Rosbergs Fehde mit Hamilton wird auch 2017 weitergehen

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg
Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg
Foto: Getty Images
Nico Rosberg feierte ausgelassen den WM-Titel in der Formel 1. Doch Rosbergs Sieg bringt Mercedes keine Ruhe. Das liegt an Lewis Hamilton.

Abu Dhabi.. Fangen wir mit dem Verlierer an: Lewis Hamilton kniet auf dem offiziellen Mannschaftsbild von Mercedes zum Abschluss der Formel 1 Saison links im Abseits, eine Hand an den Rand des kleinen Pokals geklammert. Jede Faser seines Körpers signalisiert den Wunsch: Kann ich gehen? Kann er, zumindest für den Sonntagabend. Dienstag hat sich der entthronte Weltmeister wieder an der Rennstrecke von Abu Dhabi einzufinden. Dann müssen die Reifen getestet werden. Das Schicksal des WM-Zweiten, auch wenn er das Finale in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewinnen konnte.

Nico Rosberg, der das Schicksal der Nummer zwei nur zu gut kennt, ist unterdessen auf dem Weg zum Hauptsponsor des Teams, der mit dem ersten Antrittsbesuch des neuen Weltmeisters bei Laune gehalten werden soll.

Rennstallaufsichtsrat Niki Lauda hält Hamiltons Nachsitzen für eine „charakterbildende Maßnahme“. In Wirklichkeit ist auch das nur ein Ausblick auf die Kontroverse, die die nun vertauschten Rollen im Silberpfeil-Team mit sich bringt. Respektive noch verschärft wird. Schon die letzten Runden des Finales, als Spitzenreiter Hamilton mit Bummeltempo versucht, Sebastian Vettel und Max Verstappen in Schlagdistanz von Nico Rosberg herankommen zu lassen, und selbst den Funkspruch von Technikchef Paddy Lowe ignoriert, sagen viel über die Schräglage.

Die beiden Egoisten werden weiter aufeinander losgehen, Teamchef Toto Wolff hat durch den ersten Titelgewinn von Nico Rosberg nicht im entferntesten jene Ruhe, die er sich vielleicht gewünscht hat für die beiden weiteren Vertragsjahre der „Inteam“-Feinde. Von der spontanen Umarmung der beiden auf dem Podium lässt sich niemand täuschen. Toto Wolff bleibt nur das Bekenntnis: „Ich liebe beide Söhne gleich.“ Doch er ahnt, dass es sich auch um „schlummernde Vulkane“ handeln könnte. Der Verfolgungswahn hat begonnen.

Hamiltons Befehlsverweigerung war für ihn die einzige Chance, seine Titelhoffnungen bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Er wollte hinterher nicht einsehen, was daran falsch gewesen sein sollte, obwohl die Teamführung darauf beharrte, dass er mit dieser Taktik das Rennen an Sebastian Vettel hätte verlieren können: „Ich weiß nicht, warum sie uns nicht einfach fahren lassen. Ich habe nichts gemacht, was gefährlich war. Ich war an der Spitze und habe das Tempo diktiert. Das ist mein Recht.“ Unfair oder clever? Gönnerhaft will selbst Rosberg dem Gegner für seinen im Cockpit ausgelebten Egoismus keine Vorwürfe machen: „Die letzten Runden waren extrem und haben wirklich richtig Nerven gekostet. Das will ich so schnell nicht noch einmal erleben. Man kann die Sicht des Teams verstehen – man kann aber auch die Sicht von Lewis verstehen.“

Ein Exempel statuieren?

„Anarchie ist keine Lösung“, stellt Teamchef Toto Wolff fest. Der Rennleiter steckt jetzt in der Zwickmühle – soll er Hamiltons Aufstand im Sinne der Räson bestrafen und ein lehrreiches Exempel statuieren? Er würde dabei riskieren, dass das neue Jahr, das schon schwierig genug wird ob der neuen Ausgangslage, gleich mit einem schiefen Haussegen beginnt. „Wenn man 1500 Mitarbeiter im Team hat und 300 000 Beschäftigte bei Daimler, dann schafft man sich Werte, die man respektieren muss. Wenn man diese Werte in der Öffentlichkeit verletzt, dann bedeutet es, dass man sich über das Team stellt“, befindet der Österreicher. Als ehemaliger Rennfahrer weiß Wolff aber auch, dass die Bummeltaktik Hamiltons „einzige Chance“ war: „Vielleicht kann man von einem Rennfahrer in so einer Situation nicht etwas verlangen, von dem seine Instinkte nicht zulassen, dass er die Anweisung befolgt. Wir müssen einen Weg finden, wie wir das künftig lösen.“

 
 

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