Bobbahn in Winterberg ist Lebensader für eine ganze Region

Gewann im vergangenen Jahr: Corinna Martini (links) mit ihrer Schwester Diane.
Gewann im vergangenen Jahr: Corinna Martini (links) mit ihrer Schwester Diane.
Foto: Thomas Nitsche
Die Bobbahn in Winterberg gehört zu den modernsten der ganzen Welt. Ohne sie wäre Winterberg kaum als Wintersport-Zentrum bekannt. Am Wochenende trifft sich die Weltelite zum Rodel-Weltcup.

Winterberg. Die Fahnen aus aller Welt wehen im eisigen Wind. Eine Fahne für jedes Teilnehmerland. Es sind viele Fahnen, Fahnen aus fernen Ländern. Die Qualifikation, sozusagen die Ouvertüre für den Rodel-Weltcup in Winterberg an diesem Wochenende, läuft bereits.

Oberhalb des Zielbereichs hat das Fernsehen seinen Übertragungswagen geparkt. Die Kameras sind in Aktion. Sie werden am Samstag und Sonntag, wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen den ganzen Tag über live von den winterlichen Schauplätzen dieser Welt berichtet, aus Antholz, aus Wengen, Bilder senden. Bilder aus Winterberg. Bilder von hochklassigem Sport und weißen Baumwipfeln. Im Rücken der Bobbahn ziehen Skifahrer ihre Schwünge über den Hang.

„Dieser Weltcup“, sagt Alois Schnorbus, Prokurist der Bobbahn, „beschert uns zwei, drei, vier Stunden Präsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der Sport, der hier produziert wird, macht Winterberg bekannt.“ Bekannt als Wintersport-Region. Bestes Marketing, beste Imagepflege, die nicht möglich wäre, wenn es diese Bobbahn nicht gäbe.

Rechtfertigung

Viel Geld ist in sie seit der Erbauung 1977 gesteckt worden. Nicht nur einmal hat sich Bürgermeister Werner Eickler seit seiner Amtsübernahme 1999 für die Beträge rechtfertigen müssen, die das sich hinabschlängelnde Bauwerk verschlingt. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Die Bahn gehört zu den modernsten der Welt und erfährt noch in diesem Jahr im Zielbereich eine üppige Modernisierung. Aus gutem Grund. „Die Bobbahn“, sagt der Bürgermeister, „ist unsere Lebensader.“

Sie ist Jahr für Jahr der Schauplatz eines Weltcups im Bob und Skeleton sowie im Rodeln. Sie beschert Winterberg Gäste aus aller Welt, sie ist der Grundstein dafür, dass Winterberg neben Königssee (Bayern), Oberhof (Thüringen) und Altenberg (Sachsen) einer von vier bundesweiten Olympiastützpunkten ist – wenn auch der kleinste. „Wir müssen und können uns mit den anderen Stützpunkten messen“, sagt Alois Schnorbus, „aber ehrlicherweise muss man sagen, dass die Spitzensportförderung besonders in den Ostländern wesentlich besser ist.“

Konkurrent Thüringen

Zu Beginn der Saison verlor der BSC Winterberg mit Bobfahrerin Anja Schneiderheinze eines seiner Aushängeschilder. Thüringen hatte um ihre Gunst geworben, Sport- und Wirtschaftsminister hatten sich um den Deal gekümmert und mit den deutlich besseren Möglichkeiten in Oberhof geworben.

Die heimische Rodlerin Corinna Martini hält es nur in Winterberg, „weil ich so ein heimatverbundener Mensch bin“. Mit dem Ziel Olympia 2014 vor Augen wird auch sie im kommenden Sommer vermehrt in Oberhof trainieren. Dort gibt es eine adäquate Trainingsgruppe, dort findet sie ein spezielles Laufband vor, auf dem sie die Paddelschläge beim Start imitieren kann. Begebenheiten, die sie in Winterberg nicht vorfindet. Ein Standortnachteil.

Aber Winterberg arbeitet daran. Die mündliche Zusage liegt bereits vor, dass Winterberg eines von 20 Sport-Leistungszentren in Nordrhein-Westfalen wird. „Damit haben wir Zugang zu weiteren Fördertöpfen“, sagt Bürgermeister Eickler. Im Vorgriff darauf soll im nächsten Jahr eine neue Dreifachturnhalle fertiggestellt sein, die beste Möglichkeiten bietet, Schul- und Leistungssport gleichzeitig zu ermöglichen und über geeignete Trainingsgeräte verfügt. Auch das von den Rodlern schmerzlich vermisste Laufband ist in den Planungen enthalten.

Die richtige Richtung

„Das ist das, was wir hier brauchen“, sagt Petra Sapp, Geschäftsführerin der Bobbahn. „Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung“, meint Alois Schnorbus. Seit 1980 stellt das Hochsauerland durchgehend mindestens einen Starter bei Olympia. Anfangs belächelt, hat es sich im Rennen der Großen etabliert – und setzt nun große Hoffnungen in den Status Sport-Leistungszentrum. Junge Menschen sollen an den Sport herangeführt, Talente schneller erkannt und mit Karrieremöglichkeiten abseits von Bundespolizei und Bundeswehr gefördert werden.

Ziel ist es, Lokalmatadoren auszubilden, die um den Sieg mitfahren. Corinna Martini, die einzige heimische Sportlerin, die es in diesem Jahr in den Weltcup geschafft hat, raste im vergangenen Jahr zum Heimsieg.

Es waren schöne, emotionale Bilder aus Winterberg.

 
 

EURE FAVORITEN