Olympia-Held Christian Ehrhoff: „Jeder will die Medaille sehen“

Mit Silbermedaille im Fußballstadion: Christian Ehrhoff wurde auch von den BVB-Fans gefeiert.
Mit Silbermedaille im Fußballstadion: Christian Ehrhoff wurde auch von den BVB-Fans gefeiert.
Foto: Getty Images

Köln. Das olympische Silber stand bei Christian Ehrhoff auch am vergangenen Wochenende im Fokus. Der 35-jährige Eishockeyprofi wurde gemeinsam mit seinen Kölner-Haie-Kollegen Moritz Müller und Felix Schütz von der Stadt im Kölner Rathaus ausgezeichnet. Und am Abend feierten im Dortmunder Stadion auch die BVB-Fans den Olympia-Helden – denn er ist einer von ihnen. Dennoch kann Ehrhoff den Erfolg von Pyeongchang nicht ausgiebig genießen. An diesem Mittwoch (19.30 Uhr/telekomsport.de) steht das erste von maximal sieben Play-off-Viertelfinals in der Deutschen Eishockey-Liga bei den Nürnberg Ice Tigers auf dem Programm.

Herr Ehrhoff, liegt der Fokus bei Ihnen schon auf Alles oder Nichts?

Christian Ehrhoff: Das ist mein Job. Und ich freue mich auf die schönste Eishockeyzeit des Jahres. Auch wenn ich zugeben muss: Olympia in Südkorea, unsere Silbermedaille, die Schlussfeier mit mir als Fahnenträger – das ist immer noch alles etwas surreal. Wir haben eine Cinderella-Story hingelegt, hatten als totaler Außenseiter mit einem großen Teamgefühl die Handschuhe sogar an der Goldmedaille. Darüber wird Eishockey-Deutschland lange sprechen. Ähnlich lang wie über Bronze 1976 in Innsbruck, hoffe ich.

In den Play-offs geht es gegen Nürnberg und Patrick Reimer, der ja im Olympiafinale die Strafe in der Verlängerung kassiert hatte, die die Russen zum 4:3-Siegtor in Überzahl ausgenutzt haben.

Christian Ehrhoff: Ich frage mich immer noch, ob die Schiedsrichter Patricks hohen Stock als Strafe hätten werten müssen. Aber so ist der Sport: Mal hat man Match-Glück, mal nicht. Das Tor zur Niederlage war an dem Abend in Pyeongchang ein harter Schlag. Doch es hat nicht lange gedauert, da haben alle vom gewonnenen Silber gesprochen. Nicht vom verlorenen Gold. Die Medaille stellt sicher den Höhepunkt meiner Karriere dar.

Ist sie höher zu bewerten als Ihr Stanley-Cup-Finale 2011 in der National Hockey League, der besten Eishockeyliga der Welt, mit den Vancouver Canucks?

Christian Ehrhoff: Ja, weil wir in Südkorea trotz der Niederlage etwas Schönes, etwas Belohnendes, etwas Außergewöhnliches in der Hand hatten. Damals nach der NHL-Finalserie gegen Boston gab es nichts. Da habe ich mich nach dem entscheidenden siebten Spiel einfach nur als Verlierer gefühlt. Und das nach 102 Saisonspielen.

Haben Sie schon einen speziellen Platz für Ihre Silbermedaille in Ihrem Haus in Krefeld gefunden?

Christian Ehrhoff: Bisher nicht. Jeder will das gute Stück mal sehen. Deswegen habe ich die Medaille oft auch mit dabei, wenn ich unterwegs bin.

Vielleicht dient die Medaille ja auch als Glücksbringer für die Play-offs.

Christian Ehrhoff: Hoffentlich, schließlich lief die Vorrunde nicht rund. Wir sind unter den Erwartungen geblieben, nur Platz sechs für uns ist schon verdient. Und Nürnberg ist in den Play-offs der Favorit, nicht wir. Immerhin hat unser Trainerwechsel zu Peter Draisaitl eine notwendige andere Stimme in die Kabine gebracht. Und: Ich bin mit Krefeld 2003 auch als Tabellensechster in die Play-offs. Am Ende haben wir den DEL-Titel geholt.

Es war Ihr einziger bisher. Denken Sie noch oft an den KEV-Triumph?

Christian Ehrhoff: Ja, das war eine hoch emotionale Sache, für Krefeld den ersten Eishockeytitel seit 51 Jahren zu gewinnen. Ich war als 20-jähriger Jungspund zur rechten Zeit am rechten Ort und im richtigen Team.

Ihr Vertrag bei den Haien läuft noch bis 2019. Würde das Papier verlängert, gingen Sie dann mit 37 aufs Eis. Realistisch?

Christian Ehrhoff: Klar denke ich daran, was bei einem Karriere-Ende sein könnte. Das entscheidet sich aber erst, wenn die Zeit auch gekommen ist. Ich fühle derzeit körperlich fit und bin bereit für die Play-offs. Und die WM in Dänemark im Mai steht ja auch noch an.

Neulich haben Sie in ein insolventes Moerser Therapiezentrum investiert. Wäre das ein mögliches berufliches Standbein für die Zukunft?

Christian Ehrhoff: Vielleicht. Ich bin im Verletzungsfall schon seit langem in dem Zentrum in Behandlung und habe zufällig von den finanziellen Problemen erfahren. Gemeinsam mit zwei Kollegen versuchen wir nun einen Relaunch, um dem Haus die Zukunft zu sichern. Das ist eine interessante Aufgabe.

Wäre für Sie auch der Trainerjob interessant – mit Blick auf eine Rückkehr in die NHL, die neulich ja auch Bundestrainer Marco Sturm für sich in die Debatte geworfen hatte?

Christian Ehrhoff: Ich würde es nicht ausschließen, da wir uns in den USA immer sehr wohl gefühlt haben. Aber aktuell sage ich, dass der Trainerjob nichts für mich wäre.

Im Keller Ihres Hauses in Krefeld haben Sie sich eine kleine Eisfläche eingerichtet, um der Sommerzeit ohne Eis zu entgehen.

Christian Ehrhoff: Das stimmt. Da übe ich Stocktechnik und Schüsse, man kann auf der Kunststoffbahn mit Schlittschuhen fahren. Meinen Kindern macht das Spaß.

Sehen Sie eine Ihrer drei Töchter künftig in der Eishockey-Kluft?

Christian Ehrhoff: Für eine Prognose ist es sicher noch zu früh. Leni ist als älteste acht Jahre und probiert grad unter anderem Reiten aus. Alle testen sich im Sport, was ihnen Spaß macht. Vielleicht wird es ja irgendwann Eishockey. Aber das entscheiden meine Töchter allein. Da rede ich nicht rein.

 
 

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