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Biathletin Hammerschmidt: Das Geheimnis ihres Erfolges

Jahrelang kämpfte die Winterberger Biathletin Maren Hammerschmidt um den Sprung in den Weltcup. In dieser Saison gelang ihr nicht nur dieser: Hammerschmidt startet sogar bei der Weltmeisterschaft – mit einem großen Ziel.

Winterberg. 

  • Fünf Podestplätze in diesem Winter
  • Trainerwechsel trägt Früchte
  • „Will bei der WM etwas erreichen“

Als dieser Name fiel, veränderte sich für einen Moment vieles. Den zwei jungen Blondinen, die an diesem Morgen den Frühstückssaal eines Winterberger Hotels mit ihrem Charme und ihrer guten Laune geflutet hatten, gefror das Grinsen im Gesicht und ihre Stimmen klangen weit weniger fröhlich. Magdalena Neuner – mit diesem großen Namen, mit diesem damals vor gut einem halben Jahr zurückgetretenen Star ihrer Sportart mochten Maren und Janin Hammerschmidt (noch) nicht in einem Atemzug genannt werden.

Nicht einmal ansatzweise sollte der Eindruck entstehen, diese 23-jährigen Biathlon-Zwillinge aus dem Hochsauerland sähen sich als potenzielle Neuner-Nachfolgerinnen. „Es wird keine Neuner II geben“, sagte Maren Hammerschmidt also scharf, „und die Medien sollten aufhören, eine zu suchen.“ Ihre Schwester Janin ergänzte knapp: „Außerdem sind wir eigentlich zu weit von der Spitze entfernt, um zu diesem Thema Erklärungen abzugeben.“

Die größte Überraschung des DSV

Gut drei Jahre später trifft diese Äußerung auf Janin weiterhin zu – sie beendete ihre Karriere.

Gut drei Jahre später trifft diese Äußerung auf Maren ganz und gar nicht mehr zu. An diesem Dienstag absolviert die 26-Jährige als eine von sechs Damen der deutschen Mannschaft das erste Training auf der legendären Strecke in der Biathlonarena Holmenkollen in Oslo. Im dortigen Stadtzentrum wird am Mittwochabend die Weltmeisterschaft (3. bis 13. März) eröffnet, bei der Magdalena Neuner als Fernseh-Expertin auch die Biathletin beurteilen wird, deren bisherige Saison als die größte Überraschung innerhalb des Deutschen Skiverbandes angesehen werden darf: Maren Hammerschmidt.

„Manchmal, wenn ich mir ins Bewusstsein rufe, dass ich bei der WM starte“, sagt die Athletin des SK Winterberg, „muss ich mich selbst zwicken.“ Doch nach Jahren der Zweitklassigkeit und bitteren Verletzungen zahlen sich Hammerschmidts Ehrgeiz sowie ihre Hartnäckigkeit, in der Vergangenheit allen Widerständen getrotzt zu haben, aus. Die Wahl-Ruhpoldingerin ist fester Bestandteil des deutschen Weltcup-Teams, sie stand fünfmal auf dem Siegerpodest und konnte dank der beiden zweiten Plätze im Sprint und in der Verfolgung beim Weltcup in Hochfilzen bereits früh einen Haken hinter die erfolgreiche WM-Qualifikation setzen.

Ein sportliches Wunder?

„Sie ist einfach mal gesund durch die Vorbereitung gekommen, hat das Training etwas verändert und mehr für ihr Schießen gemacht. Das ist, glaube ich, schon das ganze Geheimnis“, sagt Janin Hammerschmidt und schmunzelt genüsslich. Wie sie war ihre Zwillingsschwester im Jahr 2008 Junioren-Weltmeisterin – und der Durchbruch aus familiärer Sicht nur eine Frage der Zeit.

Maren Hammerschmidt veränderte allerdings nicht nur ihre Trainingsinhalte etwas, sondern wechselte sogar vor einiger Zeit den Trainer. „Er ist der fast perfekte Trainer“, sagt sie über Tobias Reiter. Und: „Vor einem Jahr haben wir geschaut, was ich kann – und was er mir noch beibringen kann.“ Nach einer Art Schnupperjahr zahlt sich der Wechsel nun aus.

Gutes Gefühl bei der neuen Waffe

Was ebenso für den Tausch der Waffe gilt. „Die Umstellung war für den Kopf sehr wichtig“, erklärt die Zollbeamtin. In ihr altes Gewehr hatte sie das Vertrauen verloren, „beim neuen hatte ich sofort ein wirklich gutes Gefühl“.

Mit einem eben solchen tritt Maren Hammerschmidt bei der Weltmeisterschaft an. „Sie ist in der Mannschaft angekommen und sicherlich eine Verstärkung für das Team“, sagt Bundestrainer Gerald Hönig über die Sauerländerin, welche zuletzt gemeinsam mit Vanessa Hinz die Übersee-Weltcups ausließ, um sich in Ruhpolding auf ihre WM-Premiere vorzubereiten. „Wir haben Sachen trainiert, für die man sonst im Winter keine Zeit hat, und versucht, mit Starts zum Beispiel beim Deutschlandpokal den Wettkampfrhythmus beizubehalten“, sagt sie, „aber jetzt freue ich mich, dass es wieder los geht.“

In der Weltspitze angekommen

Gut drei Jahre nach dem Morgen in Winterberg geht es nicht nur wieder los für Maren Hammerschmidt. Es wird ernst für die Blondine, die mittlerweile sogar einen eigenen Fan-Klub hat. Von der Weltspitze ist sie nicht mehr weit entfernt – sie gehört dazu.

Deshalb formuliert sie ihr Ziel für die Titelkämpfe offensiv und sagt: „Ich starte hier, um etwas zu erreichen – am liebsten eine Medaille. Das wäre der Knaller.“ Ihr Name dürfte dann doch in einem Atemzug mit Magdalena Neuner genannt werden – ohne damit einen bösen Blick zu provozieren.