Nationalelf spielt nur 3:3 gegen Paraguay

Frank Lamers
Bei Paraguay ist die Freude über das 1:0 groß, Neuer ist weniger angetan.
Bei Paraguay ist die Freude über das 1:0 groß, Neuer ist weniger angetan.
Foto: Getty Images
Die deutsche Nationalmannschaft ist durchwachsen in die WM-Saison gestartet. Die Mannschaft von Trainer Joachim Löw kam in Kaiserslautern gegen Paraguay nicht über ein 3:3 hinaus. "Ein komisches Spiel", sah Thomas Müller, der sich wie Ilkay Gündogan und Lars Bender in die Torschützenliste eintrug.

Kaiserslautern. Sollte die Nationalmannschaft von all dem Lob, das ihr wegen einer bisher herausragend gespielten WM-Qualifikation zuteil wurde, von sich selbst berauscht gewesen sein, dann dürfte sich nun ein schwerer Kater einstellen. Mit 3:3 (2:3) nach 0:2- und 2:3-Rückstand endete am Mittwochabend die erste Partie der neuen Saison, der Test gegen Paraguay in Kaiserslautern. Wichtig wird es erst im September und Oktober, wenn wieder Pflichtbegegnungen anliegen. Dann allerdings darf sich die deutsche Auswahl, die die Weltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Sommer so fest im Visier hat, solche Aussetzer nicht mehr erlauben.

"Es war ein komisches Spiel, von dem ich jetzt noch nicht weiß, wie ich es bewerten soll", meinte Thomas Müller. Philipp Lahm sagte: "Ich mache mir deswegen überhaupt keine Sorgen. Beim nächsten Mal haben wir wieder mehr Zeit, um zusammen zu trainieren. Dann passieren uns solche Fehler auch nicht."

Denkaufgabe für Löw

Von der tiefen Ernsthaftigkeit, mit der sich der Bundestrainer eigentlich vorgenommen hatte, den Gegner furios bespielen zu lassen, konnte sich das Publikum auf dem „Betze“ schon vor dem Anpfiff überzeugen. Das Bayern-Trio mit Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Mario Götze, von dem jeder einzelne für die Übernahme des Pöstchens in der Zentrale vor der Abwehr in Frage gekommen wäre, stand nicht zur Verfügung. Für Löw eine Denkaufgabe: Auf Sicherheit setzen oder einen Schritt in den Risikobereich vordringen? Stelle ich dem Madrilenen Sami Khedira mit Lars Bender einen Stabilisator an die Sechser-Seite? Oder schicke ich den kreativen Dortmunder Ilkay Gündogan hinaus auf den Rasen, obwohl der doch zuletzt über Probleme mit dem Rücken klagte?

Der Bundestrainer entschied sich für das Risiko. Und in gewisser Weise wurde er belohnt dafür. Marco Reus brachte den Ball in der 18. Minute auf seinen Vereinskollegen. Gündogan traf gegen Paraguays Torhüter Justo Villar. Ein Grund zur Freude. Doch bei dem Treffer handelte es sich lediglich um den Anschlusstreffer. Paraguay lag gegen eine deutsche Auswahl, die den Nachmittagsschlaf auch zu später Stunde nicht aus den Augen gerieben hatte, bereits mit 2:0 vorn. Bereits in der zehnten Minute hatte Jose Ariel Nunez das transusige Verhalten bei der Verteidigungsarbeit ausgenutzt und das 1:0 markiert. Zwei Minuten später war es Wilson Pittoni, der für den 49. der Weltrangliste erhöhte. Torhüter Manuel Neuer musste einen Ball mit den Fäusten nehmen. Der geriet zu Khedira. Khedira konnte mit dem Spielgerät allerdings nichts anfangen. Resultat: Pittonis Schuss aus rund 18 Meter, hinein ins Netz. Resultat zwei: Das Publikum in Lauterns Stadion war erschüttert. Vieles hatte es erwartet: nur eben das nicht.

Manuel Neuer sauer nach dem 2:3

Und es war nicht die letzte Erschütterung, die der Betzenberg erlebte. Löws Mannen fingen sich, sie fanden auch den Weg in die Offensive. Gündogans Tor räumte die erste Hürde beiseite. Als Mats Hummels, der in der Innenverteidigung neben Arsenal-Akteur Per Mertesacker wirkte, in der 31. Minute einen weiten, weiten Ball in den Strafraum Paraguays schlug und Thomas Müller Torhüter Villar mit einem Heber düpierte, sah es so aus, als könne sich dieses Ensemble achtbar aus der Affäre ziehen. Und dann passierte das, was Neuer zum Fluchen brachte: 45. Minute, alles schläft, einsam wacht Miguel Samudo. 3:2 für die sachlich und mit Herz ihr Pensum erfüllenden Gäste.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der wieder angeschlagene Gündogan längst das Feld verlassen müssen. Lars Bender kam für ihn in Minute 27. Kurz nach der Pause brachte der Bundestrainer dann Jerome Boateng für Mertesacker. In Minute 54 holte er auch noch Miroslav Klose vom Rasen, den 35-jährigen Stürmer, dessen erste Profistation der Betze war, für den der Abend ein Glanzlicht hätte sein sollen. Es kam Mario Gomez, der in Minute 58 gleich mit einem Kopfstoß scheiterte. Es kam kurz danach auch noch Lukas Podolski für Marco Reus. Und weil die Fans spürten, dass ihre Elf Unterstützung brauchte, gab es diese Unterstützung. Sie half. Bender, der Bissige, versuchte es in der 77. Minute einmal mit Wucht. Und als er den Ball wieder bekam, versuchte er es noch einmal. 3:3. Ein Treffer der Willenskraft. Ein Treffer – wie ein kosmetischer Eingriff.

Schiedsrichter: Ivan Bebek (Kroatien)

Zuschauer: 47.500 (ausverkauft)

  • Der Spielverlauf zum Nachlesen
Deutschland - Paraguay