Im Ringen ums Ringen spielt Bach eine unrühmliche Rolle

Reinhard Schüssler
Nach einer weltweiten Protestwelle ist das Internationale Olympische Komitee zurückgerudert und macht der klassichen Sportart Ringen wieder Hoffnung, doch olympisch zu bleiben. IOC-Vizepräsident Thomas Bach spielt dabei wieder einmal nicht mit offenen Karten. Ein Kommentar.

Essen. Am schnellsten hatte Thomas Bach sein Fähnchen in den Wind gehängt. Sobald er die Welle der Empörung auf das Internationale Olympische Komitee zurollen sah, spielte der deutsche IOC-Vizepräsident das angekündigte Olympia-Aus für das Ringen als eine Art Warnschuss herunter: „Das zeigt, unsere Botschaft ist offenbar angekommen“, erwies sich der 59-jährige Jurist gewohnt flexibel. Zuvor hatte er noch jede Positionierung vermieden und sich auf die wachsweiche Formel zurückgezogen: „Für viele Sportarten gibt es gute Argumente, am Ende muss jedoch eine Auswahl getroffen werden.“

Wer so redet, entlarvt sich als feiger Taktierer. Was angesichts der Funktionärskarriere des Fecht-Olympiasiegers nichts Neues ist, aber diesmal noch weniger verwundert als sonst. Steht doch bei der IOC-Session im September in Buenos Aires nicht nur die olympische Zukunft des Ringens auf dem Spiel, sondern auch seine ganz persönliche. Für Bachs Ambitionen auf die Nachfolge von IOC-Präsident Jacques Rogge ist es – so wohl sein Kalkül – allemal besser, sich stets nach allen Seiten offen zu halten.

Ebenso wie Bach ist auch Rogge inzwischen zurückgerudert. Ob aus Überzeugung oder lediglich aus Sorge vor der Dynamik einer offenbar so nicht erwarteten Protestwelle, dürfte den Ringern egal sein, solange ihr Sport olympisch bleibt. Aber vielleicht begreift die Mehrheit der IOC-Mitglieder ja tatsächlich noch, was die Streichung einer klassischen Sportart bedeuten würde. Nämlich nichts weniger als ein Vergehen am Olympischen Geist, wie es der Ringer-Verbandspräsident aus dem Ursprungsland der Spiele treffend formulierte.

In 15 Disziplinen wird um olympisches Gold geschossen

Der Kompromiss liegt auf der Hand. Mit einem Verzicht auf eine der beiden Stilarten (griechisch-römisch, Freistil) und/oder einer Reduzierung der Gewichtsklassen könnten letztlich auch die Ringer leben, gleichzeitig wäre damit im olympischen Programm Platz für Trendsportarten geschaffen. Von anderen Streichmöglichkeiten ganz zu schweigen. So wird inzwischen in nicht weniger als 15 Disziplinen um olympisches Gold geschossen, u.a. mit der Schnellfeuerpistole, dem Luftgewehr und dem Kleinkalibergewehr. Was die zugegeben böse Frage provoziert: Wie weit reicht eigentlich der Arm der Waffenlobby?