Deutschlands Eishockey-Spieler: Es wird Zeit für neue Helden

Die deutschen Eishockey-Spieler jubeln nach dem sensationellen Erfolg gegen Schweden.
Die deutschen Eishockey-Spieler jubeln nach dem sensationellen Erfolg gegen Schweden.
Foto: imago
Im deutschen Eishockey gelten die Bronze-Gewinner von 1976 als legendär. Im Halbfinale gegen Kanada kann das aktuelle Team Geschichte schreiben.

Pyeonchang.  Vor ein paar Jahren legte Franz Reindl ein Programm auf; eines, das in die Zukunft gerichtet ist, das große Ambitionen in sich trägt. Er nannte es „Powerplay26“ und drückte darin das Ziel aus, im Jahr 2026 mit der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) um Medaillen spielen zu können. Es klang wie ein Traum, der DEB-Präsident wurde auch etwas belächelt dafür, denn dieser Sport kennt klare Trennlinien zwischen Großen und Kleinen.

Die deutsche Auswahl zählt zu den Kleinen, doch ganz offenbar ist sie im Begriff zu wachsen. So schnell sogar, dass sie ihrer Zeit und dem Programm von Reindl weit voraus ist. In Südkorea bei den Olympischen Spielen steht das deutsche Team plötzlich im Halbfinale. „Das ist ein kleines Wunder“, sagt der DEB-Chef.

Der Präsident war damals Stürmer

Die Spieler können sich auf einmal zu einer Generation krönen, die unvergessen bleiben wird. So wie einst der Stürmer Reindl, als er 1976 in Innsbruck Olympiabronze mit dem heute als legendär geltenden deutschen Team gewann – mit Könnern wie Erich Kühnhackl, Alois Schloder und Lorenz Funk.

Obwohl die nächste Aufgabe unfassbar schwer erscheint, fühlt sich alles leichter an nach dem sensationellen 4:3 gegen Schweden im Viertelfinale. Der Gegner im Halbfinale an diesem Freitag (13.10 Uhr/ARD und Eurosport) ist Kanada, der Rekord-Olympiasieger. Aber die Deutschen haben ja schon den Weltmeister aus dem Weg geräumt. .„Was wir erreicht haben, ist das Größte, was wir schaffen konnten. Jetzt ist der Druck gar nicht mehr bei uns, jetzt wissen wir erst recht, dass alles möglich ist“, sagt Stürmer Dominik Kahun.

Drei Spiele liegen hinter ihm, die erst in Verlängerung oder im Penaltyschießen entschieden wurden, allesamt zugunsten des DEB-Teams, das sich als enorm nervenstark erwiesen hat. Das treibt die Euphorie in die Höhe. „Sie sind auf einer Wolke“, sagt Bundestrainer Marco Sturm, „und da wollen sie bleiben.

Erst einmal waren die Spieler aber wieder am Strand, Sturm ließ regenerieren statt trainieren. Reindl nutzte derweil die Zeit, um im Deutschen Haus in Pyeongchang die Bedeutung dieses Erfolgs einzuordnen, nachdem man vier Jahre zuvor noch die Qualifikation für die Spiele verpasst hatte. „Wir müssen diese Plattform Olympia für das Eishockey nutzen“, sagt der DEB-Präsident, dessen Verband um Aufmerksamkeit neben dem Fußball ringt und die Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen in zentraler Rolle dabei sieht. „Jetzt wird die Plattform nicht nur fürs Dabeisein genutzt, sondern für sportlichen Erfolg. Das bedeutet für den deutschen Eishockeysport, für die Ligen, für die Klubs enorm viel“, sagt Reindl.

Eine olympische Medaille ist nun in unmittelbarer Reichweite, nach Bronze 1932 und 1976 wäre es die dritte. „Es kann uns nichts mehr schocken, wir sind bereit“, sagt Sturm. Kahun verspricht: „Wir werden alles dafür tun, ins Finale zu kommen.“ So wie bisher. So ließe sich auch Kanada bezwingen. Sturm sagt, die Kanadier seien besser besetzt, „aber wir haben das größere Herz“. Und so viel besser sind die Kanadier ohne ihre NHL-Spieler eben auch nicht.

In Deutschland melden sich nun die alten Helden zu Wort. Sie sagen, dass sie schon viel zu lange verehrt wurden. Alois Schloder, der Kapitän der Bronzegewinner von 1976, meint: „Die Zeit ist reif, dass neue Helden geboren werden.“

 
 

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