Doping ist einfach - auch bei deutschen Sportlern?

Essen. Einen Einblick in die Machenschaften der Dopingszene gab die ARD-Sendung „Geheimsache Doping - Eiskalter Betrug“, die leider erst um kurz nach Mitternacht lief. Der Österreicher Arnold Riebenbauer weist darin auf Doping bei deutschen Wintersportlern hin.

Doping ist ein leidiges Thema. Der Sportfan schreit auf, wenn bekannt wird, dass der nationale Held es nur mit der Hilfe von Medikamenten zum Sieg geschafft hat. In der Profiszene des Radsports und der Leichtathletik wird Doping regelmäßig thematisiert - und die ARD-Sendung „Geheimsache Doping - Eiskalter Betrug“ gab jetzt einen Einblick in die krminellen Machenschaften des Wintersports. Die 30-minütige Dokumentation lief bereits in der ARD und ist noch für sieben Tage in der Mediathek zu sehen.

Die Autoren Hajo Seppelt, Robert Kempe und Jochen Leufgens haben sich monatelang in ganz Europa auf der Suche nach Insidern gemacht, die erkannt und unerkannt (teilweise) auspacken, und haben mit versteckter Kamera gefilmt. Herausgekommen ist eine aufwändige und hochinteressante Sendung, die - kurz vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver - ein wenig Euphorie und sportliche Vorfreude nimmt, aber viel Aufklärung bietet.

Ohne Rezept, ohne Nachfragen

Offenbar ist es demnach sehr leicht, sich in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gute Kontakte zu Blutdopern zu besorgen. Es reicht vollkommen aus, sich als deutscher Langlauftrainer auszugeben und das nötige Kleingeld dabei zu haben. Ebenso leicht ist es, sich in einer Apotheke in Minsk - ohne Rezept, ohne Nachfragen - die entsprechenden Medikamente zu kaufen. Bequem per Kreditkarte. In einem Keller-Fitnesstudio konnten die deutschen Fernsehjournalisten zudem mal eben so Wachstumshormone, Anabolika und Injektionslösungen für 440 Dollar kaufen. Erschreckend: Nach 24 Stunden in Minsk hatten sie Dopingmittel für eine ganze Mannschaft zusammen.

Mit größerem Aufwand besorgte sich das ARD-Team übers Internet auch noch „S107“, offenbar die Zukunft im Doping. Das Mittel wird derzeit erforscht und soll in ein paar Jahren in der Medizin bei Herzleiden eingesetzt werden. Tierversuche haben ergeben, dass es, wie Mario Thevis vom Doping Kontrollabor in Köln erklärt, die Ausdauerfähigkeit um 20 Prozent steigert. „Das ist mit einem großen Missbrauchspotential für Sportler versehen“, so Thevis.

Bernhard Kohl kennt S107 schon lange

Für den österreichischen Ex-Radsportler Bernhard Kohl, der 2008 positiv auf das Dopingmittel Cera getestet und gesperrt wurde, ist S107 längst bekannt: „Ich habe es im Sommer 2008 zwei, drei Wochen vor der Tour de France aufgeschnappt. Und es wäre durchaus möglich, dass es jetzt schon im Einsatz ist.“ Auch Walter Mayer, früherer Cheftrainer der österreichischen Langläufer, bestätigt: „Es wird im Höchstleistungsport eingesetzt.“

Hinweise auf Dopingpraktiken von deutschen Wintersportlern gibt der Österreicher Arnold Riebenbauer. Er sagt, dass er bei seiner Arbeit als Untersuchungskommissar des österreichischen Skiverbandes vor zwei Jahren auf „Hinweise auf Sportler aus Deutschland“ gestoßen sei, die regelmäßig zu Besuch in der Wiener Blutbank „Human Plasma“ waren. Konkrete Namen will er zwar nicht nennen, sagt aber, dass die Disziplinen Biathlon und Skilanglauf betroffen sind und dass er Informationen aus seriösen Quellen des österreichischen Wintersports hat: „Quellen, die das wissen müssen“, so Riebenbauer.

Noch nicht auf der Dopingliste

Bei den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 wurden die bislang schärfsten Dopingkontrollen durchgeführt - die waren offenbar jedoch längst nicht ausreichend. Die drei Autoren überraschen David Howman, den Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), mit einem kleinen Fläschchen des über das Internet gekauften S107. „Das besorgt mich“, so Howman, „wir müssen dagegen vorgehen“. Allerdings: S107 steht derzeit, also auch bei den Spielen in Vancouver, nicht auf der Dopingliste.

 
 

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