Magdalena Neuner: "Alles eine Frage der Organisation"

Mit sich im Reinen: Magdalena Neuner bereut ihren Rücktritt vom Biathlon vor mehr als zwei Jahren kein Stück.
Mit sich im Reinen: Magdalena Neuner bereut ihren Rücktritt vom Biathlon vor mehr als zwei Jahren kein Stück.
Foto: imago
Die erfolgreichste Sportlerin der Biathlon-Geschichte spricht über ihren Rücktritt vor zwei Jahren, ihre Mutterrolle und das Spektakel auf Schalke.

Gelsenkirchen.. Als Magdalena Neuner mit 25 Jahren als erfolgreichste Sportlerin der Biathlon-Geschichte ihre Karriere beendete, konnten das viele Fans und Experten nicht verstehen. Aber die heute 27-Jährige hat ihren Rücktritt nicht bereut. Am Samstag kommt sie als Co-Moderatorin zum Biathlon-Spektakel (18 Uhr/ZDF) auf Schalke. Vorher erzählte sie uns, wie sie ihren Weg von der Doppel-Olympiasiegerin zur jungen Mutter gegangen ist, dass sie offiziell Magdalena Holzer heißt, und was sie ihrer sechs Monate alten Tochter Verena zu Weihnachten geschenkt hat.

Guten Morgen, Frau Neuner oder Frau Holzer?

Magdalena Neuner: Man kann beides sagen. In meinem Ausweis steht jetzt Magdalena Holzer. Ich habe mir aber auch den Künstlernamen Magdalena Neuner eintragen lassen.

Ist es eine bewusste Trennung der Namen? Holzer im privaten Bereich, Neuner in der Öffentlichkeit?

Neuner: Ja. Das hat eine Rolle gespielt. Ich wollte unbedingt so heißen wie mein Mann und mein Kind. Ein Doppelname stand für mich nicht zur Diskussion. Holzer-Neuner oder Neuner-Holzer, das klingt für mich komisch. Die Leute kennen mich als Magdalena Neuner und das werde ich für sie immer bleiben. Privat bin ich die Magdalena Holzer.

Und für die Menschen in ihrem Ort Wallgau?

Neuner: Mhm. Die meisten wissen, dass ich jetzt Holzer heiße. Für die Wallgauer bin ich die Magdalena.

Wie lange lässt Sie Ihre Tochter Verena denn schlafen?

Neuner: Heute war es ganz okay. Um sechs. Verena hatte aber auch zwei, drei Nächte, da wollte sie bereits um 4.30 Uhr aufstehen. Das ist a bisserl früh. Aber es gibt doch nichts Schöneres, als von ihrem Lächeln geweckt zu werden.

Wie klappt es denn mit dem Essen?

Neuner: Ich stille noch teilweise. Mittags und nachmittags isst sie schon Obst und Gemüse.

Mag sie alles?

Neuner: Na ja, es geht so. Meine Eltern haben für sie Gemüse im Garten angebaut, das ich dann geerntet habe. Wir haben ein ziemliches Trara gemacht. Sie war anfangs nicht ganz so begeistert. Seit ich es ihr als babyhandgerechte Stücke anbiete, ist sie recht interessiert daran und kaut schon ganz gut dran herum. Wir essen dann gleich das Gemüse mit, dann sieht sie, wie das geht.

Sie haben sich nach der Geburt von Verena aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt melden Sie sich am 27. Dezember als Comoderatorin beim Biathlon auf Schalke zurück.

Neuner: Mein Mann und meine Tochter sind mitgekommen. Wenn ich ansonsten Termine habe, ist alles eine Frage der Organisation. Meine Schwiegermutter und meine Mama wohnen nicht weit von unserem Haus, passen dann auf Verena auf und geben ihr Fläschchen.

Zu Ihrer Philosophie gehört es, nicht ständig unterwegs zu sein. Wie sehen Sie Ihre Rolle als Mutter?

Neuner: Es ist meine schönste, größte und wichtigste Herausforderung. Ich habe mit meinen Werbepartnern bereits während der Schwangerschaft besprochen, worauf es mir ankommt. Alles, was machbar ist, okay, doch es muss in meinen zeitlichen Rahmen passen. Meine Tochter hat Vorrang. Ich bin so aufgewachsen, dass meine Mutter immer für uns Kinder da war. Ich will meiner Tochter so etwas Ähnliches bieten. Klar, ich bin selbstständig und habe Termine, doch ich bin zuversichtlich, dass ich das hinbekomme.

