Sacchis Ausländer-Attacke

Mailand..  Nun also auch Sacchi. Der Ex-Trainer des AC Mailand und bis 2014 noch Nachwuchskoordinator im italienischen Fußballverband kehrte mit bösen Äußerungen ins mediale Rampenlicht zurück. „Wir haben Mannschaften mit 15, 16 Ausländern. So viele farbige Spieler sind doch eine Beleidigung für den italienischen Fußball“, sagte er am Rande des Nachwuchsturniers in Viareggio.

Er stellte dabei auch einen Zusammenhang mit der schlechten Vorstellung des italienischen Fußballs überhaupt her: „Mit der Invasion der Ausländer kam der Niedergang der Nationalmannschaft und der Klubs im internationalen Vergleich.“

Sacchi knüpfte nahtlos an Äußerungen des italienischen Verbandspräsidenten Carlo Tavecchi an. „Zu uns kommt Opti Poba, der gerade noch Bananen aß und jetzt Stammspieler bei Lazio ist“, meinte der Altfunktionär kurz nach seiner Wahl – und kassierte prompt eine Strafe der Uefa. Denn er griff tief ins Register der rassistischen Beleidigungen.

Auch Tavecchio wollte damit auf das durchaus existierende Problem hinweisen, dass italienische Talente mittlerweile bis hinunter in die dritte Liga wenig Platz finden. Für das Geld, das man für einen italienischen Spieler ausgeben muss, bekommt man vier Ausländer der gleichen Qualität, lautet eine Faustregel im italienischen Profifußball. Und das gilt auch bei der Nachwuchsausbildung.

Das gut geführte Fußballinternat des Erstligisten Udinese Calcio etwa ist voll von Spielern vom afrikanischen Kontinent. Zwei oder drei von zehn schaffen nach Angaben des Vereins den Sprung in den bezahlten Fußball. Die Übriggebliebenen dürfen sich dann wieder um sich selbst kümmern.

Gebürtige Italiener sieht man bei Udinese eher selten. Wer Talent hat, versucht es lieber bei einem Großklub, der möglicherweise auch gleich noch ein Jobangebot für die Eltern und das nötige Kleingeld für den bereits eingestellten Berater hat. Viele Akteure gestalten auf diese Weise den Markt.

Ausländer sind daher oft billiger. Und so gewann Inter Mailand – unter den Augen Sacchis – das Finale des Viareggio-Turniers mit einem 17-jährigen Torwart aus Rumänien, zwei 19-jährigen Verteidigern aus Ghana und der Elfenbeinküste und einem 18-jährigen defensiven Mittelfeldspieler ebenfalls von der Elfenbeinküste – allesamt knapp nach dem 16. Geburtstag nach Italien gekommen.

Nach der ersten medialen Welle der Empörung verteidigte sich Sacchi prompt, kein Rassist zu sein und verwies auf Rijkaard und Gullit, Kinder von Eltern aus Surinam, als Stützen seines damaligen Starensembles beim AC Mailand.

Abgeschottete Vereine

Sacchi mag sich selbst nicht als Rassist fühlen. Teile seiner Äußerungen waren aber rassistisch belegt. Und was er, der immerhin von 2010 bis 2014 die Verantwortung für alle italienischen Nachwuchsauswahlmannschaften hatte, vollkommen unterschlägt, ist die traurige Tatsache, dass viele italienische Vereine sich gegen die Kinder von Migranten abschotten.

Neapels Straßen etwa sind voll von Kindern nigerianischer und ghanaischer Eltern, junger Chinesen, Pakistaner, Marokkaner, Tunesier, Albaner und Ukrainer. In den Vereinen mit dem Bolzplatz um die Ecke findet man sie aber dennoch nicht.

Italien ignoriert Potenzial

Während in Frankreich die Generation Zinedine Zidane eine ganze Ära prägte, in Deutschland gegenwärtig die Generation Özil/Khedira den Ton angibt und auch die Schweiz dank der Generation Inler bei großen Turnieren mitspielt, ignoriert Italien dieses Potenzial noch immer hartnäckig.

Einzig der als Enfant terrible bekannte Mario Balotelli, ein in Palermo geborener Sohn ghanaischer Immigranten, sowie Stefano Okaka, in Umbrien geborener Sproß einer nigerianischen Familie, dürfen gelegentlich die blauen Nationaltrikots anziehen und für Italien auflaufen.

Solange sich die Bolzplätze nicht für die Kinder der Migranten öffnen und Trainer lernen, sie als junge Sportlerpersönlichkeiten zu fördern, wird sich daran auch nichts ändern. Dieser alltägliche Rassismus ist Italiens fundamentales Problem im Sport.

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