Philipp Lahm bringt Rudi Völler in Rage

Klaus Wille

Schäbig nennt Rudi Völler die Veröffentlichungen von Philipp Lahm, keinen Funken Anstand besitze der kleine Capitano der Nationalelf und des FC Bayern. Das ist Völler in Rage, aber man fragt sich ja tatsächlich, ob man Philipp Lahm jahrelang falsch eingeschätzt hat.

Was also bewirkt Lahms Buch? Kurzfristig: Seine Berater und seine Verlagsmanager werden sich die Hände reiben. Die scheibchenweisen Vorab-Veröffentlichungen und die einkalkulierten wütenden Antworten erfüllen ihren Zweck. Das Buch wird sich schon verkaufen.

Langfristig: Oha. Man mag ja argumentieren, dass Lahm nichts schreibt, was nicht jedem aufmerksamen Beobachter längst aufgefallen wäre: Klinsmann kein Taktik-Fuchs, miese Stimmung bei der EM 2008. Donnerwetter, war uns nicht aufgefallen.

Aber darum geht es nicht. Lahm kann es drehen, wie er will: Was er schreibt, wirkt wie eine Abrechnung. Weil er es schreibt. Er, der Kapitän. Er, der noch spielt. Nun hat er endlich ein paar Feinde, ohne dass man nachvollziehen kann, was er sich davon auf Dauer verspricht.

Und noch etwas: Was geht eigentlich in Jogi Löw vor? Ob er sich schon mal bei dem Gedanken ertappt hat, was sein Kapitän wohl in zwei, drei Jahren über die heutige Zeit auszuplaudern bereit ist, wenn er sich nur Nutzen davon verspricht?