Graf setzt als erste Bundesliga-Kommentatorin ein Zeichen

Christina Graf unmittelbar vor ihrem ersten Einsatz als Bundesliga-Kommentatorin in Regensburg
Christina Graf unmittelbar vor ihrem ersten Einsatz als Bundesliga-Kommentatorin in Regensburg
Foto: sky/dpa/Armin Weigel
Christina Graf hat Mediengeschichte geschrieben. Erstmals hat eine Frau ein Spiel der Herren live im Fernsehen kommentiert. Die 27-Jährige überzeugte beim Debüt zwischen Jahn Regensburg und Hertha BSC (5:1). Inmitten der Sexismus-Debatte setzte der Fußball ein Zeichen für Gleichberechtigung.

Regensburg.. Seit einer Woche hält die Sexismus-Debatte Deutschland in Atem und auf Twitter erfolgte der „#Aufschrei“ gegen Diskriminierung. Die Öffentlichkeit diskutiert darüber, wie es mit der gelebten Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft bestellt ist und wie so oft konnte Fußball ein soziales Zeichen setzen.

Obwohl die UEFA „Respekt“ mittlerweile auf Kapitänsbinden drucken lässt und entsprechende Werbespots schaltet, hat in der 50-jährigen Bundesligageschichte noch nie eine Frau im Fernsehen eine Partie der Herren live kommentieren dürfen. Auf den Tag genau 40 Jahre nachdem mit Carmen Thomas erstmals eine Frau eine Sportsendung im TV moderierte („das aktuelle Sportstudio“ im ZDF), übergab der Bezahlsender Sky für die Zweitligabegegnung Jahn Regensburg gegen Hertha BSC das Wort an Christina Graf, die sich in einem Casting gegen 1200 Bewerberinnen durchgesetzt hatte.

„Riesenchance“ und 2. Liga

Über die Studentin der Medienwissenschaften, die in den letzten Tagen zahlreiche Interviews gab, wurde im Vorfeld ausführlich berichtet. Überregionale Medien begleiteten ihre Premiere sogar per Live-Ticker.

Auch wenn die 27-Jährige angab, froh über die „Riesenchance“ zu sein, in der 2. Liga anfangen zu dürfen, hätte Sky im aktuellen Rampenlicht ein noch größeres Zeichen für Gleichberechtigung setzen können, indem man Christina Graf keine Partie aus der zweiten Reihe (beim Tabellenletzten der 2. Liga), sondern eine Begegnung aus der 1. Liga zugetraut hätte.

Der Murdoch-Sender wagte diesen Schritt noch nicht, vielleicht auch weil Christina Graf hörbar nervös begann, als sie das Mikrophon übernahm und die Zuschauer begrüßte. Langsam, kontrolliert, noch ein bisschen steif, las sie die Aufstellungen vor. Nach dem Anstoß blieb sie oft und lange ruhig, teilweise hörte man im Hintergrund die Radiokollegen bei der Arbeit. Als Adrian Ramos nach sieben Minuten gefoult wurde, wartete die Sauerländerin mit ihrem Urteil sicherheitshalber die Wiederholung ab, beim Elfmeter nach 55 Minuten sogar die zweite. Allerdings bot die unterdurchschnittliche erste Spielhälfte auch kaum Raum für große Redekunst.

Nach 25 Minuten taut Graf auf

Nicht nur bei ihren taktischen Einwürfen merkte man Graf an, dass sie einst selbst in der Frauen-Bundesliga auf dem Platz stand, sie wusste fachlich zu überzeugen, in dem sie das Spiel aus den verschiedensten Blickwinkeln heraus las. Pannen zum Debüt, wie Carmen Thomas’ legendäres „Schalke 05“, blieben aus.

Trotz ihrer jahrelanger Erfahrung als Moderatorin bei Radio Siegen und freier Mitarbeiterin bei n-tv, benötigte Christina Graf am Sonntag dennoch eine Auftauphase von gut 25 Minuten, bis sie endlich zur Lockerheit fand und der Redefluss nicht mehr abgehackt wirkte. Ab dann agierte sie so souverän, als wäre sie schon immer da gewesen. Während es zunächst zum Abschluss von Durchgang eins nur eine kurze persönliche Bewertung der veranschlagten Nachspielzeit gab, halfen ihr sechs Tore in der zweiten Hälfte, aus sich herauszukommen und Chancen sowie Tore etwas emotionaler zu vertonen. „Drin“ war das 1:0 durch Ramos, „Wagner ist da – 3:0 für Berlin“ und am Ende hat „Hertha den Sack zugemacht“. Auch vermittelte sie dem Publikum ein Lächeln, als Herthas Ersatzspieler das Leibchen nicht über den Kopf bekam oder Knoll den Ball zum 5:1-Endstand ins Netz stolperte.

Graf überzeugt das Netz

Apropos Netz, das empfing die neue Stimme und ihre Zurückhaltung überwiegend positiv. Keine Plattitüden, keine Selbstverliebtheit, kein Anecken. Angenehm begleitete Graf den etwas „zu hohen“ Sieg des Bundesliga-Absteigers im Jahn-Stadion.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Christina Graf auf Sky - prima Leistung bisher. Viel weniger Grund zum Ärgern als bei Steffen Simon.</p>&mdash; Joerg Heinrich (@Heinrichheute) <a href="https://twitter.com/Heinrichheute/status/298049335378190336">3. Februar 2013</a></blockquote>

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<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>@<a href="https://twitter.com/deinskysport">deinskysport</a> Glückwunsch an Christina Graf für ein gelungenes Debüt! Damit steckt sie schon paar männliche Kollegen in die Tasche <a href="https://twitter.com/search/%23SkyBuli">#SkyBuli</a></p>&mdash; Chris James (@HashtagChris) <a href="https://twitter.com/HashtagChris/status/298079059924094977">3. Februar 2013</a></blockquote>

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<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Der Einstand von Christina Graf ist durchaus gelungen. Ein bisschen mehr Emotionen noch und sie kann es weit bringen.</p>&mdash; Florian Hellmuth (@chieff89) <a href="https://twitter.com/chieff89/status/298074786670731264">3. Februar 2013</a></blockquote>

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Grafs Einsatz war ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität. Für den 9. Februar wurde sie erneut nur für eine Zweitligapartie (MSV Duisburg gegen 1860 München) eingeteilt, aber heute schon bewies die Newcomerin ihre Erstklassigkeit.

 
 

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