Olympia-Premiere für Miryam Roper

Es kann losgehen: Am Montag geht Miryam Roper Yearwood in London auf die Matte.  Foto: Oliver Schinkewitz/WAZ
Es kann losgehen: Am Montag geht Miryam Roper Yearwood in London auf die Matte. Foto: Oliver Schinkewitz/WAZ
Foto: Oliver Schinkewitz
Es könnten eigentlich schon ihre dritten oder vierten Olympischen Spiele sein. Doch Judoka Miryam Roper (Köln) ist zum ersten Mal dabei. Am Montag trifft sie in der 57-Kilo-Klasse auf die Brasilianerin Rafaela Silva.

Köln.. Es könnten eigentlich schon ihre dritten oder vierten Olympischen Spiele sein. Doch Judoka Miryam Roper ist zum ersten Mal dabei. „Ich musste mir das alles hart erarbeiten und erst die richtigen Voraussetzungen schaffen für meinen Erfolg“, sagt die 30-Jährige. Mittlerweile ist sie in Deutschland die absolute Nummer eins in der Klasse bis 57 Kilogramm - und am Montag (30. Juli) will sie in London auch ihre bislang größte sportliche Herausforderung mit Erfolg hinter sich bringen.

„Ich freue mich unheimlich auf diesen Wettkampf und auf das ganze Drumherum bei Olympia“, sagt die selbstbewusste junge Frau. Allenfalls vergleichbar war wohl die Teilnahme an der Universiade in Thailand 2007 - doch die größte Sportveranstaltung der Welt ist nun noch mal eine ganz andere Liga. Und dort wartet am Montag gleich ein ganz schwerer Brocken auf Miryam Roper: In der ersten Runde - so wollte es das Los - geht’s gegen die brasilianische Vize-Weltmeisterin Rafaela Silva (20). Doch bange machen gilt nicht - wenn Roper einen guten Tag erwischt, kann sie mit ihrer ungeheuren Physis auch die Südamerikanerin knacken.

„Ich bin stolz darauf, dass ich es überhaupt so weit geschafft habe“, erklärt die Rheinländerin. „Sich für Olympia zu qualifizieren, das war nur der erste Schritt - jetzt geht’s darum, im Wettkampf auch das Beste aus mir herauszuholen.“ Das Ticket zu den Spielen hatte die heute 30-Jährige nach dem Gewinn der Bronze-Medaille bei den Europameisterschaften in der Tasche. In den letzten Jahren habe sie sich erheblich gesteigert, sei jetzt „konditionell viel stärker, auch mental.“ Ihre Fehler bei der Kampfführung habe sie in der Zwischenzeit „recht gut ausgemerzt“. Schon mit dem fünften Rang bei der WM 2011 trumpfte Miryam Roper groß auf, dazu wurde sie Zweite beim Weltcup in Miami/USA.

„Vielleicht“, sagt die DJB-Kämpferin nachdenklich, „höre ich heute mehr auf meinen Körper als früher.“ Im Prinzip habe sie ihre Lebensweise in jüngerer Vergangenheit ziemlich umgekrempelt, ernährt sich jetzt auch wesentlich bewusster. Es war für sie nicht immer leicht, das Gewichts-Limit zu halten. „Ich hab’ es mal mit Kalorien zählen versucht, aber das nervt auf Dauer.“ Ihr Credo trotz der strengen Diät: „Einmal pro Woche esse ich das, was ich will.“ Damit ist Roper bislang gut gefahren, schwankt im Gewicht immer zwischen 58 und 60 Kilogramm.

Mit sechs Jahren schon begann die in einem kleinen Dorf unweit der belgischen Grenze aufgewachsene Miryam Roper mit dem Judo, spielte als Mädchen auch länger Fußball. Dann ging es zum Bundesligisten ASG Elsdorf, im Jahr 2000 wechselte sie zum TSV Bayer 04 Leverkusen, für den sie auch heute noch in der ersten Liga auf die Matte geht.

Ihre Stärke im Kampf Frau gegen Frau? „Ich denke, ich habe ein ganzes gutes Gefühl für den Moment“ - unter anderem mit schnellen Fußtechniken setzt sie des Öfteren ihren Gegnerinnen zu. „Eigentlich bin ich recht vielseitig, habe einige gute Techniken, mit denen ich werfen kann“, sagt Roper selbstbewusst. Und: Mittlerweile habe sie „Lösungen zu jeder Kämpferin“, die sie sich auch im Video-Studium ganz genau anschaut. Ebenso wie sie die eigenen Kämpfe am Bildschirm haarklein analysiert.

Eher ungern halte sie sich im Kraftraum auf, das stupide Stemmen von Gewichten ist nicht ihr Ding. „Dafür sind die Trainingseinheiten inzwischen intensiver und besser - es ist von allem etwas mehr geworden“, sagt sie mit einem breiten Grinsen. Ehrgeizig sei sie ohnehin schon immer gewesen - „ich will sowieso immer gewinnen.“ Doch die Phase nach einer schwereren Schulterverletzung 2008, als sie viel Zeit hatte, über einiges in ihrem Leben nachzudenken, hat ihren Fokus noch deutlicher auf den Leistungssport gelenkt.

„So richtig professionell gehe ich mit meinem Sport erst um, seit ich nach Köln an den Stützpunkt kam“, berichtet Roper. Das war 2010, als sie sich der Sportfördergruppe der Bundeswehr anschloss. Das war gerade für ihre Mutter („sie ist sehr katholisch“) ein ziemlicher Schlag. „Meine Eltern sind ohnehin sehr friedliebend. Dass die Tochter dann zur Bundeswehr geht - da haben sie schon schwer geschluckt“, erinnert sich Miryam Roper, deren Vater aus Panama stammt.

Ihr BWL-Studium hatte sie vor allem wegen des Sports ruhen lassen - auch wenn das eine sehr schwere Entscheidung war. „Schließlich garantiert dir keiner, dass du zwei Jahre lang ohne Verletzung bleibst.“ Doch das zielstrebige Judo-Ass hatte „einfach das Gefühl, dass ich was verändern muss - arbeiten kann ich ja später noch genug.“ Als Volontärin hatte sie schon für eine Werbeagentur gearbeitet - das wäre gewiss auch was für die Zeit nach der Judo-Karriere. Doch die hat jetzt erstmal Vorrang - gerade wegen Olympia. Und wegen Rafaela Silva, ihrer ersten Gegnerin am 30. Juli im Londoner „Excel Centre“. Die sollte sich gefasst machen auf eine Auseinandersetzung mit einer Kölnerin, die ganz genau weiß, was sie will. Auch wenn es ihre ersten Olympischen Spiele sind.

 
 

EURE FAVORITEN