Olympiafeier in Sotschi - bunt, gigantisch, kaum begeisternd

Thomas Lelgemann
Maria Höfl-Riesch mit der deutschen Fahne in Sotschi.
Maria Höfl-Riesch mit der deutschen Fahne in Sotschi.
Foto: Michael Kappeler / dpa
Zwei russische Sport-Legenden entzündeten am Freitag im Olympiastadion Fisht in Sotschi die XXII. Olympischen Winterspiele. Vorausgegangen war eine farbenfrohe, aber kaum begeisternde Show. Die deutsche Mannschaft sorgte mit ihrer Kleidung in Regenbogenfarben für Aufsehen.

Sotschi. Mit einem gigantischen Paukenschlag, bei dem 22,5 Tonnen Feuerwerkskörper in den sternenklaren Himmel geschossen wurden, endete im Olympiastadion Fisht die Eröffnungszeremonie der XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi. Zwei russische Sport-Legenden, die dreimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Irina Rodnina und der ehemalige Eishockey-Torhüter Wladislaw Tretjak, hatten kurz vorher das olympische Feuer entzündet, das jetzt für die nächsten 16 Tage in der 340.000-Einwohner-Stadt an der Schwarzmeerküste leuchten wird.

In einem Staffellauf über Tennisstar Maria Scharapowa, Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa, den ehemaligen Ringer-Riesen Alexander Karelin und die Gymnastin Alina Kabajewa, der hartnäckig eine Liaison mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt wird, war die Fackel zu Rodnina und Tretjak gelangt.

Unter dem Motto „Dreams of Russia“, Träume aus Russland, stand die Eröffnungsfeier. Die russischen Gastgeber setzten auf ihre Stärken und entführten die 40000 Zuschauer bei ihrer Reise durch die russische Geschichte mit gekonnten Ballett-Einlagen des Bolschoi-Theaters. Die vom künstlerischen Leiter Alexander Ernst mit viel Aufwand inszenierte Show spannte den Bogen von der Epoche unter Zar Peter dem Großen über die Novemberrevolution 1917 bis in die Moderne.

Russische Mannschaft lief zur Musik der Band t.A.T.u ein

Farbenfroh war der Auftakt des olympischen Spektakels, musikalisch abwechslungsreich von Punk-Musik bis zur olympischen Hymne, die von Opern-Star Anna Netrebko gesungen wurde. Aber grenzenlose Begeisterung sieht anders aus. Der letzte Funken sprang nicht auf die Besucher über.

Nur einmal kochte das Stadion vor Begeisterung, als das russische Team als letzte der 88 Nationen einzog. Die russische Mannschaft lief ausgerechnet zur Musik der Band t.A.T.u ein. Die beiden Sängerinnen Jelena Katina und Julija Wolkowa setzen sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein.

Ob es ein Zeichen von zarter Liberalisierung war oder nur ein Kalkül der Beschwichtigung von Putin, wird sich erst zeigen, wenn das olympische Feuer längst erloschen ist. Überraschend war es aber doch. Die deutsche Mannschaft, die von der alpinen Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch angeführt wurde, sorgte vor allem bei den ausländischen Reportern mit ihrer Kleidung in Regenbogenfarben für Aufsehen. Während Alfons Hörmann, der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, vor den Winterspielen sagte, zum Bäcker gehe er in dieser farbigen Kleidung nicht, werteten Beobachter das Outfit als Protest gegen die Homophobie. Zumindest offiziell wies der DOSB diese Deutung zurück. Designer Willy Bogner habe sich an den bunten Farben der Siebziger Jahre orientiert.

Hörmanns Nachfolger im höchsten deutschen Sportamt hatte seinen ersten großen Auftritt als Präsident des Olympischen Komitees. Thomas Bach lobte das Gastgeberland Russland und seinen Präsidenten. Wofür andere Jahrzehnte benötige, sei in Sotschi innerhalb von sieben Jahren geschaffen worden: Die Errichtung eines völlig neuen Wintersportgebiets. Von den zahlreichen Pannen und den vielen Kritikpunkten an den Spielen erwähnte Bach nichts. Der IOC-Chef forderte die Politiker auf, ihre „Meinungsunterschiede in einem friedlichen, direkten Dialog zu adressieren und nicht auf dem Rücken dieser Athleten“.

Die Eröffnungsfeier hatte viel Pomp, aber wenig Putin. Der Präsident beschränkte sich auf die protokollarischen Pflichten, stellte sich nicht in den Vordergrund und fügte der feierlichen Eröffnungsformel nicht ein Wort hinzu.

Keine bedrückende Atmosphäre im Olympiastadion

Auch wenn die ganz große Begeisterung ausblieb, von bedrückender Atmosphäre angesichts der vielen Terrorwarnungen war nichts zu spüren. Keine Omnipräsenz von uniformierten Soldaten oder Polizisten. So sollte es auch in den nächsten 16 Tagen sein, wenn es an der Schwarzmeerküste und in den Bergen des Kaukasus um die Medaillen geht.