Norwegen gegen Deutschland: Duell der Wintersport-Nationen

Im Langlauf wird Olympiasieger Simen Hegstad Krueger (r.) aus Norwegen im Ziel von Lucas Bögl aus Deutschland zum Sieg beglückwünscht.
Im Langlauf wird Olympiasieger Simen Hegstad Krueger (r.) aus Norwegen im Ziel von Lucas Bögl aus Deutschland zum Sieg beglückwünscht.
Foto: dpa

Pyeongchang. Die Norweger können nur Langlauf und Skispringen, die Deutschen nur Rodeln und Biathlon? Das ist so falsch wie der Doppelgänger von Kim Jong-un, der bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang schon für so viel Heiterkeit gesorgt hat. Was stimmt: Norwegen und Deutschland sind die erfolgreichsten Wintersport-Nationen in Südkorea, liegen im Tableau in der Goldwertung (13 zu 12) dicht beieinander. Stellt sich die Frage: Welche ist denn nun die größere Wintersportnation? Es ist ein ganz enges Rennen.

Bevölkerung

Norwegen hat 5,2 Millionen Einwohner – müsste Deutschland mit 82,7 Millionen dann nicht 16 Mal so viele Medaillen gewinnen? Schmarrn. Die Skandinavier beweisen: Masse heißt nicht gleich Klasse. Mehr und vor allem länger Schnee führt Jugendliche in Norwegen zwangsläufig zum Wintersport, in Deutschland gehen sie bestenfalls zum Fußball, wahrscheinlicher an die Spielekonsole.

Urteil: Punkt für Norwegen

Lebensphilosophie

So entspannt und freundlich wie die Norweger sind sonst nur die koreanischen Volunteers. Aber: Am Zusammenhalt im Team Deutschland mangelt es auch nicht gerade.

Urteil: Punkt für beide

Sportstätten

Oslo, Lillehammer und Vikersund hier; Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding und Oberhof dort. Es klingt nicht so, aber diese Orte sind quasi das Dortmund und Schalke des Wintersports. Die Weltcups dort besuchen zehntausende Zuschauer. Für den Erfolg würde Rodel-Bundestrainer Norbert Loch „nicht das Fördergeld in den Vordergrund stellen, sondern die Tradition und die Nachwuchsarbeit in diesen Zentren“. Das zahlt sich in Medaillen aus: im Langlauf (13), Ski alpin (6), Skispringen und Biathlon (je 5) bei Norwegern, beim Rodeln, Biathlon (je 6), Skispringen und in der Kombination (je 4) bei den Deutschen.

Urteil: erneutes Remis

Talentförderung

„Das frühe Qualifikationssystem mit knallharten Wettkämpfen ist ein ganz wesentlicher Punkt, das kennen die Sportler von frühauf“, erklärt Loch. In Norwegen werden dagegen keine Ergebnisse ermittelt, bis der Nachwuchs 13 Jahre alt ist. „Es ist besser, ein Kind zu bleiben, Spaß zu haben mit Freunden und sich zu entwickeln“, sagt Tore Övrebö, Norwegens Chef de Mission in Pyeongchang.

Urteil: eins zu eins.

Verdienstaussichten

Da guckt der Norweger bei Olympia in die Röhre. Für einen Sieg gibt es vom Staat keine Prämie, der Deutsche Olympische Sportbund belohnt Gold mit 20 000 Euro. Topstars wie Aksel Lund Svindal, Johannes Kläbo (Langlauf) und Daniel-André Tande (Skispringen) kommen trotzdem dank Weltcup-Prämien und Sponsoren auf siebenstellige Jahressaläre. Das gilt aber auch für Ski-Ass Felix Neureuther und Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier.

Urteil: Punkt für Deutschland

Fachliche Kompetenz

Deutschland ist ein Trainer-Exportland. „Das ganze Know-how kann man nicht immer für sich behalten“, sagt Loch. Das gilt vor allem fürs Rodeln mit Rene Friedl (Österreich) und Wolfgang Staudinger (Kanada) sowie für Biathlon mit Ricco Groß (Russland) und Wolfgang Pichler (Schweden). Den Höhenflug norwegischer Skispringer verantwortet dagegen Alexander Stöckl, ein Österreicher.

Urteil: Vorteil Deutschland

Star-Faktor

Gemäß Medaillenausbeute sind die Norweger die größten Stars: Ole Einar Björndalen (Biathlon) und Björn Daehlie (Langlauf) gewannen je achtmal Gold, Langläuferin Marit Björgen kann ihre Landsleute am Sonntag noch im 30-Kilometer-Lauf einholen. Immerhin: Claudia Pechstein kommt auf fünfmal Gold – zum Glück will sie ja noch bis Peking 2022 weitermachen...

Urteil: Punkt für Norwegen

Party-Faktor

Norwegens Skispringer wollten ihr Team-Gold nicht wie all die Langläufer zuvor feiern: mit einer Sahnetorte auf dem Flur im Athletendorf. In Pyeongchang gibt es nämlich kein Norwegen-Haus. „Sie hatten nicht mal Bier. Da habe ich gesagt, dass es bei uns sicher ein paar geben würde“, erklärte Andreas Wellinger die Einladung an die Kollegen. Daraus wurde der beste Abend im Deutschen Haus: Megacool und stylish gekleidet kam das Quartett zur Party vorbei. Die deutschen Medaillengewinner waren in den Tagen zuvor dagegen brav.

Urteil: Ein extrem starker Auftritt reicht Norwegen zum Punkt

Fazit

6:5! Norwegen ist im Winter ein Stück voraus, ja. Deutschland hat aber dafür im Sommer viel mehr zu bieten. Diese Auswertung bedeutet noch lange nicht, dass Norwegen am Ende vorne liegen wird. Bis Sonntag ist noch alles drin.

 
 

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