Gelsenkirchen

Ralf Fährmann: „Ich ziehe vor Markus Weinzierl und Christian Heidel den Hut“

Thomas Tartemann
Foto: dpa
  • Torwart Ralf Fährmann ist in Gelsenkirchen richtig heimisch geworden
  • Schalke-Gegner RB Leipzig kann er sich nicht als Meister vorstellen

Gelsenkirchen.  Schalkes Torwart Ralf Fährmann hat für das Spiel bei RB Leipzig (18.30 Uhr/Sky) 35 Karten für Verwandte und Freunde gekauft. „Ich habe einen eigenen Fanblock im Stadion“, sagt der gebürtige Chemnitzer und lacht. Im Interview mit spricht der 28-Jährige über seine Titelträume, Trainer Markus Weinzierl und die neue Ruhe auf Schalke.

Herr Fährmann, haben Sie gedanklich schon mal durchgespielt, dass Leipzigs Profis in ein paar Monaten die Meisterschale hochhalten?

Ralf Fährmann: Ich will es mir nicht wirklich vorstellen, dass Leipzig Meister wird. RB hat im Moment einen Super-Lauf. Aber wenn sie realisieren, was möglich ist, kommt irgendwann der Druck, dass man unbedingt abliefern muss. Jede Mannschaft hat schwierige Phasen in einer Saison. Leipzig hatte noch keine.

Sie stammen aus der Jugend des aktuellen Drittligisten Chemnitzer FC, wo nach wie vor keine Reichtümer vorhanden sind. Der Kontrast zu RB Leipzig könnte nicht größer sein, oder?

Ralf Fährmann: RB Leipzig polarisiert total. Der Klub ist umstritten – gerade in der Region Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Da gibt es viele Traditionsvereine, die auf bessere Zeiten hoffen. Ich drücke meinem Ex-Klub Chemnitz fest die Daumen. Ich bin da geboren, habe noch viele Freunde dort. Dynamo Dresden hat zum Beispiel Riesen-Potenzial. Die Fans stehen dort für richtig gute Stimmung, wenn einige davon nicht gerade ausrasten. Aber den Sprung nach ganz oben hat Dynamo noch nicht geschafft.

Was macht Leipzig so stark?

Ralf Fährmann: Sie spielen enormes Pressing und Gegenpressing, haben eine brutal konsequente Chancenverwertung. Du musst hellwach sein, um gegen sie zu bestehen.

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel war noch nie im Leipziger WM-Stadion. Er feiert heute seine Premiere. Wie sieht es mit Ihrer Leipzig-Erfahrung aus?

Ralf Fährmann: Ich habe dort schon einmal ein Spiel gesehen. Mein Bruder Falk hat früher für den FSV Zwickau gespielt. Vor ein paar Jahren gab es einmal ein Spiel in Leipzig, bei dem ich auf der Tribüne dabei war. Auf dem Rasen habe ich in Leipzig noch nicht gestanden. Das Stadion finde ich schön, es hat einen eigenen Charakter. Bei unserem Spiel wird es heute richtig voll sein.

Wie bewerten Sie die bisherige Schalker Saison?

Ralf Fährmann: Wir hatten einen schlimmen Start. Dieser Negativlauf mit fünf Niederlagen war sehr lehrreich. Jetzt haben wir eine Super-Serie gestartet, sind zwölfmal ungeschlagen. Der alte Schalke-Rekord von 17 ungeschlagenen Begegnungen stammt noch aus den 70er-Jahren, also einer Zeit, in der es noch kein Farbfernsehen gab (lacht). Dieser Marke wollen wir natürlich möglichst nahe kommen.

Wie wichtig ist es Ihnen, Borussia Dortmund in der Tabelle einzuholen?

Ralf Fährmann: Ehrlich gesagt schaue ich gar nicht groß auf die Tabelle. Das mache ich so fünf, sechs Spiele vor Schluss.

Trainer Markus Weinzierl und Sportvorstand Christian Heidel strahlen große Souveränität aus. Wie wichtig ist das neue Duo für Schalke?

Ralf Fährmann: Ich finde es bemerkenswert, welche Ruhe die beiden hier reingebracht haben. Das ist das Schwierigste überhaupt. Ich ziehe vor Markus Weinzierl und Christian Heidel den Hut. Der Trainer ist, auch als es schlecht lief, immer souverän geblieben. Er sieht, welches Potenzial wir haben und versucht es auszuschöpfen. Ich bin sicher, dass Christian Heidel auch dann auf dem Boden bleibt, wenn wir 20 Spiele am Stück gewinnen.

Sie haben auf Schalke einen Vierjahresvertrag. Träumen Sie früher oder später von einem Titelgewinn im DFB-Pokal, der Euro League oder der Meisterschaft?

Ralf Fährmann: Ich möchte auf Schalke so viel wie möglich bewegen und hätte nichts gegen alle drei Titel. Jeder spielt Fußball und träumt vom ganz großen Erfolg. Aber man darf jetzt nicht auf die falsche Spur geraten und sagen: Bei uns läuft alles. Hier wird insgesamt viel umgebaut. Das dauert seine Zeit.

Verspüren Sie den Drang, irgendwann doch noch etwas Neues kennenzulernen?

Ralf Fährmann: Ich war zwischenzeitlich mal zwei Jahre bei Eintracht Frankfurt. In der Zeit habe ich Schalke umso mehr lieben gelernt. Hier sind meine Wurzeln. Ich fahre in 15 Minuten von meinem Wohnort Recklinghausen zum Training. Ich hoffe noch auf viele Jahre Schalke 04 und kann mir hier noch eine Vertragsverlängerung vorstellen.