Deutschlandachter will vom Dortmund-Ems-Kanal an Weltspitze

Der Deutschlandachter geht mit drei Rückkehrern in die neue Rudersaison. Bundestrainer Ralf Holtmeyer will den WM-Titel von den Briten zurückholen.

Dortmund.. Bescheiden sei er, sagt Richard Schmidt über sich selbst. Wenn der 27 Jahre alte Trierer jedoch auf seinem Sitz im Deutschlandachter rollt, ist es vorbei mit der Zurückhaltung. „Bis vor drei Jahren waren sie mir egal, weil wir sie immer besiegt haben“, sagt Schmidt zu den Niederlagen, die das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes bei den letzten Weltmeisterschaften gegen Großbritannien bezogen hat, „aber langsam geht’s mir auf die Nerven.“ Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio will sich das deutsche Paradeboot in diesem Sommer die Vorherrschaft bei der Europa- und Weltmeisterschaft zurückholen. Schmidt: „Dieses Ziel hat jeder.“

EM, WM und Olympia-Qualifikation

Der 1,91 Meter große und 96 Kilogramm schwere Modellathlet ist neben Eric Johannesen und Maximilian Reinelt sowie Steuermann Martin Sauer übrig geblieben aus der Olympiasieger-Riege, die 2012 die Briten auf dem Londoner Dorney Lake bezwungen hat. Am Donnerstag stellte Bundestrainer Ralf Holtmeyer im Dortmunder Leistungszentrum jene Männer vor, die vom 29. bis 31. Mai im polnischen Posen um den EM-Titel und das Prestige gegen den großen Rivalen rudern sollen. Etwas später soll sich der Achter bei der WM in Aiguebelette (Frankreich/30. August bis 6. September) als eine von fünf Mannschaften das direkte Olympia-Ticket sichern. Mindestens.

„Wir wollen uns die Position eins in der Welt zurückholen“, gibt sich Holtmeyer kampfeslustig, um 2016 in Rio das fünfte Gold für Deutschland in Angriff nehmen zu können: „Erfolge jetzt geben uns Sicherheit für spätere Rennen.“

Debütanten sind keine unter denen, die auf dem Dortmund-Ems-Kanal trainieren, um nach 220 Schlägen im 2000-Meter-Rennen als Erste die imaginäre Ziellinie überfahren zu können. Mit dem neuen Schlagmann Hannes Ocik, Anton Braun und Maximilian Munski kehren drei erfahrene Ruderer zurück. Abgesehen von den Olympiasiegern konnten der Castrop-Rauxeler Malte Jakschik und der Leverkusener Felix Drahotta ihren Rollsitz behaupten. Zusammen haben sie bereits den Weltcup-Auftakt in Bled (Slowenien) und die Hügelregatta auf dem Essener Baldeneysee gewonnen. „Dieses Team hat das Potenzial, auf ein ähnlich hohes Niveau wie das von 2012 zu kommen“, glaubt Goldruderer Johannesen.

Hohe Leistungsdichte im Team

Doch Ralf Holtmeyer wäre nicht er selbst, wenn er nach diesen Siegen der aktuellen Crew einen Persilschein ausstellen würde. In Bled waren zwei deutsche Boote am Start, „beide hätten bei der EM Medaillenchancen“, freut den Bundestrainer die Leistungsdichte im insgesamt 20 Ruderer und zwei Steuermänner umfassenden Team Deutschlandachter, zu dem auch der Vierer und Zweier ohne Steuermann gehören. „Nach der EM wissen wir, wo wir stehen. Großboote sind leistungsstabil. Wer in Posen vorne ist, wird auch in der weiteren Saison das Geschehen mit bestimmen. Wenn wir aber eine halbe oder dreiviertel Länge zu langsam sind, können wir im Juni immer noch sehen, ob wir etwas an der ein oder anderen Stelle verändern.“

Deutschlands Trainer des Jahres 2012, unter dessen Verantwortung der Achter bereits 1988 in Seoul zu Gold gerudert ist und der nach dem Olympia-Debakel in Peking 2008 mit Platz acht wieder das Vorzeigeboot übernommen hat, fährt keinen Kuschelkurs im täglichen Training. Reibung und Widerstände führen seiner Vorstellung nach zu den besten Leistungen, nicht die beste Stimmung im Team: „Am harmonischsten ist eine Thekenmannschaft. Eine Altherren-Truppe, die sich einmal in der Woche trifft und dann ein Bierchen trinkt. In einer Spitzenmannschaft ist das Harmonielevel niedriger.“ Forsche Ansagen wie die von Richard Schmidt dürften dem Erfolgstrainer Holtmeyer daher gut gefallen.

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