Metzelder fand die Situation auf Schalke skurril

Manfred Hendriock und Andreas Ernst
Mit dem Spiel beim FC St. Pauli beginnt für Schalke an diesem Freitag die neue Zeitrechnung unter Ralf Rangnick. Christoph Metzelder (30) sagt im Interview, was sich ändern wird – auch für ihn persönlich.

Gelsenkirchen. Herr Metzelder, sind Ihre Dienste als Dolmetscher für Raúl und Co. auf Schalke nicht mehr gefragt?

Christoph Metzelder: Mir ist gekündigt worden (lacht). Keine Ahnung, ob es an der Qualität meiner Übersetzungen lag… Aber im Ernst: wenn man die Komplexität gewisser Trainingsformen sieht, ergibt es schon Sinn, auf dem Platz jemanden zur Seite zu haben, der professionell übersetzt. Darauf kam es Ralf Rangnick an.

Die Sache mit dem Dolmetscher ist nur eine von vielen Änderungen, die Rangnick eingeführt hat. Wie gefallen Ihnen die neuen Ideen?

Ich finde es immer schwierig, nach einem Trainerwechsel zu sagen: Das ist besser, das ist schlechter. Das gehört sich auch nicht. Aber klar ist, dass Ralf Rangnick einen ganz anderen Ansatz hat und eine ganz andere Idee, wie wir als Mannschaft spielen sollen. Jetzt während der Saison ist es schwierig, in der Kürze der Zeit viele Dinge zu ändern. Aber wo er in der Zukunft hin will, ist nach einer Woche auch schon klar.

Nämlich?

Es geht um das schnelle Umschalten auf dem Platz, Pressing und Gegen-Pressing – die Schlagworte dieser Saison. Und es geht um sehr viel flaches Spiel, um unsere Spanier Raúl und Jurado in der Offensive in Szene zu setzen. Das sind die wichtigsten Punkte.

Mit dem Spiel auf St. Pauli beginnt die für Schalke an diesem Freitag jetzt die Zeitenwende. Wie viel von dem neuen Stil wird man schon sehen?

Die Situation, die bei uns zum Trainerwechsel geführt hat, war ja nicht die einer Mannschaft, die mit dem Rücken zur Wand steht. Bei uns war es etwas skurril: In einigen Spielen haben wir bewiesen, wozu wir in der Lage sind – in anderen wiederum haben wir ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Nun geht es darum, an das Positive anzuknüpfen. Unser Spiel-Stil wird also eine Hybrid-Form von gewissen Dingen sein. Als neuer Trainer will man eine Mannschaft ja auch nicht mit zu vielen Dingen überfordern und damit vielleicht auch verwirren.

Unter Felix Magath hatten Sie das größtmögliche Standing: Sie waren als Führungsspieler gesetzt und zusammen mit Raúl wichtigster Ansprechpartner des Trainers…

Ich glaube, dass Manuel Neuer und Mathias Schober auch enge Ansprechpartner für Felix Magath waren – auch wenn er insgesamt sicherlich weniger Spieler um Rat gefragt hat, als andere Trainer das tun.

Rangnick-Kenner halten es für möglich, dass sich Ihre Ausnahme-Stellung ändern könnte. Wird die Situation für Sie persönlich künftig schwieriger?

Das weiß ich nicht, und es ist auch noch zu früh, um das so darzustellen. Aber ich hatte auch unter Felix Magath keinen Freifahrtschein. Er hat auch von mir viel verlangt und war sicherlich nicht immer zufrieden mit mir. Grundsätzlich gibt es im Sport keine Erbhöfe. Bei einem neuen Trainer muss sich jeder Spieler neu beweisen.

Und wie hat Raúl auf die ganzen Turbulenzen reagiert?

Ach, Raúl hat so lange bei Real Madrid gespielt – das ist der chaotischste Verein überhaupt. Dort werden nicht nur die Trainer ausgetauscht, sondern auch der ganze Vorstand auf einmal. Raúl schockt wirklich nichts mehr.

Am Dienstag spielt Schalke in der Champions League in Mailand. Wie real ist für Sie die Gefahr, dass Schalke noch ernsthaft in den Abstiegskampf der Bundesliga rutscht?

Die Rechnung ist ja relativ einfach: Wir brauchen noch zwei Siege aus sieben Spielen – und das sollten lieber nicht die letzten beiden Spiele sein, denn wir wissen alle, wie groß der Druck dann ist. Deswegen ist es richtig, was Ralf Rangnick gesagt hat: Das erste Ziel muss es sein, diese sechs Punkte in der Bundesliga so schnell wie möglich zu holen. Dann können wir uns auch Schritt für Schritt weiter entwickeln. Schließlich haben wir diese Saison haben noch große Chancen, zumindest einen Titel zu holen.

Mit etwas Abstand: Kann man sagen, woran Felix Magath in Schalke gescheitert ist?

Ich glaube nicht, dass es zwingend eine sportliche Situation war, die dazu geführt hat. Als Spieler haben wir nicht alle Informationen dazu – das sind Dinge, die uns nichts angehen. Aber natürlich ist ein Trainerwechsel für eine Mannschaft auch immer eine Niederlage – so habe ich persönlich es zumindest immer empfunden.

Das galt aber offenbar nicht für jeden Spieler. Christian Pander hat an dem Tag über Facebook geschrieben: Heute ist ein guter Tag.

Ich hoffe, er hat damit seine gesundheitliche Entwicklung gemeint.

So hat sich das nicht angehört…

Wir müssen ja nicht um den heißen Brei reden: Dass in einem Kader von 25 Spielern einige mit dem Trainer klar kommen und andere nicht, ist einfach so. Und da muss man sich auch keiner Illusion hingeben, dass der nächste Trainer alle 25 Spieler glücklich macht.