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Fast die Höchststrafe für Russland: Putin verliert sein Gesicht

Russlands Staatschef Wladimir Putin
Russlands Staatschef Wladimir Putin
Foto: dpa

Essen. Am Ende hatte Thomas Bach keine andere Wahl: Der IOC-Präsident konnte nicht länger seine schützende Hand über Russland und die staatsgelenkten Doping-Machenschaften halten, ohne Gefahr zu laufen, den Rest von Reputation im Olympia-Jahr 2018 zu verlieren. Russland bekam mit dem Ausschluss von den Winterspielen genau die Strafe, die Betrüger im Sport verdienen.

Systematisches Doping verletzt nicht nur die Werte von Aufrichtigkeit und Anstand, die mit dem Olympischen Sport verbunden sind. Systematisches Doping treibt Raubbau mit der Gesundheit junger Athleten und ist nicht weniger als Körperverletzung in staatlicher Dimension. Staatsdoping ist Ausdruck eines perversen Menschenbilds. Dass ausgerechnet sein Verbündeter Bach das vernichtende Urteil verkündete, nachdem der 2016 noch bis zur Selbstverleugnung seine Milde gegenüber Russland verteidigt hatte, macht die Angelegenheit nur fataler für Staatschef Wladimir Putin: Er, vor vier Jahren Gastgeber in Sotschi, verliert vor der Weltöffentlichkeit erneut sein Gesicht.

Der Abschlussbericht des Internationalen Olympischen Komitees bringt die Fassade russischer Propaganda zum Einsturz. Mit erzwungenem Erfolg im Sport wollte Putins Russland bestenfalls die eigene Leistungsfähigkeit herausstellen, schlimmstenfalls über Menschenrechtsverletzungen und den Mangel an Demokratieverständnis hinwegtäuschen. Nun wird man nichts von Russland in Pyeongchang sehen. Keine Flagge. Keine Hymne. Keine Mannschaft. Nur russische Sportler unter neutraler Beflaggung. Das ist fast die Höchststrafe.

Zwei Monate vor den Winterspielen in Pyeongchang hat die Olympische Bewegung in höchster Not die eine verbliebene Chance auf Glaubwürdigkeit und Hoffnung auf sauberen Sport genutzt. Thomas Bach verdient deswegen keinen Beifall. Sehr spät sind er und seine IOC-Exekutive zur Vernunft gekommen. Sein Glück: nicht zu spät.

 

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