Harting will Leichtathletik von Doping-Schatten erlösen

Olympiasieger Robert Harting fordert neue Weltrekord-Listen, weil die Bestmarken zu Hochzeiten des Dopings erzielt wurden. Der simple Trick dabei: Der Diskus soll ein Gramm schwerer werden - dann müsste die Weltrekord-Buchführung von vorne beginnen.

Berlin. Robert Harting ist bekannt für laute Töne und wilde Ideen. Im Kopf des Diskus-Olympiasiegers aus Berlin kreiseln die Gedanken wohl manchmal ähnlich intensiv wie sein Sportgerät in der Luft. Wenn es schlecht läuft, ist am Ende irgend jemand beleidigt. Wenn es gut läuft, entsteht aus den turbulenten Gedankenspielen des 29-Jährigen etwas wie die Deutsche Sportlotterie, mit deren Gewinnen künftig das finanzielle Auskommen olympischer Spitzensportler aufgebessert werden soll und die nach der Erteilung einer Werbeerlaubnis noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen will.

Auch Hartings neueste Idee, die er der Welt nach dem Ende der Leichtathletik-Saison gerade via „Sport Bild“ mitgeteilt hat, klingt nicht schlecht: Der zwei Kilogramm schwere Diskus solle doch bitteschön um ein Gramm schwerer gemacht werden, denn mit der neuen Gewichtsklasse müsste auch die Weltrekord-Buchführung von vorn begonnen werden.

„So erlöst man sich von den alten Schatten. Sonst wird der Sport nie ein neues Gesicht bekommen“, sagte Harting. Die Weltrekordmarke, die der Schweriner Jürgen Schult 1986 auf 74,08 Meter geschraubt hat, scheint unerreichbar für die Athleten der heutigen Zeit. Harting, als Olympiasieger 2012, Weltmeister 2013, 2011 und 2009 sowie Europameister 2014 und 2012 in den vergangenen Jahren der Dominator der Szene, hat es bislang gerade mal auf 70,66 Meter (Mai 2012) gebracht.

"Die Leistung eines Hybridmenschen"

„Damals wurde durch Doping an der Biologie des Menschen herummanipuliert“, sagte er. „Das war keine Leistung eines Menschen, sondern die eines Hybridmenschen, der seine Leistungsfähigkeit durch eine Kombination aus biologischer Unterstützung und Training erreichte. Diese Möglichkeit gibt es heute nicht mehr.“

Somit käme Hartings Ein-Gramm-Idee auch anderen entgegen, den Hammerwerfern, den Kugelstoßerinnen oder den Diskuswerferinnen. Die Mannheimerin Shanice Craft, die bei den Europameisterschaften im August in Zürich die Bronzemedaille holte, sagte zuletzt über die 76,80 Meter der Weltrekordlerin Gabriele Reinsch aus dem Jahr 1988: „Das ist eine Hausmarke, ich glaube nicht, dass man das mit sauberen Mitteln erreichen kann.“

Auch der Junioren-Rekord ist aus den Achtziger-Jahren

Shanice Craft selbst war schon als Jugendliche eine Überfliegerin in ihrer Disziplin, nationale Konkurrenz hatte sie kaum. Also blickte Craft auf der Suche nach neuen Zielen zum Deutschen Rekord. „Aber da wurde mir übel. Der lag ungefähr 20 Meter über meiner Bestleistung“, erzählte sie.

Der Deutsche Junioren-Rekord ist zugleich der Nachwuchs-Weltrekord und liegt bei 74,40 Metern, aufgestellt 1988 von der Leipzigerin Ilke Wyludda. Crafts aktuelle Bestweite: 65,88 Meter.

 
 

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