IOC sperrt Russlands Verband für Olympia - warum die Sportler trotzdem starten können

IOC-Präsident Thomas Bach
IOC-Präsident Thomas Bach
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Lausanne.. Ein 70-jähriger Schweizer stand am Dienstag im Blickpunkt der Sport-Welt. Samuel Schmid, ein früherer Bundesrat in der Schweiz, verkündete um 19.41 Uhr die Ergebnisse der nach ihm benannten und vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingesetzten Kommission. In Russland gab es systematisches Doping, so die Feststellung der Kommission. Aus diesem Grund werde das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) gesperrt. Dies bedeutet aber keinen Totalausschluss Russlands, denn ausgewählte russische Sportler dürfen bei den Winterspielen „unter strikten Bedingungen“ an den Start gehen. Wie genau diese Sportler aus Russland nachweisen können, dass sie sauber sind und nicht gedopt haben, blieb am Dienstag noch unklar. Die Entscheidungen darüber, wer sauber ist, treffen nicht wie vor den Sommerspielen 2016 in Rio die Fachverbände, sondern die neu geschaffene unabhängige Behörde für Doping-Testverfahren ITA.

Olympia-Boykott möglich

„Einzel- und Mannschaftssportler aus Russland können unter neutraler Flagge unter dem Namen Olympischer Athlet aus Russland (OAR) an den Winterspielen teilnehmen. Sie werden eine einheitliche Uniform tragen. Bei einer eventuellen Siegerehrung wird die olympische Hymne gespielt“, erklärte Thomas Bach, der deutsche IOC-Präsident.

Das IOC-Exekutivkomitee unter Leitung von Bach sah es als erwiesen an, dass Russland während der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 mittels eines staatlich gelenkten Dopingsystems betrogen hat. „Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports“, sagte Bach. Während saubere russische Sportler um Medaillen kämpfen können, darf kein Beamter des russischen Sportministeriums bei den Olympischen Winterspielen 2018 akkreditiert werden.

Der frühere Sportminister Witali Mutko wird von allen zukünftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Mutko ist Vorsitzender des Organisationskomitees der WM-Endrunde 2018 und Präsident des russischen Fußballverbandes RFS. Außerdem verhängte das IOC eine Geldstrafe für Russland in Höhe von 15 Millionen Dollar. Das Geld fließt in den Anti-Doping-Kampf.

Es bleibt abzuwarten, ob Russland mit einem Boykott auf die Strafe reagiert. In den vergangenen Tagen hatten russische Sportfunktionäre einen solchen Plan angekündigt, falls Russlands Flagge nicht gehisst und die Hymne des Landes nicht gespielt werde. Am Montag hatte dies Kremlsprecher Dimitri Peskow zurückgenommen. „Ein Boykott hat im Sport noch nie etwas gebracht“, erklärte Bach am Dienstag. Als Fechter war Bach selbst durch den deutschen Olympia-Boykott um die Teilnahme an Olympia 1980 in Moskau gebracht worden. „Ich sehe keinen Grund für einen Boykott. Wir lassen ja die sauberen Athleten starten. Diese Sportler können eine Brücke bauen in die Zukunft eines sauberen Sports statt eine neue Mauer zu errichten.“

Russland kann jetzt Einspruch einlegen und vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gehen.

Staatspräsident Wladimir Putin kündigte für Mittwoch eine Erklärung an. Die russischen Verantwortlichen hatten in der Vergangenheit zwar Fehler im Anti-Doping-Kampf eingeräumt, ein staatlich unterstütztes Dopingsystem aber stets verleugnet und die Vorwürfe von Wada-Sonderermittler Richard McLaren und dem Whistleblower Grigori Rodschenkow als westliche Propaganda abgetan.

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, äußerte sich positiv über die verhängten Sanktionen. „Es ist ein guter Tag für den Weltsport. Ein guter Tag für den deutschen Sport“, erklärte Hörmann. „Es ist eine ausgewogene Entscheidung. Auf der einen Seite drakonische Strafen für die Strippenzieher und das russische NOK, aber auch Wahrung der Rechte hoffentlich sauberer individueller Athleten auf der anderen Seite.“

Auch die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) hat die verhängten Strafen des Internationalen Olympischen Komitees IOC gegen Russland begrüßt. „Die Entscheidung ist ein klares Signal für den sauberen Sport. Das IOC hat umfangreiche Maßnahmen erarbeitet. Die Entscheidung stellt einen Wendepunkt mit einer deutlichen Aussage des IOC für faire Wettbewerbe dar: Doping wird nicht toleriert“, sagte die Nada-Vorsitzende Andrea Gotzmann.

 

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