Wenn keine Hymne erklingt und die Flagge ausbleibt

Feierte seine Goldmedaille ohne Hymne: Flintenschütze Fehaid Aldeehani.
Feierte seine Goldmedaille ohne Hymne: Flintenschütze Fehaid Aldeehani.
Dass neutrale Athleten und das Flüchtling-Team in Rio starten dürfen, gibt Hoffnung - auch wenn sich Kalkül dahinter erkennen lässt. Ein Kommentar.

Essen.. Als Flintenschütze Fehaid Aldeehani die Goldmedaille gewann, sorgte er bei vielen Olympia-Zuschauern für einen Moment der Irritation. Bei der Siegerehrung erklang keine Nationalhymne, statt der Landesflagge wurden die olympischen Ringe gehisst. Wie es auch beim erstmals startenden Flüchtlings-Team geschehen würde. Nur ist Aldeehani gar kein Flüchtling.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wollte mit dem Start des Flüchtlings-Teams ein Zeichen der Hoffnung setzen. Eine Mannschaft bestehend aus Athleten, die aus ihren Heimatländern geflohen sind. Zehn Sportler, zehn bewegende Geschichten. Die bekannteste: die von Schwimmerin Yusra Mardini, die auf ihrer Flucht aus Syrien 20 Menschen das Leben rettete.

Flintenschütze Aldeehani aber ist ein sogenannter neutraler Athlet. Die starten seit den 1992er-Spielen unter olympischer Flagge, wenn das Herkunftsland beispielsweise von der Teilnahme ausgeschlossen wurde. In Barcelona waren es Sportler aus dem ehemaligen Jugoslawien, das unter Sanktionen der Vereinten Nationen stand. Aldeehani stammt aus Kuwait, dessen Nationales Olympisches Komitee wegen politischer Einflussnahme der Regierung suspendiert wurde.

Kalkül dahinter lässt sich kritisieren

Warum also starteten nicht auch die Flüchtlinge um Schwimmerin Yusra Mardini im längst etablierten neutralen Team? Warum braucht es einen weiteren Sonderstatus, übergroß inszeniert vom IOC? Klar, am Ende ist es eine erfolgreiche Werbekampagne für das Komitee um den deutschen Präsidenten Thomas Bach, das bei den Spielen in Rio mit Korruptionsvorwürfen und dem fraglichen Umgang mit dem russischen Dopingskandal zu kämpfen hat.

Auch wenn sich das Kalkül dahinter kritisieren lässt, so gibt es doch einen Trost: egal ob neutral oder Flüchtling – die Sportler nutzen ihre Chancen. Wie Schwimmerin Mardini, deren Leben Hollywood verfilmen möchte. Oder wie Schütze Aldeehani zum Goldgewinn.

 
 

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