Bald wohl fünf Bundesliga-Spiele pro Saison an einem Montag

Pit Gottschalk
Bei der Fernsehvermarktung geht es um das ganz große Geld.
Bei der Fernsehvermarktung geht es um das ganz große Geld.
Foto: Funke Foto Services
Noch vor EM-Start soll die Zentralvermarktung der Fußball-Bundesliga abgeschlossen sein. Die Fans müssen sich auf erhebliche Änderungen einstellen.

Essen. Als der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß kurz nach der Wende 1990 einen TV-Vertrag über 500 Millionen D-Mark (rund eine Viertelmilliarde Euro) einforderte, erklärte ihn die Fußballwelt für größenwahnsinnig. Heute, über 25 Jahre später, klingt die einstige Forderung fast bescheiden. Jetzt geht es um das ganz große Geld: Rund eine Milliarde Euro soll die Bundesliga von 2017/18 bis 2020/21 jährlich von TV-Sendern in Deutschland kassieren.

Die Fußballfans werden sich auf erhebliche Änderungen einstellen müssen: Fünf Bundesliga-Spiele pro Saison werden voraussichtlich an einem Montag stattfinden.

Die Ausschreibung beginnt sofort

Aufzuhalten sind die Änderungen nicht mehr, nachdem das Bundeskartellamt am Montag, 11. April 2016, erklärt hat, dass die zunächst umstrittene Zentralvermarktung der Fußball-Bundesliga unter gewissen Bedingungen genehmigt ist. Die Ausschreibung beginnt sofort: Noch vor dem EM-Start am 10. Juni 2016 soll das Bieterverfahren in maximal zwei Runden abgeschlossen und der Mega-Deal perfekt sein.

Auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstagmittag in Frankfurt/Main wird die DFL-Spitze erste Details aus der neuen TV-Ausschreibung nennen. Eines ist sicher: Zu den Bedingungen des Bundeskartellamts gehört, dass die Live-Rechte an der Bundesliga nicht mehr einem Sender wie zuletzt Sky in München alleine verkauft werden dürfen.

Sky verliert sein Exklusiv-Recht

„Solange nur ein Inhaber der Live-Rechte am Markt ist, birgt dies die Gefahr, dass der Innovationswettbewerb – insbesondere der von internetbasierten Angeboten – beschränkt wird“, erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Damit verliert Sky sein jahrelanges Exklusiv-Recht, wie diese Redaktion schon am Samstag berichtet hat.

Die DFL wird die Live-Rechte jetzt in fünf Paketen anbieten, die über Satellit und Kabel vertrieben werden können. Würde Sky wie bisher alle fünf kaufen, gäbe es ein sechstes Paket, das „Over The Top“ (OTT) genannt wird, um die Vorgaben zu erfüllen: ein Paket für Web und Mobile. Sky wird dann sein beliebtes Produkt „SkyGo“ in der bisherigen Form mit Bundesliga Live aufgeben müssen. „Wir haben Wert gelegt auf Regelungen, die sicherstellen, dass im Ergebnis mehr als ein einziger Bieter die Live-Rechte erwirbt“, betonte Mundt in einer Stellungnahme.

Amazon und Twitter mischen mit

So oder so wird es ab der Saison 2017/18 einen neuen Wochentag als Spieltag geben: Fünf Bundesliga-Spiele finden an einem Montag statt und verschaffen den Bundesliga-Klubs, die unter der Woche im Europacup spielen, etwas mehr Pause. Gut für die Klubkasse ist die Änderung allemal.

Bisher erhielt die Bundesliga im Schnitt 628 Millionen Euro jährlich. Mit der Aufspaltung in einzelne Pakete kommen neue Interessenten ins Rennen. Nicht nur Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom und Vodafone, das inzwischen Kabel Deutschland einverleibt hat, sondern auch Eurosport-Besitzer Discovery und Amazon mit den Streaming-Diensten. Die einzelnen Pakete umfassen jeweils die Spieltage Freitag bis Montag sowie die Konferenz-Übertragung. Womöglich kommen jetzt Interessenten um die Ecke, an die vorher niemand gedacht hat. In den USA kaufte zum Beispiel der Kurznachrichtendienst Twitter die Live-Rechte am American Football allein für den Donnerstag.

Die Investorenbank Morgan Stanley erwartet bei den Pay-TV-Erlösen eine Steigerung von 60 Prozent, was am Ende zu Gesamterlösen von 950 Millionen Euro in Deutschland führen könnte. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert möchte, um weltweit Platz zwei hinter England zu festigen, zusammen mit internationalem TV-Geld 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro erreichen. Von internationalen TV-Sendern erhielt die Bundesliga bisher 150 Millionen Euro.