BVB-Trainer Klopp liefert sich verbalen Ringkampf

Dortmund.. Die Szene ist nur 34 Sekunden lang – und doch wird sie Geschichte schreiben. Anders als beim viel beklatschten Dialog zwischen BVB-Trainer Jürgen Klopp und WDR-Moderator Arnd Zeigler (nach einem grandiosen 4:0 in Hannover) ist dieses Stück, entstanden in Kaiserslautern (nach einem bitteren 1:1), jedoch nur bedingt witzig. Im verbalen Ringkampf vor laufender Kamera: Klopp mit Stephan Mai, Reporter für das SWR-Format Flutlicht.

Schon die Begrüßung ist bedenklich. O-Ton Klopp:

„Ach, leck mich am Arsch. Ohne Witz, dass ich dir auch noch ein Interview geben muss, da hab ich Bock drauf wie Zahnweh.“

Man kennt sich offensichtlich. „Seit 1993“, sagt Mai auf WR-Anfrage. Damals ist Klopp noch Stürmer beim FSV Mainz 05. Als er dann Trainer wird, fällt ihm bald eine Kausalkette auf: Wann immer Mai von einem Auswärtsspiel einer Klopp-Mannschaft berichtet, gewinnt diese nicht. „Jürgen Klopp kennt ihn aus seiner Mainzer Zeit“, bestätigt BVB-Pressesprecher Josef Schneck auf WR-Anfrage, „und er hat sich mehrfach über ihn geärgert.“ Offensichtlich auch am Samstag. O-Ton Klopp:

„Dass du vor dem Spiel auch noch so blöd lachst. Musst du hierher, oder was? Versteh ich echt nicht.“

Muss er wohl. Ist schließlich Mais Beruf.

„Du Seuchenvogel! Hab ich schon mal nen Punkt geholt oder was gemacht, wenn du da warst?!“


Selten. Am 16. Mai 2004 war es immerhin ebenfalls ein Punkt. Mainz spielte nur 0:0 in Regensburg, lag vor dem letzten Spieltag weiter zwei Punkte hinter Aufstiegsrang drei. Raten Sie mal, wie Klopp, der eine Woche später nach einem 3:0 gegen Trier doch noch aufstieg, Mai begrüßte.

Dabei sagt der Reporter: „Ich hab gar kein Problem mit ihm. Er aber mit mir. Dass seine Mannschaften nicht gewinnen, wenn ich da bin, ist doch purer Zufall. Ich nehme das nicht so ernst.“ Klopp schon.

„Ihr habt 50 Leute beim SWR – und du kommst. Um Spaß zu haben. Und lachst mich vor dem Spiel auch noch an: ,Tut mir leid, ich kann’s ja auch nicht ändern...’“


„...ich kann doch auch nix dafür.“ Das ist der einzige Satz, den Reporter Mai in der Szene am Samstagabend sagt. Am Montag fügt er an: „Mir war klar, dass er so reagieren würde. Er projiziert die Misere auf meine Person. Dabei find ich, dass er ein Riesentyp ist. Ich würde ihm die Meisterschaft von Herzen gönnen. Nur zu dem 1:1 kann ich nix.“

„Die wollten doch, dass er so reagiert. Das war inszeniert“, sagt BVB-Sprecher Schneck. Das habe er aus SWR-Kreisen erfahren. Wie auch immer: Jürgen Klopp ist ein Medienprofi, er sucht die Kamera und hält sich selbst für unterhaltsam. Das ist es auch meistens – nur eben nicht immer lustig. Erste Konsequenz: Mai wird in diesem Jahr kein Spiel des BVB mehr sehen. „Das werde ich nicht tun.“ P.S.: Ein Interview gab’s übrigens nicht.

 
 

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