Facebook und Twitter stellen Bundesliga-Vereine vor Probleme

Breno motzte über seinen Einsatz in der Bayern-Reserve via Twitter. Damit handelte sich der Brasilianer einen Rüffel seiner Chefs ein.
Breno motzte über seinen Einsatz in der Bayern-Reserve via Twitter. Damit handelte sich der Brasilianer einen Rüffel seiner Chefs ein.
Foto: imago
Facebook und Twitter halten Einzug in die Bundesliga. Profis kommunizieren über die „Social Media“ mit ihren Fans – ungefiltert, unzensiert, unbedacht. Erst vor ein paar Tagen, nach einem Einsatz in der Bayern-Reserve, machte Breno seinem gekränkten Ego Luft und twitterte von einer Sauerei des Vereins.

Essen. Was zwitschern wir der Welt heute? Vielleicht mal etwas Harmloses: Allen einen schönen Tag. Das ist nett, dagegen kann niemand etwas haben, und wenn es der junge Verteidiger Breno twittert, dann freuen sich die Fans des FC Bayern München.

Nicht alles, was Breno bei Twitter in letzter Zeit geschrieben hat, war so unverfänglich: Nach einer bitteren Niederlage gegen Inter Mailand wünschte sich Breno noch nachts zum FC Sao Paulo. Erst vor ein paar Tagen, nach einem Einsatz in der Bayern-Reserve, machte der Spieler seinem gekränkten Ego Luft und twitterte von einer Sauerei des Vereins. Was ihm, versteht sich, einen dicken Rüffel seiner Chefs eintrug.

Es wird wohl nicht der letzte Aufschrei bleiben, für den Facebook oder Twitter im deutschen Profi-Sport sorgen werden. Was in den USA und England längst Alltag ist, macht sich nun auch in der Bundesliga breit: Profis kommunizieren über die „Social Media“ mit ihren Fans – ungefiltert, unzensiert, unbedacht. Weltweit. Mit jedem. Wenn auch nicht immer zur Freude ihrer Arbeitgeber.

Hans Sarpei reichte ein einziger Spruch bei Twitter

Es wird gezwitschert, denn nichts anderes heißt „twittern“ in der Übersetzung, auf Facebook geschrieben oder auf eigenen Seiten gebloggt, dass es eine wahre Wonne ist. Und manch einer, der als Profi schon als Auslaufmodell verhöhnt wurde, ist plötzlich in aller Munde: Hans Sarpei reichte ein einziger Spruch bei Twitter, um im Netz eine Kultfigur zu werden. In der Sommerpause twitterte sein Mannschaftskollege Alexander Baumjohann aus dem Urlaub: „Guten Morgen... gibt es was Neues auf Schalke?“ Sarpei schrieb zurück: „Ja, du sollst nach Wolfsburg.“

Peng. Volltreffer. Denn in Wolfsburg trainiert Felix Magath, der ausgerechnet Baumjohann und Sarpei in seiner Zeit als Schalker Trainer aussortiert hatte – ohne ein einziges klärendes Wort, wie beide Spieler später monierten.

Der Spruch reichte, um Hans Sarpei in den „Social Media“ zur Kultfigur zu machen. Es gibt bei Facebook inzwischen ungezählte Sarpei-Fanseiten. Die meisten verbreiten mehr oder weniger gelungene Witze und Sprüche. Man kann das sinnlos finden, aber der Kult befeuert sich immer wieder selbst. So harmlos geht es in den meisten Fällen zu. Viele Fußballer lassen ihre Seiten von Agenturen betreuen, entsprechend langweilig und glatt sind die Inhalte: Hallo Fans, schönes neues Jahr, hier noch ein Foto aus dem Ski-Urlaub.

Schalkes Presseabteilung sprach mit Profis über neue Medien

Auch die Vereine tasten sich eher vorsichtig an die Wirklichkeit der digitalen Vernetzung heran. Die Presseabteilung von Schalke 04 sprach im Sommer vorsorglich erstmals mit den Profis über die Tücken der neuen Medien. „Wir haben unseren Spielern vermittelt, dass sie auch bei Facebook und Twitter Personen des öffentlichen Lebens sind. Und dass deshalb jede Äußerung von anderen Medien aufgegriffen werden kann“, so Pressesprecher Thomas Spiegel.

Denn es drohen ernsthaftere Verwicklungen. Wenn der VfL Wolfsburg bekannt gibt, dass Felix Magath neuer Trainer geworden ist und sein Ex-Spieler Baumjohann kurz darauf „Viel Spaß, Wolfsburg...“ twittert, haben Journalisten ihre Geschichte – ganz an allen offiziellen Stellen vorbei. Ein paar Sätze reichen schon, um ein Bild von Sportlern zu prägen, das sich nur noch mühevoll tilgen lässt: Wenn Deutschlands Tennis-As Andrea Petkovic herauszwitschert, dass sie mit ihrer Mutter im Hotelzimmer sitzt, sich gerade nebenan ein Paar lautstark liebt und sie ihre Mutter vor Scham kaum noch anschauen kann, hat das seinen Charme.

Wenn Bayerns Verteidiger Breno über seinen Einsatz in der Reserve motzt, obwohl er unter Verdacht steht, seine Miet-Villa angezündet zu haben und sich sein Verein lautstark vor ihn stellte, wirkt es, nun ja, zumindest undankbar.

Facebook und Twitter als Spielwiese für Sportler

Noch aber sind die deutschen Sportler Waisenknaben. Der Flensburger Universitäts-Professor Jürgen Schwier, der die Rolle von „Social Media“ im Sport erforscht, kommt zu dem Schluss, für Sportler seien Facebook und Twitter eine Spielwiese. Der Fußball sei erst dabei, den Umgang zu lernen – so wie der Rest der Gesellschaft. Woanders geht’s längst cleverer zu. Basketball-Gigant Shaquille O’Neal, der weltweit eine der größten Fangemeinden auf Facebook hat, pflegt markenbewusst seinen Slang. Der ehemalige Tour-Sieger Lance Armstrong gibt sich betont präsidial.

Oder es geht härter zu. In England versuchte Nationalspieler Ryan Giggs, Twitter gerichtlich zu belangen. Dort war erstmals öffentlich ausgeplaudert worden, worüber vorher nur getuschelt wurde: Es ging um Giggs’ Affäre mit einem Big Brother-Sternchen. Arsenal Londons Torwart Wojciech Szczesny ließ die Welt kürzlich wissen, sein Mitspieler Aaron Ramsey sehe auf einem Foto wie ein Vergewaltiger aus. Das Londoner Talent Jack Wilshere knackte wiederum Szczesnys Twitter-Account und schrieb unter dessen Namen: „Ich bin schwul.“ Immerhin, nach öffentlichen Entschuldigungen haben sich alle wieder lieb. Allen gezwitschert: Schönen Tag noch.

 
 

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