Haben Sie denn für die Zukunft noch andere berufliche Pläne als nur Magdalena Neuner zu sein?

Neuner: Gleich nach meinem Rücktritt habe ich gesagt, jetzt bin ich erst einmal ein, zwei Jahre Magdalena Neuner und dann schauen wir mal.

Vor acht Jahren waren Sie zum ersten Mal beim Biathlon auf Schalke dabei. Damals kannten Sie nur Experten. Jetzt sind Sie schon seit über zwei Jahren nicht mehr aktiv. Sie haben mit 25 aufgehört. Denken Sie jetzt mit 27 nicht manchmal, der Rücktritt kam zu früh?

Neuner: Da muss ich alle enttäuschen. Ich habe den Schritt zu keiner Sekunde bereut. Es war keine so lange, aber eine sehr intensive Zeit. Ich habe die sechs Jahre in der Weltspitze voll ausgekostet. Als Kind will man Olympiasieger und Weltmeister werden. Ich durfte solche Erfolge erleben. Es war toll, ich habe nun jedoch auch eine superschöne Zeit. Ich bin eine junge Mutter einer süßen gesunden Tochter. Das ist mindestens genauso schön.

Es wird also keinen Rücktritt vom Rücktritt geben?

Neuner: Nein. Auf keinen Fall.

Wie oft machen Sie noch Sport?

Neuner: Oh, zu wenig. Einmal in der Woche gehe ich zum Yoga. Ich bin zu wenig egoistisch. Ich will meine Zeit mit meiner Tochter verbringen. Manchmal fahren wir zusammen mit dem Radl, Verena sitzt dann in einem Anhänger. Das funktioniert auch mit Ski. Jetzt brauchen wir nur noch genug Schnee.

In der Gelsenkirchener Arena liegt auf jeden Fall Schnee. Was macht den Reiz des Schalker Biathlon-Spektakels aus?

Neuner: Es ist anders als bei jedem anderen Wettkampf. 50000 Zuschauer gehen voll mit. Es tut den Biathleten gut, mal nicht ganz so ernsthaft ihren Sport zu machen. Das Ruhrgebiet liegt mitten in Deutschland, da können die Fans aus allen Regionen kommen.

Welche Funktion haben Sie beim Biathlon auf Schalke?

Neuner: Ich mache gemeinsam mit Herbert Fritzenwenger die Moderation für die Zuschauer. Er ist im positiven Sinn eher der Kritische, während ich vielleicht noch mehr Verständnis für die Sportler habe. Es wird bestimmt sehr schön.

Im Sommer waren Sie auch kritisch. Es gab einen Aufschrei, als Sie erklärten, im Biathlon sei vieles alteingesessen und verkrustet.

Neuner: Meine Aussagen sind ein wenig übertrieben dargestellt worden. Ich habe inzwischen ein sehr gutes Gespräch mit dem Verband gehabt. Mir geht es nur darum, dass die Sportler noch bessere Bedingungen erhalten. In der Vergangenheit ist ein bisschen was in der Nachwuchsarbeit verschlafen worden. Ich will nur helfen und stehe mit Ratschlägen zur Verfügung. Ich kann mir auch vorstellen, selbst irgendwann mal als Jugendtrainerin zu arbeiten.

Wie sehen Sie ihre deutschen Nachfolgerinnen im Weltcup?

Neuner: Es wird oft viel zu schwarz gemalt. Wir haben richtig gute Talente. Sie dürfen sich jetzt mit den Besten der Welt messen. Das wird sie noch weiter nach oben bringen. Jetzt haben sie sogar schon eine Staffel gewonnen und hatten teilweise richtig gute Einzelergebnisse dabei. Das macht doch wirklich sehr optimistisch für die Zukunft.

Wie haben Sie denn Ihr erstes Weihnachtsfest als kleine Familie verbracht?

Neuner: Ganz ruhig und besinnlich. Mit früher Bescherung. Danach haben mein Mann und ich den Abend gemütlich mit einem Raclette-Essen ausklingen lassen.

Verraten Sie uns noch, was Sie Ihrer Tochter zu Weihnachten geschenkt haben?

Neuner: Das ist gar nicht so viel. Wir haben ihr ein Tierklavier geschenkt. Wenn Verena auf die Tasten drückt, erklingen verschiedene Tierstimmen. Für uns Eltern wird es wohl anstrengend. Außerdem hat mein Mann ihr eine Schaukel gebaut.

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