Moritz Böhringer winkt dank Amateurvideo ein NFL-Vertrag

Moritz Böhringer (l.) spielte zuletzt noch für die Schwäbisch Hall Unicorns.
Moritz Böhringer (l.) spielte zuletzt noch für die Schwäbisch Hall Unicorns.
Foto: UNICORNS / Manfred Löffler
Der 22-Jährige spielt erst seit fünf Jahren American Football. Beim Talenttag überzeugte er die Späher aus der besten Liga der Welt.

Essen.. Es hört sich an wie das Drehbuch eines Hollywoodstreifens: Nach ein paar Jahren Hobbysport verändert ein Amateurvideo im Internet das sportliche Leben eines Maschinenbaustudenten aus Deutschland von jetzt auf gleich. Er wird zur Talentsichtung in der amerikanischen Football-Liga NFL eingeladen, verzückt dabei die Talentspäher so sehr, dass er nun einen Profivertrag unterschreiben könnte. Beim Draft wählen die US-Teams ab der Nacht von Donnerstag auf Freitag (1.45 Uhr, Pro7Maxx) die besten Nachwuchskräfte aus. An Moritz Böhringer aus Aalen, aus dem Football-Niemandsland Deutschland, haben dabei vor wenigen Wochen die wenigsten Experten gedacht.

„Es ist verrückt. Alles passiert so schnell, alles hat sich geändert“, sagt der 22 Jahre alte Schwabe, der den Rummel um seine Person noch nicht fassen kann. Verständlich, ein Freund hatte seine besten Szenen als Video zusammengestellt ins Internet gestellt, im Frühjahr meldete sich ein NFL-Mitarbeiter aus London, Böhringer solle zum Probetraining nach Miami kommen, um NFL-Luft zu schnuppern.

Kandidat für die vierte Wahlrunde

Für den „Pro Day“ Ende März hatte sich der 1,95-Meter große und 102 Kilo schwere Deutsche nur vorgenommen: „Schnell rennen und Bälle fangen.“ Und tatsächlich. Er rannte sehr schnell, fing selbst schlecht geworfene Bälle. Seine Werte bei Sprint- und Sprungübungen – besser als die der höher gehandelten 2500 Spieler der US-Universitäts-Teams. Plötzlich war dieser Deutsche Gesprächsthema Nummer eins unter den Spähern, hatte am Ende Visitenkarten und Einladungen mehrerer NFL-Teams in der Tasche.

Am Freitag steigt der Draft in Chicago, es ist die große Talentverpflichtung der NFL-Klubs. Drei Tage lang werden die Wunschkandidaten dann in sieben Runden ausgewählt. Experten sehen Böhringer als Kandidaten für die vierte Wahlrunde. Der 22-Jährige selbst bleibt skeptisch. „Eigentlich gehe ich nicht davon aus, gewählt zu werden. Ich hoff’s natürlich trotzdem.“

Start bei Schwäbisch Hall Unicorns

Böhringer spuckt keine großen Töne, der Rummel um seine Person ist ihm unangenehm. Viel lieber lässt er Taten auf dem Feld für sich sprechen. Lange spielte er Fußball, setzte dann mit 17 Jahren erstmals den Football-Helm auf und arbeitete sich von der Landesliga in die Bundesliga vor. Bei den Schwäbisch Hall Unicorns wurde er im Premierenjahr nach 16 gefangenen Touchdown-Pässen und 1461 gelaufenen Yards zum besten Neuling des Jahres gewählt.

Dass darauf die NFL folgen könnte, ist außergewöhnlich. Noch nie wurde ein Europäer ohne Spielerfahrung an einer amerikanischen High School oder einer US-Universität direkt in die NFL berufen. Eine weitere Besonderheit: Derzeit spielen zwar vier Deutsche in der Eliteliga, aber keiner als Wide Receiver – also als Spieler, der auf den Außenbahnen Pässe fängt und eine der wichtigsten Positionen bekleiden. Damit könnte Deutschland bald seinen ersten echten Star in der NFL haben – dank eines Amateurvideos.

 
 

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