Paralympics in London mit Signalwirkung für die Zukunft

Rollstuhl-Marathon bei den Paralympics. Auf dem Erfolg der Spiele von London wollen Atlethen und Organisatoren aufbauen.
Rollstuhl-Marathon bei den Paralympics. Auf dem Erfolg der Spiele von London wollen Atlethen und Organisatoren aufbauen.
Foto: Getty Images
Die Paralympics sind vorbei, und Herbert Kaul fährt mit einem guten Gefühl zurück nach Deutschland. Der Geschäftsführer des Behindertensportverbandes NRW (BSNW) ist „mehr als zufrieden mit dem, was wir erreicht haben“. Eine Bilanz aus NRW-Sicht.

London. Vier Projekte, ein Ziel: der inklusiven Gesellschaft ein Stück näher zu kommen. Natürlich, sagt Kaul, fühle sich der BSNW nicht als allein Verantwortlicher für das Thema Inklusion, „aber wir geben Anstöße“. Wie bei den Paralympics. Challenge, Inspiration, Excellence und Dedication hat der Verband seine vier Vorzeigeprojekte genannt.

Barrierefreier Dreimaster

„Challenge“ steht für den Segeltörn von Emden nach London, Teams aus Menschen mit und Behinderung brachten den barrierefreien Dreimaster sicher durch den Kanal. Bei „Inspiration“ lebten Oberhausener Schüler, manche mit, manche ohne Handicap, zwei Wochen während der Paralympics in einem Studentenwohnheim in Canterbury, verbrachten den Alltag miteinander, besuchten die Wettkämpfe, erlebten London und vieles mehr. Und irgendwann war es vollkommen egal, wer ein Handicap hatte und wer nicht.

„Excellence“ wiederum ist ein ehrgeiziges, langfristig angelegtes Projekt für künftiges gemeinsames Training von behinderten und nichtbehinderten Nachwuchssportlern, und bei „Dedication“ sind die ehrenamtlichen Kräfte des BSNW mit im Boot. Als Geschäftsführer des Behindertensportverbandes ist Kaul kein Neuling, sondern einige Jahre bereits im Job. Aber auch er habe sich im Vorfeld gefragt, ob der Verband die mit den verschiedenen Projekten verbundenen Herausforderungen stemmen könne. Die Antwort ist jetzt ein uneingeschränktes Ja. Außerdem hatte der BSNW auch Unterstützer gesucht und gefunden, so ist die NRZ zum Beispiel Medienpartner von „Challenge“ und „Inspiration“, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die Ende der Woche ebenfalls in London und bei „Inspiration“ war, ist Schirmherrin der Projekte.

Die paralympische Fackel ist erloschen, wie geht es weiter? Kaul setzt auf die Signalwirkung von Challenge, Inspiration und Co. Hier könnten andere motiviert werden, zu sagen, ja, wir wollen es auch in Sachen Inklusion versuchen. Interesse wecken und wenn dies erfolgt ist, anderen auch zur Seite stehen. „Denn wir haben jetzt das Knowhow, die Erfahrungen, wir wissen, worauf zu achten ist.“ Die verschiedenen Aktionen würden dokumentiert, über „Challenge“ zum Beispiel ein Film gedreht, ein Kamerateam gehörte ebenfalls zur Segelcrew. Damit werde der Verband unter anderem in die Schulen gehen.

Bei den Paralympics präsentieren sich viele Verbände mit Projekten, aber „in der Qualität und der Größenordnung“, sagt Kaul selbstbewusst, seien andere nicht aufgetreten, so habe sich keiner zum Thema Inklusion aufgestellt. Der Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen habe das Signal gegeben, dass er bereit sei, „eine aktive Rolle im gesellschaftlichen Leben zu spielen“. Auf lange Sicht wird sich seiner Überzeugung nach auch die Aufgabe der Organisation verändern. „Vom mitgliederorientierten Verband hin zu einem beratungsorientierten.“

 
 

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