Madrid-Generalprobe gelungen - BVB dreht das Spiel in Stuttgart

Daniel Berg
Marco Reus traf drei Mal für die Borussia gegen den VfB Stuttgart.
Marco Reus traf drei Mal für die Borussia gegen den VfB Stuttgart.
Foto: getty
Mit einer verrückten Aufholjagd hat Borussia Dortmund auswärts beim VfB Stuttgart den zweiten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga zurückerobert. 3:2 lautete das Ergebnis am Ende. Der Gastgeber war nach Toren von Gentner und Harnik früh in Führung gegangen. Dann legte Marco Reus so richtig los.

Stuttgart. Borussia Dortmund hat den zweiten Platz in der Fußball-Bundesliga vom Rivalen FC Schalke 04 zurückerobert: In einer turbulenten Partie mit einer verrückten Aufholjagd und drei Treffern von Marco Reus triumphierte der BVB beim VfB Stuttgart mit 3:2 (1:2).

Die Laune hatte es Roman Weidenfeller längst verhagelt. Aber als VfB-Stürmer Vedad Ibisevic nach 29 Minuten vor ihm auftauchte, relativ unbehelligt von Gegenspielern blieb, den Dortmunder Torwart umspielte und aus spitzem Winkel nur das Außennetz traf, da platzte Weidenfeller der Kragen. Er stampfte mit den Beinen, wirbelte mit den Armen und wütete in Richtung seiner Mitspieler. Nur mit Glück blieb es nach jenen 29 Minuten beim erstaunlichen 0:2-Rückstand des Vize-Meisters beim Abstiegskandidaten.

Kirch ersetzte Sahin bei der Borussia in Stuttgart

Zum Teil war dem BVB bis dahin seine Kräfteschonungstaktik zum Verhängnis geworden. Trainer Jürgen Klopp schickte vier Tage vor dem Champions-League-Viertelfinale bei Real Madrid nicht seine erste Elf auf den Platz, sondern verschaffte arg strapazierten oder anderweitig in Mitleidenschaft gezogenen Spielerkörpern Zeit zum Verschnaufen: Oliver Kirch ersetzte Nuri Sahin im zentralen defensiven Mittelfeld, Kevin Großkreutz lief für Lukasz Piszczek als Rechtsverteidiger auf und Jonas Hofmann durfte anstelle von Pierre-Emerick Aubameyang von Beginn an ran.

Dem Gelegenheitsspieler Kirch unterlief allerdings nach noch nicht einmal neun Minuten ein folgenschwerer Fauxpas: Sein Rückspiel vor dem eigenen Strafraum geriet zu kurz, VfB-Kapitän Christian Gentner eroberte den Ball und ließ Weidenfeller keine Chance zur Abwehr. Dortmund antwortete mit empörten Angriffen. Zum ersten: Eine flache Großkreutz-Hereingabe erreichte Torjäger Robert Lewandowski am Strafraum, doch dessen Schuss wurde abgeblockt (13. Minute). Eine Minute später pariert Stuttgarts Keeper Sven Ulreich einen Schuss von Großkreutz aus 20 Metern stark. Doch dann schlug erneut der VfB zu – unter schwarz-gelber Mithilfe allerdings. Ibrahima Traore überläuft auf der rechten Seite Erik Durm, flankt – und findet den allein gelassenen Martin Harnik zum 2:0 (19.). Da brodelt es schon in Weidenfeller. Die Wut platzt heraus, als Ibisevic frei ist und verzieht.

Rote Karte für Stuttgarts Torhüter Niedermeier

Allein daran liegt es aber nicht, dass die Borussia fortan weniger defensive Fehler und mehr Offensive Gefahr produzierte. Sekunden nach Ibisevics Fehlschuss trifft Marco Reus auf sehenswerte Steilpassvorlage von Jonas Hofmann zum 1:2. Und beinahe kippte das Spiel binnen Sekunden, aber Ulreich parierte einen Schuss von Henrikh Mkhitaryan sehenswert mit dem Fuß (31.). Zwar hatte der VfB durch einen zu hoch angesetzten Kopfball von Daniel Schwaab (42.) noch eine Gelegenheit, doch der Gast bestimmte für den Rest der ersten Halbzeit das Geschehen. Nach einem feinen Lewandowski-Zuspiel stand Marco Reus frei vor dem Fünfmeterraum, aber sein Schuss wurde abgeblockt (44.).

Ähnlich gestaltete sich der Start in die zweite Halbzeit. Beide Mannschaften agierten fehlerhaft, bisweilen hektisch. Stuttgart nutzte die sich bietenden Räume für Konter auf mangelhafte Weise, der BVB erspielte sich zunächst Chancen, die ungenutzt blieben. So in der 56. Minute, als Lewandowski – von Kirch in Szene gesetzt – loszog und aus 16 Metern am Pfosten scheiterte. Elf Minuten später stand wieder der Dortmunder Stürmer im Mittelpunkt des Geschehens: Georg Niedermeier konnte sich im Zweikampf mit dem Polen nur mit einem Foul behelfen. Schiedsrichter Michael Weiner entschied auf Notbremse im Strafraum. Die Folge: Rote Karte für den VfB-Profi und Elfmeter für den BVB. Marco Reus trat an und verwandelte sicher zum 2:2-Ausgleich.

Harnik verzog vor BVB-Keeper Weidenfeller

Nach einer außerplanmäßigen Pause für die Profis – Schiedsrichter Weiner verletzte sich und musste in der Schlussphase durch den Assistenten Norbert Grudzinski vertreten werden – startete der BVB in sein furioses Finale. Zunächst scheiterte Reus mit einem Freistoß an Ulreich (78.), doch fünf Minuten später war der Torwart machtlos: Der eingewechselte Pierre-Emerick Aubameyang hatte den Nationalspieler wunderbar freigespielt, dessen Schuss aus 14 Metern landete abgefälscht im Stuttgarter Tor. Dreimal Reus. Riesen-Jubel beim BVB, Entsetzen bei Rot und Weiß.

Doch zu diesem verrückten Spiel in Stuttgart passte, dass es das noch nicht gewesen war. Ein letztes Mal tauchte Stuttgart in Unterzahl noch vor dem Dortmunder Tor auf. Und wie: Martin Harnik hätte der Mannschaft von Huub Stevens einen Punkt retten können, aber der Stürmer verzog frei vor Weidenfeller (85.). Auch die sechs Minuten Nachspielzeit überstand der BVB schadlos.