Ringer-Legende wird 75

Regelmäßiger Gast bei den KSV-Heimkämpfen ist Klaus Rost (mit Mütze, hier neben dem inzwischen verstorbenen Mithat Bayrak, einer weiteren Wittener Ringer-Legende).
Regelmäßiger Gast bei den KSV-Heimkämpfen ist Klaus Rost (mit Mütze, hier neben dem inzwischen verstorbenen Mithat Bayrak, einer weiteren Wittener Ringer-Legende).
Foto: Oliver Schinkewitz
Olympia-Silbermedaillengewinner Klaus Rost feiert am heutigen Montag mit Ehefrau Jutta und Freunden auf dem Sonnenschein in der Ruhrstadt seinen 75. Geburtstag.

Witten..  Olympia-Silbermedaillengewinner Klaus Rost feiert am heutigen Montag mit Ehefrau Jutta, selbst ehemals einmal eine erfolgreiche Spitzensportlerin, und Freunden auf dem Sonnenschein in der Ruhrstadt seinen 75. Geburtstag.

Begonnen hat Klaus Rost seine beispiellose Sport-Karriere im Alter von elf Jahren, als die Ringermatte noch quadratisch war, aus Seegras bestand und die Kampfzeit noch zweimal sechs Minuten betrug.

Trainiert wurde seinerzeit beim Schülertrainer, Karl Brockhoff, in der alten Sporthalle des heutigen Ruhrgymnasiums am Synagogenweg. Schnell lernte Klaus Rost die nötigen Techniken, um seine Gegner gleich reihenweise aufs Kreuz zu legen.

Rost gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Ringer der Nachkriegs-Geschichte und darf als einer der besten Techniker dieser Sportart bezeichnet werden. Er gehörte zu den wenigen Ringern, die beide Stilarten gleich gut beherrschten. Viele seiner erfolgreichen Techniken hat er Spitzenringern aus allen Ländern der Welt abgeschaut und diese individuell modifiziert. Außerordentlich erfolgreich war er mit seinem Spezialgriff, dem so genannten Armdrehschwung, den er in beiden Stilarten durchsetzen konnte. Gefürchtet waren zudem seine „Einsteiger“ in der Bodenlage und seine Verteidigung aus der Bodenlage heraus mit sogenannten „Abklemmern“.

Mit dem Gewinn der Silbermedaille 1964 in Japans Hauptstadt Tokio - im Alter von gerade mal 24 Jahren - stand er auf dem Zenit seines Könnens.

Unvergessen für viele Wittener ist der Autokorso vom Hauptbahnhof durch die Wittener Innenstadt, wo ihn Wittens damaliger Bürgermeister Reinke in Empfang nahm, bis nach Witten-Annen, wo man nur vier Jahre früher seinen mittlerweile verstorbenen damaligen Vereinskollegen, Günther Maritschnigg, Silbermedaillen-Gewinner von Rom 1960, zujubelte.

Der Träger des Silbernen Lorbeerblattes, noch überreicht durch den ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, griff vier Jahre später, bei Olympia in Mexiko City, wieder nach Edelmetall. Durch die Tatsache, dass er in beiden Stilarten rang, absolvierte er in nur zwei Tagen insgesamt elf (!) Kämpfe und verfehlte, offenbar durch Manipulation zweier Ringer aus den damaligen sozialistischen Staaten, eine verdiente Medaille. Ohne Niederlage schied er aus dem Turnier aus und wurde „nur“ Vierter im gr.-röm. Stil. Im freien Stil belegte er einen großartigen sechsten Rang.

Auch im Jahre 1972 in München kam man nicht an ihn vorbei. Er war immer noch Deutschlands bester Leichtgewichtler. Seine ständigen Knieprobleme führten allerdings zu einem vorzeitigen Ausscheiden nach einem Sieg und zwei Niederlagen.

Dekoriert ist er mit insgesamt16 deutschen Einzel-Meistertiteln in beiden Stilarten und jeweils vier zweiten Plätzen. Im Jahre 1959 wurde er erstmalig deutscher Seniorenmeister im Freistil, nachdem er ein Jahr zuvor deutscher Jugendmeister wurde. Siebenmal nahm er an Weltmeisterschaften teil, wo er im Jahre 1963 in Schweden, im gr.-röm. Stil, die Bronzemedaille errang. In Argentinien (1969) belegte er in der selben Stilart Platz vier. Fünfmal insgesamt nahm er an Europameisterschaften teil. Nicht auszudenken, wenn er seinerzeit schon unter den sogenannten, damaligen Staats-Amateur-Bedingungen hätte trainieren können.

Mit der Bundesliga-Mannschaft des KSV Witten 07 hatte er maßgeblichen Anteil an den großen Erfolgen. Erstmalig holte er mit der Mannschaft des KSV 1970 den Titel nach Witten. Vier Jahre später sicherte er sich und der Mannschaft - durch einen spektakulären Schultersieg im End-kampf - gegen den ASV Schorndorf abermals den Titel eines deutschen Mannschaftsmeisters. An den weiteren vier Vize-Titeln mit dem KSV, die ebenfalls mit auf sein Konto gingen, hatte er maßgeblichen Anteil.

Insgesamt trug Klaus Rost bei 30 Länderkämpfen das Trikot der Nationalmannschaft, wo er u. a. mit der Ringerlegende Wilfried Dietrich, dem Kran von Schifferstadt, in einer Mannschaft stand. Unvergessen sind seine spannenden Kämpfe gegen den Perser Alvandi von Heros Dortmund, Franz Schmitt vom ASV Mainz oder Manfred Schöndorfer vom Bad Reichenhaller Athletikclub, um nur einige zu nennen.

Noch heute trainiert KSV-Ehrenmitglied Klaus Rost immer noch dreimal in der Woche - jetzt allerdings an der Tischtennisplatte. Eine Sportart, die er trotz seines lädierten Knies noch intensiv ausübt. Regelmäßiges Schwimmen rundet die sportlichen Aktivitäten des Stammgastes bei den Wittener Heimkämpfen in der Husemannhalle ab.

 
 

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