Mit einem Kraftakt ins Rampenlicht

Paris..  Nach ihrem erstmaligen Sprung ins Achtelfinale der French Open will Julia Görges mehr. „Für den Einzug ins Viertelfinale gibt jede Spielerin ihr letztes Hemd“, sagte die 26-Jährige, die in Paris als einzige Deutsche die dritte Runde überstanden hat. Während Görges am Samstag beim 6:4, 6:1 gegen Irina Falconi aus den USA an ihre bislang starken Leistungen beim Sandplatz-Klassiker in der französischen Hauptstadt anknüpfte, scheiterte Andrea Petkovic wieder einmal an ihrem eigenen Körper und sich selbst. Gegen Görges’ Achtelfinal-Gegnerin Sara Errani verlor die deutsche Nummer eins mit 3:6, 3:6 und will jetzt erst einmal eine Pause einlegen.

Görges mittendrin

Görges ist dagegen noch mittendrin, wenn die mit 28,03 Millionen Euro dotierte Veranstaltung im Bois de Boulogne von diesem Montag an in Schwung kommt. Bislang schaffte sie auf der Major-Ebene lediglich in Melbourne dreimal den Sprung ins Achtelfinale. „Es macht mich natürlich glücklich, dass ich das jetzt auch bei einem anderen Grand Slam geschafft habe“, sagte die Norddeutsche.

Doch damit soll ihre Reise in Paris noch nicht beendet sein. „Ich werde alles versuchen, erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier ins Viertelfinale zu kommen und dafür alles aus meinem Körper rausholen“, sagte Görges vor ihrem Achtelfinal-Match gegen Errani am Montag.

Und auch gegen die French-Open-Finalistin von 2012, die vor Petkovic bereits Carina Witthöft ausgeschaltet hatte, ist Görges einiges zuzutrauen. Schließlich überzeugt die Nummer 72 der Welt bislang mit couragiertem und variablem Tennis. „Es ist wichtig, dass ich auch gegen Errani aggressiv spiele“, sagte die Fed-Cup-Spielerin. „Sie hat Errani ja bereits geschlagen. Sie muss dominant, aber dosiert spielen“, meinte Bundestrainerin Barbara Rittner.

Gegen Falconi tat sich Görges nur am Anfang schwer und lag nach zwei Breaks schnell mit 0:3 zurück. Doch wie sie danach zurückkam zeigt, wie sehr ihr Selbstvertrauen auch durch den Zweitrunden-Erfolg gegen die Weltranglisten-Fünfte Caroline Wozniacki inzwischen gestiegen ist. Wo Görges früher nach einem solchen Fehlstart gehadert hätte, vertraut sie nun in ihre wiedergewonnene Stärke. Ihre Körpersprache ist ausschließlich positiv auf dem Platz. „Spielerisch weiß ich, dass ich sie schlagen kann“, sagte sie daher auch selbstbewusst vor dem Duell mit der Sandplatz-Wühlerin aus Italien.

Petkovic ohne Chance

Petkovic wird das Spiel ihrer Fed-Cup-Kollegin daheim auf der Couch verfolgen. Nachdem sie Errani in Paris im vergangenen Jahr noch klar im Viertelfinale bezwungen hatte und erst im Halbfinale von Simona Halep aus Rumänien gestoppt wurde, war sie dieses Mal gegen die kleine Italienerin chancenlos. „Ich habe eigentlich schon gestern im Training gemerkt, dass es nach dem Drei-Satz-Match in der zweiten Runde schlimmer geworden ist“, sagte die dick am Oberschenkel bandagierte Petkovic am Samstag. Warum sie am Donnerstag trotzdem noch zum Doppel mit Lisicki antrat, bleibt ihr Geheimnis.

Gegen Errani unterliefen der Darmstädterin insgesamt 41 leichte Fehler. In der sogenannten Stierkampf-Arena im Stade Roland Garros wurde Petkovic von Minute zu Minute unruhiger. Sie schimpfte, haderte und ließ ihren Frust mehrmals an ihrem Schläger aus. Aber alle Versuche, die Partie zu drehen, fruchteten nicht. „Ich habe mental einfach heute nicht daran geglaubt, dass ich selbst, wenn ich den zweiten Satz gewinne, noch die Energie habe, das Match zu drehen.“

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