Eishockey-WM: Müdes Eishockey-Team verliert gegen Kanada

Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm.
Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm.
Foto: dpa

Herning. Nach der 0:3 (0:1, 0:1, 0:1)-Niederlage und einer eher müden Vorstellung im Abschluss-Spiel der Eishockey-Weltmeisterschaft gegen Kanada zerstreut sich die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochmorgen in alle Winde. Ein Teil fliegt vom jütländischen Kleinflughafen Billund zurück, der andere mit Bundestrainer Marco Sturm von der Stadt Aarhus. Mit dem elften Platz im Endklassement, aber nur zwei Siegen im Gepäck war das Turnier in Dänemark nach Olympia-Silber eine Ernüchterung.

Bei der Dienstagspartie gegen Vizeweltmeister Kanada merkte man der deutschen Mannschaft vor 6200 Zuschauern doch arg an, dass die Luft raus war aus dem Turnier. Schon nach 20 Spielsekunden stand es durch Brayden Schenn (St. Louis Blues) 0:1, als die deutsche Defensive mit den Gedanken noch in der Kabine schien.

Dominik Kahun hatte nach zehn Minuten per Solo die Ausgleichschance, scheiterte aber am kanadische Torsteher Darcy Kuemper (Arizona Coyotes), der im Turnier die drittschwächste Bilanz in der Statistik hat. Nur die beiden Südkoreaner waren noch unsicherer.

Auch im zweiten Drittel kam keine rechte Energie auf dem Eis auf. Leon Daisaitls Teamkollege bei den Edmonton Oilers, Ryan Nugent-Hopkins, machte mit einem verdeckten Halbdistanzschuss das 2:0 nach gut 30 Minuten. Wie beim 1:0 legte 100-Millionen-Dollar-Center und Draisaitl-Sturmpartner Connor McDavid auf.

Auch im Schlussdrittel wurde es aus deutscher Sicht nicht schwungvoller. Kanada kam durch Tyson Jost (Colorado Avalanche) in der 50. Minuten noch zum 3:0. Damit war die fünfte Niederlage im siebten Gruppenspiel besiegelt - bei 12:30 Schüssen gegen Deutschland.

Die deutschen Fans störte das nicht mehr. “Herning, wir sagen Dankeschön”, sangen die Anhänger am Ende minutenlang für wirklich gelungene zwei WM-Wochen in der jütländischen Kleinstadt.

Bundestrainer Sturm ließ schon vor dem Kanada-Abschluss keine Zweifel daran aufkommen, “alles noch einmal so zu machen - weil es eben keine Alternative gibt”. Der geplante, aber schneller als gedacht erzwungene Verjüngungsprozess durch eine Flut von Absagen und Rücktritten ist für das deutsche Eishockey eine Chance, sich auf Dauer in den Top 8 der Welt zu etablieren.

Neben schmerzhaften Niederlagen gegen Dänemark, Norwegen und Lettland - allesamt Nationen, die nicht besser als Deutschland aufgestellt sind - setzte die DEB-Auswahl ausgerechnet gegen Ex-Weltmeister Finnland mit einem 3:2 in der Verlängerung ein Ausrufezeichen.

“Unser Weg ist der richtige. Die jungen Spieler müssen gefordert werden. Und sie haben es ja auch drauf - wie gegen Finnland gesehen”, sagt der Bundestrainer.

College-Angreifer Mark Michaelis (22/Minnesota State) beispielsweise zeigte Speed und Durchsetzungsvermögen, der bei Pittsburgh unter Vertrag stehende Heim-WM-Held Frederik Tiffels (22) ebenfalls. Außenstürmer Markus Eisenschmid (23), dessen NHL-Vertrag im Montreal ausgelaufen ist, belohnte sich gegen die Finnen mit dem Siegtor. Dass der künftig bei Chicago in der NHL unter Vertrag stehende Münchener Dominik Kahun (22) eine Menge drauf hat, ist spätestens seit seinem Olympia-Auftritt in Pyeongchang bekannt. Gleiches gilt für den Nürnberger Yasin Ehliz (25).

Weitere Jungspunde hat der Bundestrainer im Visier. Die Collegespieler Parker Tuomie (22/Minnesota State) und Nico Sturm (23/Clarkson University) etwa, die in diesem Jahr keine Uni-Freigabe erhalten hatten. Auch das 18-jährige Talent Dominik Bokk ist ein Thema. Der ehemalige Kölner Jung-Hai spielt beim schwedischen Meister Växjö Lakers und gilt als NHL-Kandidat bei der kommenden Draft-Runde am 22. und 23. Juni in Dallas, wo die 31 Teams ihre neuen Talente unter Vertrag nehmen.

Das große Ganze verliert der Eishockey-Bundestrainer nicht aus dem Blick. Bei der WM im Mai 2019 in der Slowakei geht es darum, die Position unter den besten acht Nationen in der IIHF-Weltrangliste zu verteidigen. Dann wäre das direkte Olympia-Ticket für die Spiele 2022 in Peking gesichert. Bis zum WM-Turnier in vier Jahren nach den Olympischen Winterspielen läuft auch Sturms Trainer-Vertrag.

Übrigens: Die WM-Vorrunde war, was die Zuschauerzahlen anbetrifft, in Herning und auch in der Royal Arena zu Kopenhagen ein Erfolg. Im Schnitt sahen fast 8000 Zuschauer pro Spiel zu. Den meisten Zuspruch mit über 10 000 Fans pro Partie erhielt bisher Gastgeber Dänemark sowie Nachbar Schweden. Bei Norwegen und Lettland waren es jeweils nur etwas mehr als 6000 Besucher pro Auftritt.

 
 

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