KSV trauert um Mithat Bayrak

Gemeinsam mit seinem Freund und langjährigen Ringer-Weggefährten Klaus Rost (2. von li.) war Mithat Bayrak (M.) ein ständiger Gast bei den Kämpfen des KSV Witten 07.
Gemeinsam mit seinem Freund und langjährigen Ringer-Weggefährten Klaus Rost (2. von li.) war Mithat Bayrak (M.) ein ständiger Gast bei den Kämpfen des KSV Witten 07.
Foto: Oliver Schinkewitz
Der KSV Witten 07 trauert um einen seiner ganz großen Ringer: Im Alter von 85 Jahren verstarb am Ostersonntag Mithat Bayrak, der in Melbourne 1956 und in Rom 1960 jeweils olympisches Gold gewann. Ein Jahr später kam er nach Witten, stand lange für den KSV auf der Matte.

Witten..  Mithat Bayrak ist tot – ein Ringerherz hat aufgehört zu schlagen. Tief betroffen und voller Trauer haben seine Vereinsfreunde vom KSV Witten 07 und die ganze Ringerwelt die Nachricht aufgenommen. Der zweifache Olympiasieger starb am Ostersonntag im Alter von 85 Jahren.

Zuletzt hatte es seine Gesundheit nicht mehr gut mit ihm gemeint – viele Wochen musste er immer wieder in Krankenhäusern verbringen, so auch den 85. Geburtstag, den er am 3. März in einer Herdecker Klinik verbringen musste. Dennoch war er auch in der abgelaufenen Saison regelmäßig bei den Kämpfen „seines“ KSV Witten anzutreffen, gab seine Kommentare und auch immer noch Tipps an die jungen Ringer. Den 80. Geburtstag hatte das Ringer-Idol noch im Kreise seiner Familie und vieler, vieler sportlicher Wegbegleiter gefeiert.

Mithat Bayrak wuchs in Adapazarı in der Türkei auf. Als Jugendlicher begeisterte er sich für das traditionelle türkische Ringen, Yagli güres, das „Ölringen“. In dem Verein Sakarya Güres erlernte er den modernen olympischen Ringkampf, machte schon bald durch gute Leistungen auf sich aufmerksam und wurde in das türkische Nationalteam im griechisch-römischen Stil aufgenommen. Trainer wie Gazanfer Bilge, Mehmet Oktav, Hüseyin Erkmen und Celal Atik prägten den jungen Bayrak.

1955 startete der erstmals bei einem bedeutenden internationalen Turnier, den Mittelmeer-Spielen. Da musste er sich noch mit dem fünften Platz im Weltergewicht begnügen. Doch bereits ein Jahr später gelang ihm der große Wurf: Bayrak wurde Olympiasieger bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne. 1960 wiederholte er diesen Erfolg bei den Spielen in Rom. 1964 ging er noch einmal auf die olympische Matte. In Tokio schied er aufgrund des damaligen Reglements ohne Niederlage aus – zwei Unentschieden besiegelten das Turnierende.

Olympiasieger in Melbourne und Rom

Der Weltklasseringer beendete danach seine internationale Karriere und kam 1961 als einer der ersten türkischen Ringer nach Deutschland. Er fand in Witten seine neue Heimat, schloss sich dem KSV 07 an und prägte in den folgenden Jahren das sportliche Geschehen des Vereins mit. Über 20 Jahre ging er für den KSV auf die Matte – zunächst in der Aufstiegsmannschaft, die 1966 in die Bundesliga kam. Als „Dominator vom Bosporus“ zeigte er immer wieder seine Qualitäten – Ringkampf auf allerhöchstem Niveau. Nach seinem Abschied aus der ersten Mannschaft machte er weiter – nur so zum Spaß, aber immer auch als Vorbild für die jungen Ringer. Mit der zweiten Mannschaft stieg er 1971 in die Oberliga NRW auf und wurde in den Folgejahren mehrmals Meister mit diesem Team. Auch als Trainer engagierte er sich, war einige Jahre verantwortlich für das Bundesliga-Aufgebot. Immer aber galt seine Aufmerksamkeit dem Ringernachwuchs, den er unterstützte und den er formte. Mit Rat und Tat war Mithat Bayrak stets zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.

Aufnahme in die „Hall of Fame“ der Ringer

Er hielt all‘ die Jahre Verbindung in seine Heimat – auch sportlich. So zu Muzahir Sille, mit dem er gemeinsam in der türkischen Nationalmannschaft und einige Jahre auch beim KSV Witten kämpfte, oder zu Ahmet Ayik, Welt- und Europameister und Olympiasieger und später Präsident des türkischen Verbandes. So vermittelte er dem KSV immer wieder Top-Ringer für die Bundesliga-Mannschaft: Selim Sari, Münür Caliskan, Sakir Alpaslan, Mehmet Öztürk, Suat Aydin...

Für seine Verdienste um den Ringersport wurde er im September 2011 vom Ringer-Weltverband FILA in die „International Wrestling Hall of Fame“ aufgenommen. Noch 2012 erfuhr er bei einer Foto-Ausstellung über Sportlegenden bei den Olympischen Spielen in London eine besondere Ehrung. Natürlich wurde er auch vom KSV Witten ausgezeichnet – die Ehrenmitgliedschaft des Vereins hatte Bayrak seit vielen Jahren inne.

Respektsperson auf und neben der Matte

Der Doppel-Olympiasieger war beruflich zunächst in der Firma des damaligen Vorsitzenden des KSV, Emil Olsberger, tätig. Später machte er sich als Gastronom selbständig und betrieb – gemeinsam mit Ehefrau Erna – verschiedene Gaststätten in Witten.

Mithat Bayrak war einer der ersten türkischen Sportler, einer der ersten „Gastarbeiter“ in Deutschland, in Witten. Er prägte das Miteinander der unterschiedlichen Kulturen, schaffte Respekt und Vertrauen untereinander. Bayrak war eine Respektsperson, eine Autorität – für seine Landsleute und alle Sportkameraden. Aufgrund seiner Kompetenz, seiner Menschlichkeit, seiner Weltoffenheit und Erfahrung. Damit hat er Brücken gebaut, nicht nur im Sport.

Er wird weiterleben im KSV Witten, im Sport – durch die Erinnerungen an ihn, an sein Schaffen, seine Verdienste, die im Verein Bestand haben. Auch durch Sohn Attila, der als Trainer der KSV-Jugend das Werk seines Vaters weiterführt, und durch die talentierte Enkelin Dilara, die schon erste Erfolge auf der Ringermatte feierte.

Trauerfeier am Dienstag

Am Dienstag (22. April) findet die Trauerfeier ab 13.30 Uhr in der Moschee an der Kesselstraße statt. Der KSV hofft, dass viele Ringerfreunde den Weg dorthin finden, um das Wittener Idol Bayrak auf seinem letzten Weg zu begleiten.

 
 

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