"Ruder-Professor" Hans Lenk feiert 75. Geburtstag

Für "Ruder-Professor" Hans Lenk stehen in diesem Jahr gleich zwei große Feste an. Am heutigen Dienstag feiert Lenk seinen 75. Geburtstag, im Juni findet ein großes Treffen anlässlich der 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom gewonnenen Goldmedaille mit dem Deutschland-Achter statt. "Ich wollte mich selbst beweisen und bewähren", sagte Lenk in Erinnerung an die Goldfahrt vor 50 Jahren mit dem legendären Kiel-Ratzeburger-Achter.

Dem unvergessenen Karl Adam verdankte der in Berlin geborene Lenk nicht nur seine sportlichen Erfolge, die Trainer-Legende prägte ihn auch in seinem beruflichen Leben. Adam, Lehrer von Lenk am Ratzeburger Gymnasium, weckte sein Interesse an der Philosophie. Nach seiner Sportler-Karriere studierte Lenk Mathematik, Philosophie, Soziologie, Sportwissenschaft und Psychologie in Freiburg und Kiel.

Dabei kamen Lenk, der über seinen Geburtstag verreist ist, auch seine sportlichen Tugenden zu Gute. "Er war immer sehr ehrgeizig und eifrig bei der Sache", meinte Kraft Schepke, der gemeinsam mit Lenk im Deutschland-Achter beim Olympiasieg in Rom saß.

<strong>Publikationsliste umfasst über 2000 Titel</strong>

Nachdem Lenk als Amateur-Trainer den Achter 1966 zum WM-Sieg geführt hatte, trat er drei Jahre später eine Stelle als Philosophie-Professor an der Universität Karlsruhe an. Im Laufe der Jahre galt Lenk nicht nur als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Gegenwartsphilosophie, sondern auch als einer der produktivsten. Seine Publikationsliste umfasst weit über 2000 Titel.

Auch international machte sich Lenk einen Namen. 1995 wurde er in die Internationale Akademie für Philosophie der Wissenschaften und acht Jahre später in die Russische Akademie der Wissenschaften berufen. Von 1990 bis 1993 war er Präsident der Allgemeinen Philosophie in Deutschland, danach war er bis 2008 Vorstandsmitglied der Weltgesellschaft für Philosophie FISP. 2005 wurde Lenk als erster Deutscher sogar zum Präsidenten der Weltakademie der Philosophie gewählt.

Für seine Verdienste wird Lenk am 5. Mai vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit dem erstmals vergeben Ethikpreis bedacht. "Hans Lenk hat nach seinem Olympiasieg mit dem Deutschland-Achter auch als Professor für Philosophie und Soziologie national und international hohes Ansehen erworben. Dabei hat er immer wieder die Werte und Herausforderungen des Sports philosophisch beleuchtet", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach über den Preisträger.

Aber auch Lenks sportliche Erfolge können sich sehen lassen. Neben dem Olympiasieg in Rom feierte Lenk mit dem Achter zwei EM-Titel und wurde viermal deutscher Meister. Dafür erhielt er 1959 und 1960 das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten.

<strong>Treffen in München geplant</strong>

Die Achter-Crew von Rom hat sich zuletzt vor zehn Jahren in Hannover getroffen. In diesem Jahr ist im Juni ein vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiertes Treffen in München geplant. Dann werden noch einmal viele Erinnerungen aufkommen, alte Geschichten werden erzählt.

Aber auch über den heutigen Leistungssport wird diskutiert werden. Lenk nennt den berühmten Philosophen Immanuel Kant ein Vorbild für Leistungssportler. "Die überragende Selbstdisziplinierung von Kant ist mit sportlichen Anstrengungen sehr vergleichbar," sagte Lenk. "Unsere Gesellschaft ist sehr stark auf Genuss, Spaß und Lust ausgerichtet, man quält sich ungern."

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