Schalkes Trumpf: Geschlossenheit

Thomas Tartemann

Gelsenkirchen.  Der Leistungs-Ruck des FC Schalke 04 sorgt auch Tage nach dem 4:0-Sieg über Borussia Mönchengladbach für reichlich Gesprächsstoff. Wir nennen die Gründe, warum das Team nach fünf Pleiten jetzt den Umkehrschub eingeleitet hat.

Zusammenhalt

Seit Wochen haben die Schalker in der Meisterschaft auf die Mütze bekommen und trotzdem nie den eingeschlagenen Weg verlassen. Selbstzerfleischung ist bei den Blau-Weißen tabu, stattdessen unterstützen sich Verantwortliche und Spieler gegenseitig. Der anfangs erfolglose Breel Embolo brachte es nach seinem Doppelpack gegen Mönchengladbach auf den Punkt: „Die Mannschaft stand hinter mir, Trainer Markus Weinzierl stand hinter mir und Sportvorstand Christian Heidel ebenfalls.“ Mit Rückendeckung fand Embolo in die Spur.

Sinnesschärfung

Christian Heidel wägt genau ab, was er zu welchem Zeitpunkt wie sagt. Nach dem 1:2 in Hoffenheim trommelte der 53-Jährige die komplette Gefolgschaft zusammen, er richtete in ruhigem Ton deutliche Worte an alle Profis. „Die ersten Superschlauen kommen schon und sagen: Der hält einfach so ‘ne Brandrede. Ich habe noch nie eine Brandrede in der Kabine gehalten. Das ist der Bereich des Trainers“, so Heidel. Ihm ging es lediglich darum, die Sinne zu schärfen. Nach Heidels Ansprache gewann Schalke 3:1 gegen Salzburg und 4:0 gegen Mönchengladbach.

Ruhe

Trotz der prekären Lage, in der sich die Schalker nach fünf Pleiten befunden haben, blieb es rund um das Berger Feld erstaunlich still. Als manche Szene-Kenner damit rechneten, dass Aufsichtsratschef Clemens Tönnies aus dem Hintergrund wieder ins Rampenlicht treten würde, um in der Krise einzugreifen, passierte genau das nicht. Tönnies vertraut Heidel – und traut ihm zu, zusammen mit Markus Weinzierl das neue Schalke aufzubauen. „Clemens und ich telefonieren und reden. Wir sind uns zu 100 Prozent einig. Da muss man ihn gar nicht fragen“, versichert Heidel.

Typen

In der schwierigen Phase ging Benedikt Höwedes als Blitzableiter voran. Der Kapitän stellte sich und signalisierte mit jeder Faser seines Körpers, dass er sich mit allen Mitteln gegen die Krise stemmt. Beim Auftritt in Hoffenheim, als viele S04-Profis in den Glauben verfielen, es ginge auch mit weniger als 100 Prozent Einsatzbereitschaft, stach vor allem der leidenschaftliche Höwedes heraus. Jetzt gegen Borussia Mönchengladbach schlüpfte auch Eric Maxim Choupo-Moting in eine Leader-Rolle.

Der 27-Jährige holte den Strafstoß zum 1:0 heraus, übernahm Verantwortung und versenkte den Ball. An einem weiteren Tor war „Choupo“ beteiligt. Auch der nach den Spielen gegen Frankfurt und Köln kritisierte Naldo konnte erstmals richtig strahlen. Der Ex-Wolfsburger gewann wichtige Zweikämpfe, strahlte Sicherheit aus und brachte 23 von 24 Pässen zum Mitspieler. „Ich bin stolz auf die Mannschaft“, sagt Naldo und lebt damit den Teamgedanken vor.

Qualität

Markus Weinzierl hat sich nach wie vor nicht auf eine Stammelf festgelegt, probiert viele verschiedene Personalvarianten aus und stachelt so den Konkurrenzkampf an. Der Trainer setzt darauf, dass die Zeit für die Entwicklung des Kaders spricht und dass es mit dem Verständnis zwischen alten und neuen Spielern in den kommenden Wochen immer besser klappen wird. Das Leistungslimit hat die Schalker Mannschaft zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht.

Fans

Die Geduld auf den Rängen ist ein wichtiger Mosaikstein, um das neue Projekt zu stärken. Nach dem Führungstor gegen Mönchengladbach mutierte die Arena zum Tollhaus. Anhänger und Mannschaft bilden nicht nur im Erfolg, sondern auch im Misserfolg eine verschworene Einheit. „Wir hatten stets die Unterstützung von den Fans“, sagt Breel Embolo – er ist nicht der einzige Profi, der sich darüber freut.