Schalke hat Freude am neuen System

Freiburg. Beim Sieg in Freiburg findet Trainer Magath eine passende Grundordnung und einen Platz für den neuen MIttelfeldstar Jurado. Gegen Mönchengladbach soll nun der erste Heimsieg folgen.

Genau in dem Moment, als die Schalker den Sieg erleichtert feierten, wurden sie noch einmal überaus direkt an ihre missliche Gesamtlage erinnert. Auf der Anzeigetafel des Freiburger Stadions wurde die Tabelle der Bundesliga eingeblendet, und der Mann am Mikrofon kommentierte nicht ohne Genuss: „Schalke bleibt Letzter“. Selbst der erste Sieg, dieses knappe 2:1 beim SC Freiburg, hatte daran nichts ändern können. Tabellarisch war Freiburg also noch nicht der Wendepunkt für Schalke 04 in dieser Saison. Spielerisch hingegen soll der Auftritt im Breisgau genau diesen Punkt des Wechsels markiert haben.

Es ist nicht so, dass sich die Schalker vor Begeisterung auf die Schenkel geschlagen hätten. „Wir haben mit viel Leidenschaft gespielt, aber noch nicht mit der nötigen Ruhe“, räumte Christoph Metzelder nach seinem bisher besten Auftritt für Schalke ein. Auch die anderen Spieler stellten das Erfolgserlebnis in den Mittelpunkt, sprachen von einer „Befreiung“ (Benedikt Höwedes) und nicht vom Zustandekommen des Sieges. „Es war natürlich noch eine gewisse Unsicherheit da“, sagte auch Felix Magath, brachte dafür aber Verständnis auf: „Wenn man die ersten vier Bundesliga-Spiele verloren hat, möchte ich mal die Mannschaft sehen, die dann sicher auftritt.“

Magath brauchte Platz für Jurado

Magath sah in Ansätzen zum ersten Mal seine Philosophie bestätigt, dass eine höhere Qualität Erfolge bringt – und dass Geld eben doch Tore schießt. Nämlich durch Klaas-Jan Huntelaar, den mit 14 Millionen Euro Ablösesumme teuersten Spieler, der in der 87. Minute mit seinem Siegtor die Erlösung herbeiführte. Dass mindestens die Hälfte dieses Tores der entschlossenen Vorarbeit von Youngster Joel Matip zuzuschreiben war, zeigte nur, dass es auch einen Mix zwischen Stars und Talenten geben kann. In Schalkes Start-Elf standen erstmals alle drei Vorjahres-Entdeckungen (Moritz, Schmitz, Matip) und alle Star-Einkäufe dieser Saison (Raúl, Metzelder, Huntelaar, Jurado).

Letztlich ist Magath erst durch den vorherigen Misserfolg auf diese Mischung gekommen – so ehrlich muss man sein. Denn er sah sich nach den Start-Pleiten genötigt, ein System zu finden, in dem ein Platz für Spielmacher Jose Manuel Jurado frei ist. Der spanische Super-Techniker, mit 13 Millionen Euro Ablöse auch einer aus der Abteilung „Geld schießt Tore“, rechtfertigte die Umstellungen im Mittelfeld, wo ihm gleich drei Mann den Rücken freihielten. „Am Ball ist er einer der stärksten Spieler, die ich je gesehen habe“, schwärmte Magath. Als Anspielstation war Jurado eine Augenweide. Allerdings verlangt der Trainer, dass sich der 24-Jährige noch weitaus mehr dem Schalker Spielstil anpassen muss: „Man hat auch gesehen, dass er das spanische Spiel, dieses Klein-Klein, gewöhnt ist. Da muss er sich noch umstellen.“

Für Farfan derzeit kein Platz

Es war halt ein Anfang, mehr nicht. Aber der Trainer legte sich bereits fest, dass es bis auf weiteres nun dabei bleiben wird: „Wir werden weiter mit diesem System spielen. Wenn man eine neue Mannschaft hat, kann kein Trainer der Welt sofort sagen, welches System das Beste ist. Man ist gezwungen, zu improvisieren und zu probieren.“ Doch in Freiburg gewann er den Eindruck, dass diese 4-3-1-2-Grundordnung der Mannschaft „wahrscheinlich besser liegt“ als das bisherige 4-4-2 mit zwei offensiven Außen.

Das hat zur Folge, dass ausgerechnet für Jefferson Farfan, in den ersten Wochen noch Schalkes gefährlichster Offensivmann, derzeit kein Platz ist. Magath kann mit dem Peruaner im Moment wenig anfangen: Das Risiko, ihn zusätzlich ins Mittelfeld einzubauen, ist ihm zu groß. Farfan könnte zwar auch im Angriff spielen, aber dort bleibt neben Huntelaar erst einmal Raúl gesetzt.

Der Spanier verabschiedete sich blendend gelaunt aus Freiburg: „Jetzt kann die Racha beginnen“, kündigte Raúl an. Racha heißt übersetzt Serie. Am Samstag geht es gegen Borussia Mönchengladbach. Dann könnte Schalke sogar den letzten Tabellenplatz abgeben.