Ralf Zumdick fühlt sich als Trainer im Iran sicher

Kai Griepenkerl
Ralf Zumdick, früher Torwart und Trainer in Bochum, arbeitet heute nach Jahren der Wanderschaft bei Persepolis Teheran. Jetzt war er auf Heimaturlaub und sprach in Münster vor allem über seine Situation im Iran.

Münster. Seine Karriere als Chefcoach in Deutschland dauerte nicht lange. Im Jahr 2000 musste Ralf Zumdick, der als Torwart eine feste Größe in der Bundesliga war, den VfL Bochum ein halbes Jahr nach dem Aufstieg verlassen. Anschließend zog es ihn in die Welt hinaus, nach Ghana, in die Türkei und mittlerweile in den Iran. Jetzt war er auf Heimaturlaub und sprach in Münster vor allem über seine Situation in Teheran.

Sie waren 20 Jahre beim VfL, sie wurden sogar als Bochumer Urgestein bezeichnet.

Beim VfL habe ich so ziemlich alles gemacht. Ich war Spieler, Co-Trainer und Cheftrainer. Nach 20 Jahren war es vorbei. Aber wenn man Chefcoach wird, ist klar, dass man die längste Zeit in einem Verein gewesen ist. Das ist eigentlich schade.

Wie ist die Beziehung zum VfL seit Ihrer Entlassung?

Mittlerweile ist sie wieder normal. Nach der Trennung war es eine Zeit lang schwierig, da habe ich mich wie eine unerwünschte Person gefühlt. Ich möchte weiter ein gutes Verhältnis zu dem Verein haben. Und inzwischen darf ich auch wieder in der Traditionsmannschaft spielen.

Es folgte ein Leben auf Wanderschaft.

Nach der Zeit beim VfL ging es immer irgendwie weiter. Ich bin froh, dass ich die Welt gesehen habe. Aber die Familie hat ein bisschen darunter gelitten. Meine Frau und ich haben aber von Anfang an in Bochum gelebt. Dort ist jetzt unsere Heimat, dort sind unsere Kinder aufgewachsen und dorthin kehre ich immer wieder zurück.

Wie erleben Sie Ihre aktuelle Station im Iran?

Es ist ein Abenteuer. In dem Land herrscht eine pure Fußballbegeisterung. Wenn wir mit Persepolis Teheran zum Derby gegen Esteghlal antreten, kommen 100.000 Zuschauer ins Stadion. Zu den normalen Spielen kommen auch mindestens 50.000, 60.000 Fans – und das, obwohl nur Männer ins Stadion kommen dürfen. Ich hätte auch gerne die Frauen dabei, aber das ist eine gesellschaftliche Sache.

Wie gehen Sie damit um, in einer Diktatur zu leben?

Ich hatte kaum Vorstellungen über das Leben im Iran. Ich fühle mich sicher, aber man muss sich mit seinen Äußerungen zurückhalten. Die Leute können sich frei bewegen, unterliegen aber einigen Zwängen. Ich bin im Zwiespalt: Ist das jetzt richtig oder falsch?

Zumdick "hätte 2003 Trainer in Ghana bleiben müssen" 

Welche Antwort haben Sie darauf gefunden?

Ich glaube nicht, dass alles erzwungen ist. Es ist eine sehr religiöse islamische Gesellschaft. Wie viele Menschen tatsächlich ernsthaft den islamischen Glauben leben, kann ich gar nicht sagen. Über gewisse Dinge kann man sich sicherlich streiten. Aber ich glaube, dass Menschen auch freiwillig so leben. Das einzige, was mich stört, ist, dass es keine Pubs oder Restaurants gibt, in denen man mal ein Bier trinken kann.

Gibt es stattdessen Besuche bei Michael Henke, der als Co-Trainer beim Lokalrivalen Esteghlal arbeitet?

Wir treffen uns regelmäßig, mindestens einmal pro Woche. Es ist ja auch kein einfacher Job für uns. Da ist es gut, wenn man sich austauschen kann.

Wie kann man sich Ihre Rolle als technischer Direktor vorstellen?

Ich bin so ein Zwischending. Ich versuche, in allen Bereichen Rat zu geben und Entscheidungen zu treffen. Das ist manchmal nicht ganz so einfach, weil die Perser gerne diskutieren. Es ist eine neue, sehr interessante Aufgabe. Unser Konditionstrainer Srdan Gemaljevic spricht Deutsch und Farsi, insofern klappt auch die Kommunikation gut.

Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Aus Karrieresicht hätte ich 2003 Nationaltrainer in Ghana bleiben müssen, schließlich stand die WM in Deutschland vor der Tür. Aber Klaus Toppmöller hatte mir angeboten, sein Assistent beim Hamburger SV zu werden. Andererseits hatte ich schöne Jahre beim HSV, ebenso bei Borussia Dortmund. Und in der Türkei habe ich mit Genclerbirligi eine durchschnittliche Mannschaft in sichere Gefilde gebracht. Aber so etwas wird in Deutschland wenig registriert.

Träumen Sie von einem Chefposten in der Bundesliga?

Darüber mache ich mir keinen Kopf. Wenn etwas kommen sollte, wäre das schön. Aber man sollte sich nichts vormachen: Der Markt ist sehr voll mit jungen Trainern. Andererseits gibt es immer interessante Aufgaben in der ganzen Welt.