereits 37 Schneekanonen seit Tagen auf Hochtouren, um den notwendigen Schnee zu produzieren. Doch die Veranstalter griffen auch auf einen ungewöhnlichen Trick zurück.

Thüringen: Kritik an Schnee aus dem Ruhrgebiet

Zusätzlich karrten Lastwagen Kunstschnee aus dem Ruhrgebiet an. Denn in der Veltins-Arena fand bereits am 28. Dezember die World Team Challenge statt. Doch an der Maßnahme kam auch Kritik auf - ist sie verhältnismäßig?

Oberhofs Bürdermeister Thomas Schulz (freie Wähler) verteidigte gegenüber dem MDR den Schachzug.

Es sei besser, den produzierten Schnee für die Wettkämpfe in Oberhof zu nutzen, als ihn schmelzen zu lassen. Er betonte, wie wichtig die winterlichen Sport-Veranstaltungen für die Region seien.

So wird das Event in Thüringen durch Schnee aus dem rund 440 Kilometer entfernten Gelsenkirchen abgesichert. In der Veltins-Arena absolvierte Laura Dahlmeier (26) bei der World Team Challenge am 28. Dezember 2019 ihr letztes Biathlon-Rennen.

Über 30 Lkw-Landungen Schnee aus dem Ruhrgebiet

2.000 Kubikmeter Schnee - das entspricht etwa 30 bis 35 Lkw-Ladungen - werden vom Schalker Stadion nach Oberhof transportiert.

Weil im Ruhrgebiet traditionell um diese Jahreszeit wenig Schnee fällt, werden die notwendigen rund 3.000 Kubikmeter Kunstschnee von der Skihalle Neuss geliefert. Ein großer Teil davon wird nun in diesem Jahr recycelt.

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Das erwartet die Biathlon-Fans beim Weltcup in Oberhof

Mit dem zusätzlichen Schnee aus dem Ruhrgebiet zeigt sich der Veranstalter zuversichtlich, dass der Biathlon-Weltcup in Thüringen problemlos ausgetragen werden kann.

Sprint, Staffel und Massenstart stehen auf dem Programm: Zunächst starten die Frauen, bevor die Männer am Freitag in die Loipe gehen. Am Samstag gehen dann die Staffeln an den Start, ehe am Sonntag die Massenstart-Wettkämpfe auf dem Programm stehen.

Großer Run auf Biathlon-Weltcup

Der Biathlon-Weltcup im Januar in Oberhof sorgt für einen schwungvollen Start in die Tourismus-Saison im Thüringer Wald. Wenige Tage vor dem ersten Rennen der Skijäger am Donnerstag (9. Januar) sind die meisten Gästebetten in Oberhof ausgebucht.

Kurzfristige Anfragen nach freien Zimmern könnten sich dennoch lohnen, sagte der Geschäftsführer der Oberhofer Freizeit und Tourismus GmbH, Rainer Mahn, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch in anderen Orten des Thüringer Waldes, dem wichtigsten Urlaubsgebiet im Freistaat, profitieren Hotels, Pensionen und Betreiber von Ferienwohnungen von dem sportlichen Großereignis.

Zum Weltcup, der bis zum 12. Januar dauert, werden Zehntausende Biathlon-Fans aus dem In- und Ausland erwartet.

„Biathlon schießt eindeutig den Vogel ab“

„Rennrodel-Weltcup und Rennsteiglauf bringen auch viele Übernachtungsgäste, aber Biathlon schießt eindeutig den Vogel ab“, sagte Mahn. Meist buchten die Biathlon-Fans schon bei der Heimreise bereits wieder für das nächste Jahr. Das ist auch im Ringberg-Hotel im Nachbarort Suhl so, wie eine Sprecherin sagt. „Spätestens im Sommer ist das nächste Biathlon-Wochenende ausgebucht.“ Wer bis dahin keines der 290 Zimmer ergattert hat, bleibt nur, auf Absagen anderer Urlauber zu hoffen. Das Hotel führt eine Warteliste.

In Neustadt am Rennsteig können kurzentschlossene Biathlon-Fans noch auf Zimmer hoffen. „Wir sind gut gebucht, aber nicht ausgebucht“, sagte Robert Witter, Leiter der Rennsteig-Touristinformation in Neustadt. „Kurzfristig lässt sich da sicher noch etwas machen.“ Von dem etwa eine halbe Autostunde von Oberhof entfernt am Kammweg des Thüringer Wald gelegenen Ort können Touristen mit einem Shuttlebus zum Oberhofer Biathlon-Stadion fahren.

Viele Touristen im Jahr 2019

Einen Pendelverkehr bieten auch Busunternehmen in Friedrichroda für Biathlon-Zuschauer, die in dem Kurort mit rund 2400 Gästebetten übernachten. Das seien in der Regel Touristen, die den Weltcup-Besuch mit einem Urlaub in der Region verbinden wollten, hieß es aus der Tourist-Information. Entsprechend gut sei das Biathlon-Wochenende in der Regel gebucht.

2019 war für den Tourismus im Thüringer Wald ein gutes Jahr. Nach Daten des Landesamtes für Statistik legte die Zahl der Übernachtungen in den ersten drei Quartalen um gut 4 Prozent auf 134 000 und die der Gästeankünfte um 3,4 Prozent auf rund 37 400 zu.

Hoffnungen liegen auf Herrmann

Die sportlichen Hoffnungen des deutschen Biathlon liegen dabei auf Denise Herrmann. Noch immer ist der Verband auf der Suche nach echten Nachfolgerinnen für Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier. Dazu soll auch der Weltcup in Oberhof dienen.

„Wir wollen den Rückstand auf die internationale Spitze verringern“, kündigte Damen-Trainer Kristian Mehringer vor dem Sprint-Wettkampf am Donnerstag an. Ab 14.30 Uhr wird das Event auf ARD und Eurosport übertragen. Klar ist jedoch: An Dahlmeier und Neuner anzuschließen wird eine große Aufgabe.

„Lena und Laura waren Jahrhundert-Talente, die es so schnell nicht wieder geben wird“, sagte ihr Entdecker und Trainer Bernhard Kröll der Deutschen Presse-Agentur. (ak,mb mit dpa)

 
 

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