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Die bittere Geschichte von Tischtennis-Profi Christian Süß

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Borussia Duesseldorf - tischtennis Bundesliga Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool
Bis 2011 gehörte der Tischtennis-Profi Christian Süß zu den besten Spielern dann Welt, dann verletzte er sich bei einem Showturnier schwer. Nach OP und Reha kämpfte er sich zurück. Dann wirft ihn die gleiche Verletzung erneut nieder. Wieder kehrte er zurück. Und steht vor einer ungewissen Zukunft.

Düsseldorf. 

Für Fußball-Trainer wäre dieser Ort ein Alptraum. Zu viele Geheimnisse liegen offen. Aber Tischtennis-Profis trainieren anders als Fußballer. Im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf gehören Christian Süß und Bastian Steger zu einer Trainingsgruppe. Süß spielt bei Borussia Düsseldorf, Steger beim 1. FC Saarbrücken TT. In der Bundesliga sind sie Konkurrenten, hier arbeiten sie zusammen an ihren Schwächen. Irgendwann grinst Steger: „Wenn wir gegen euch spielen – können wir da was drehen?“ Die Antwort von Süß sagt viel über seine Geschichte aus: „Mach dir keine Sorgen – ich spiele gegen euch.“

Christian Süß ist Schalke-Fan. Vielleicht kennt er sich deshalb so gut mit Galgenhumor aus. Viel mehr ist ihm seit zweieinhalb Jahren auch nicht übrig geblieben.

Bis 2011 lief seine Karriere wie auf Schienen. Süß gehörte zu den besten Tischtennisspielern der Welt, 2008 holte er mit der deutschen Mannschaft bei Olympia die Silbermedaille.

Eine Verletzung, die viel verändert

Im Eingang des Düsseldorfer Trainingszentrums hängt ein großes Poster von diesem Augenblick. Christian Süß lächelt Christian Süß an. „Das Bild nehme ich gar nicht mehr wahr“, sagt er heute. So weit liegt der Erfolg zurück.

Seine Geschichte änderte sich an einem Sonntag. Der 19. Juni 2011 war der letzte Tag eines zweiwöchigen Show-Turniers. Danach sollte der Sommerurlaub kommen. In Hemer, mitten in der Provinz, passiert es. Süß muss sein Match gegen den Belgier Jean-Michel Saive abbrechen, ein Stück vom Knorpel im rechten Knie ist abgesplittert. Knorpelabsplitterung? Eine Verletzung, die bei Tischtennisspielern äußerst selten ist. Faserrisse, Zerrungen, ja. Aber Knorpelschäden? „Ich bin halt dabei. Super“, sagt Süß. Galgenhumor, seine Abwehrtaktik. Doch dann wird er nachdenklich, sagt ernsthaft: „Die Verletzung hat viel in meiner Sportlerkarriere verändert.“

Zur Ablenkung machte Süß die Trainer-A-Lizenz – und arbeitet an seinem Abitur

Christian Süß wird operiert, er absolviert seine Reha, er kämpft sich zurück. Bei der Team-Weltmeisterschaft im März und April 2012 in Dortmund holt der Ahlener zusammen mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov Silber. Anfang 2013 kehren die Schmerzen zurück. Der 28-Jährige kommt um eine zweite Operation nicht mehr herum, muss danach erneut in die Reha. Zur Ablenkung hat Christian Süß während der Leidenszeit mit der Ausbildung zum A-Lizenz-Trainer angefangen. Auch sein Abitur macht er nach. Ende des Jahres musste er noch einmal unters Messer, ein kleiner Eingriff nur. Aber für Süß ist es wie ein Genickschlag.

Wieder war es hart. Wieder kämpfte er. Im Januar stieg er ins Training ein, er feierte sein Comeback bei den Ungarn Open, schaffte es in die zweite Runde. „Damit war ich eigentlich zufrieden“, sagt Süß, „man kann keine Wunderdinge erwarten, dass ich von heute auf morgen der Alte bin.“ Das spürte er auch bei seinen ersten Bundesligaeinsätzen für Düsseldorf: „Das ist manchmal eine Qual“, sagt Süß, „weil man merkt, auf welchem Level die anderen sind. Und man selber nicht.“ Es ist die Politik der kleinen Schritte. Vor der Verletzung gehörte er zur Top 30 der Welt, aktuell steht er auf Rang 68.

Die Wege von Christian Süß und Düsseldorf trennen sich – vorübergehend

Um wieder angreifen zu können, braucht Christian Süß Spielpraxis. Spiele wie gegen Ochsenhausen sind für ihn wichtig. Doch das Heimspiel könnte eines seiner letzten für Düsseldorf sein. Nach 13 Jahren bei seiner Borussia trennen sich vorübergehend die Wege. Im Juni läuft sein Vertrag aus. Süß wird Teil der Trainingsgruppe bleiben, aber ein Aufbaujahr bei einem anderen Bundesligisten machen. 2015 soll er zurückkommen.

Als Schalke-Fan ist Christian Süß leidgeprüft. Als Langzeitverletzter auch. Was er jetzt tun kann? Seinen Galgenhumor in Zuversicht verwandeln. Und kämpfen.