Teamorder: Diese Formel-1-Stars dürfen die WM nicht gewinnen

Cool am Streckenrand: Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.
Cool am Streckenrand: Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.
Foto: dpa

Es ist abgesehen von einem Unfall natürlich das Schlimmste, was einem Rennfahrer passieren kann: der Funkspruch „Hold Position”. Überholverbot, Nichtangriffspakt, das geschönte Formel-1-Wort dafür: Teamorder. Das Taktikspiel auf dem Asphalt ist deshalb erlaubt, weil Motorsport eine Mannschaftsdisziplin ist und kein reiner Einzelsport, wie viele vielleicht denken, weil die Fahrer so im Vordergrund stehen.

Vor dem Großen Preis von Ungarn an diesem Sonntag (15.10 Uhr/RTL) lässt sich sagen: Die derzeit besten Teamplayer kommen aus Finnland. Beim Rennen auf dem Hockenheimring am vergangenen Wochenende mussten Kimi Räikkönen bei Ferrari und sein Landsmann Valtteri Bottas bei Mercedes zum Ende des Rennens hin die eigenen Ambitionen hinten anstellen.

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Räikkönens Kollege und Freund Sebastian Vettel war auf besseren Reifen unterwegs, bei Mercedes sah man einfach die besseren Chancen im Titelkampf für Lewis Hamilton. Da die Nordländer für gewöhnlich nicht viel öffentlich sprechen, gab es hinterher auch keinen Aufstand, keine bösen Worte. Ein paar enttäuschte Mienen, aber so ist das Geschäft eben.

Angenehmerer Kollege als Rosberg?

Beide wissen, was sie können, sie gehören zu den Top Five der Königsklasse, aber sie kennen auch ihren Job innerhalb der Rennstallhierarchie. Sie haben getan, was ein Mann tun muss. Wenn er zweiter Mann ist.

Bottas gibt mit seiner Kompatibilität den besseren Partner von Weltmeister Hamilton ab als Vorgänger Nico Rosberg. Keine Intrigen, kein großer Neid, keine Verunsicherungen. Einfach nur Wettrennen. Da geht es zwar knapp zu, aber meistens ist Hamilton vorn. Bottas, glauben viele Experten, könnte durchaus die WM anführen oder besser platziert sein als sein derzeitiger vierter Rang (122 Punkte, Hamilton führt mit 188 Punkten) – wenn er etwas weniger technisches und taktisches Pech gehabt hätte. Ein Reifenschaden und zwei Getriebeschäden wären da zu nennen, aber vor allem war der 28-Jährige mehrmals ein Opfer der Safety-Car-Phasen. „Ja, ich könnte führen. Aber so läuft es manchmal eben. Ich will nicht daran denken“, sagt Bottas nun in Budapest. „Sisu“ heißt die finnische Tugend der Beharrlichkeit, sie macht auch schwierige persönliche Situationen erträglicher. „Doch, ich glaube daran, dass wir weiterhin frei Rennen fahren können, je nach Situation jedenfalls. Und natürlich bin ich hungrig auf Siege!“

Mercedes verlängert mit Bottas

Wer ihn kritischer sehen will, sagt: netter Junge, aber am Ende nicht abgezockt genug. Aber keine Sorge, als Opfer sieht sich Bottas ohnehin nicht. Gerade ist sein Vertrag beim Weltmeister-Rennstall um zwei Jahre verlängert worden, Ex-Arbeitgeber Williams hingegen steht vor dem sportlichen und wirtschaftlichen Nichts. Der in nur zwei Wochen ausgehandelte neue Kontrakt war für Mercedes-Sportchef Toto Wolff Formsache, nachdem es auch wenig andere vernünftige Optionen für beide Seiten gab. Entscheidend ist, das der Helfer gut genug ist, dem Gegner Punkte wegzunehmen. Oder zu gewinnen, was er dreimal getan hat im vergangenen Jahr, zuletzt beim Saisonfinale.

Ein neuer Vertrag mit Ferrari, so weit ist Kimi Räikkönen noch nicht. Sebastian Vettel hätte nichts dagegen, dass sie zusammen ins fünfte Jahr bei der Scuderia gehen. Schon früher, als beide in der Schweiz wohnten, haben sie ab und zu Federball gespielt. Jetzt spielen sie Doppelpass mit dem roten Autos, wobei der Weltmeister von 2007 der Zuspieler für den viermaligen Champion aus Heppenheim ist.

Zwölfmal hat Vettel in seiner Ferrari-Zeit gewonnen, Räikkönen in dieser Phase keinmal. Mit 38 ist er der Branchensenior, er hatte sein Karriere-Ende schon für Ende November anvisiert. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne hatte sich über die vermeintlich mangelnde Anteilnahme Räikkönens geärgert und den erst 20 Jahre alten Ferrari-Junior Charles Leclerc für 2019 als Vettel-Beifahrer gewünscht. Doch Marchionne erlag Mitte der Woche einem Krebsleiden – und jetzt ist bei der Personalpolitik der Scuderia wieder alles offen.

Räikkönen spekuliert auf 17. Saison

Und Räikkönen scheint tatsächlich Gefallen daran gefunden zu haben, noch ein 17. Formel-1-Jahr dranzuhängen. Schnell genug ist er, motiviert wohl auch, obwohl man das bei ihm aus den wenigen Worten kaum ablesen kann. Sauber, McLaren, Haas und Williams haben für die neue Saison Fahrer-Vakanzen. Ferrari bleibt aber die wahrscheinlichste Option, Räikkönens Verbleib hängt allein von seinen Leistungen ab. Teamplayer müssen vor allem Mitspieler sein, nie Mitläufer.

 
 

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