Schlussfeier bei Olympia: Kommt Russland nochmal zurück?

Aleksandra Rodionova und Yulia Belomestnykh aus Russland müssen noch bangen.
Aleksandra Rodionova und Yulia Belomestnykh aus Russland müssen noch bangen.
Foto: Getty Images
  • IOC entscheidet vor der Abschlussfeier über die Sperre gegen den russischen Verband
  • In Pyeongchang formiert sich der Widerstand

Pyeongchang.  Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang ist keine russische Mannschaft angetreten, sehr wohl aber 168 Russen unter Flagge des IOC als Athleten aus Russland. Der Grund dafür: Die Olympischen Spiele in Sotschi vor vier Jahren 2014. Danach war dem russischen Team systematisches Doping nachgewiesen worden.

Das IOC suspendierte daraufhin das nationale Olympische Komitee, ließ aber russische Sportler, die nachweisen konnten, dass sie nicht gedopt hatten, für Pyeongchang zu. Diese Sportler sollen, so hatte Thomas Bach, Chef des Internationalen Olympischen Komitees, versprochen, bei richtigem Verhalten auf der Abschlussfeier als russisches Team auftreten dürfen. Die Entscheidung dazu fällt wohl erst unmittelbar vor der Feier.

Warum überhaupt dieses Hin und Her. Ausgeschlossen ist doch ausgeschlossen?

IOC-Chef Thomas Bach ist Sportfunktionär, der auf aller Welt als Staatsmann empfangen wird. Bach ist ein politischer Kopf, der seine eigenen Grenzen kennt, weshalb er die politische Welt- und sportliche Großmacht Russland nicht über Gebühr provozieren möchte.

Die Kunst der Sportdiplomatie besteht für ihn darin, Härte in Sachen Doping zu zeigen, ohne alle Brücken für Russland zu verbrennen. Thomas Bach ist aber auch Jurist. Obgleich sein Verbandsrecht es zulässt, dass die Unschuldsvermutung in den Unschuldsnachweis gedreht wird und Kollektivstrafen für Nationen zulässt, ist es nicht nur für Bach problematisch, dass nachweislich Unschuldige bestraft werden.

Wer entscheidet über die Teilnahme der Russen an der Abschlussfeier?

Die Entscheidung trifft das IOC-Exekutivkomitee auf Empfehlung einer dreiköpfigen IOC-Kommission unter der Leitung von Nicole Hoevertz von den Niederländischen Antillen. Thomas Bach legt Wert darauf, dass die Kommission „unabhängig“ sei. Ob das bei IOC-Mitgliedern möglich ist, scheint zumindest fraglich.

Worüber entscheidet die IOC-Kommission?

Das IOC hatte den Athleten aus Russland zu Beginn der Wettbewerbe eine eigene Hausordnung in die Hand gedrückt, den Verhaltenskodex für russische Sportler, die ja unter besonderen Regeln an den Spielen teilnehmen. Im Kodex steht etwa, dass das Zeigen von Nationalsymbolen verboten ist, ebenso wie das Abspielen der Hymne.

Die russische Flagge durfte nur in den Schlafzimmern der Athleten aufgehängt werden. Und natürlich mussten die Athleten unterschreiben, dass sie um das Verbot des Dopings erstens wissen und es zweitens befolgen. Die Frage ist also, befolgten die Russen die Hausordnung?

Welche Argumente gibt es?

Wenn man es positiv sehen möchte, hält sich die Zahl der Überschreitungen gegen den Verhaltenskodex für Athleten aus Russland in Grenzen. Wenn in Pyeongchang russische Farben gezeigt wurden, dann meist durch Fans. Es gibt aber auch einen Dopingfall.

Curler Alexander Kruschelnizki ist des Dopings überführt und abgereist. Die Russen zeigten sich erst uneinsichtig, lenkten dann aber ein und verzichteten auf einen Einspruch.

Wie reagieren die Athleten?

Unter deutschen Athleten bildet sich, je näher die Abschlussfeier rückt, eine klare Meinung: Es scheint zu früh für die Rückkehr eines offiziellen russischen Teams. „Ich würde sagen, sie sollen so, wie sie gekommen sind, auch die Spiele verlassen“, sagt beispielsweise der deutsche Skicrosser Paul Eckert.

Ähnlich urteilt Bobfahrer Francesco Friedrich. „Das geht mir zu schnell. Schließlich ist wieder ein Dopingfall aufgekommen.“

Wie geht die Entscheidung aus?

Das ist – selbstverständlich – nicht leicht zu sagen. Wenn man die Neigung des IOC der vergangenen Jahre betrachtet, sich vor schwierigen Entscheidungen zu drücken, Probleme eher auszusitzen, kommt man eher zu dem Schluss, dass Russland als Nation an der Abschlussfeier teilnehmen darf, sei es, weil sich das IOC eher als Brückenbauer sieht, sei es, weil es die bisherigen Sanktionen als Erfolg wertet.

Möglicherweise wird auch die Überlegung eine Rolle spielen, was das IOC als schädlicher für das eigene (Milliarden-)Geschäft betrachtet, ein zorniges Russland oder Sport unter Dopingverdacht.

 
 

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