„Ich muss mich noch verbessern“

Mit der DJK BW Annen muss Narine Antonyan an diesem Wochenende gleich zweimal antreten - am Freitag in Bochum, am Samstag in Iserlohn-Kalthof.
Mit der DJK BW Annen muss Narine Antonyan an diesem Wochenende gleich zweimal antreten - am Freitag in Bochum, am Samstag in Iserlohn-Kalthof.
Foto: Fischer

Witten..  Wenn der Begriff „Glücksgriff“ auf eine Person hundertprozentig zutrifft, dann ist es wohl in Bezug auf die Tischtennis-Abteilung der DJK Blau-Weiß Annen zweifelsohne Narine Antonyan. Seit Beginn der laufenden Saison steht die gebürtige Armenierin für den Wittener Club an der Platte - und es kommt nicht von ungefähr, dass das BWA-Damenteam seither kein einziges Spiel verloren, keinen Punkt abgegeben hat. Die 52-Jährige geht allemal als „Mutter des Erfolges“ beim Verbandsliga-Spitzenreiter durch, der am Freitag (20 Uhr) bei der DJK Viktoria Bochum antreten muss - denn die übrigen Akteurinnen könnten allesamt ihre Töchter sein.

„Die richtige Entscheidung“

Wer unter der Woche mal beim Annener Training vorbeischaut, der wird zunächst natürlich nicht registrieren, dass da eine ehemalige Europameisterin am Tisch steht, die Bälle hin und her jagt. Wie denn auch? Antonyan, in Eriwan geboren und seit 1997 in Deutschland, mischt sich unter die übrigen Aktiven, ist längst ein Teil der großen Blau-Weiß-Familie geworden. „Ich fühle mich hier richtig wohl - es war eine gute Entscheidung, nach Witten zu kommen“, sagt die Frau mit den langen braunen Haaren, die sich in ihrer Heimat ehedem zur Sportlehrerin ausbilden ließ, heute als Küchenhilfe in einem Krankenhaus in Wetter-Volmarstein arbeitet.

Vier WM-Teilnahmen

Ihre herausragende Zeit hatte Narine Antonyan in den 1980-er-Jahren. Insgesamt stand sie bei vier Welt- und bei fünf Europameisterschaften am Tisch, holte 1980 in Bern und 1984 in Moskau (damals noch für die UdSSR) EM-Gold im Doppel - an der Seite von Valentina Popova - und mit dem Team. Zuvor hatte Antonyan bei den Jugend-Europameisterschaften im französischen Vichy 1977 gleich viermal die Gold-Medaille abgeräumt - je zwei bei den Juniorinnen und bei den Kadettinnen. Auf WM-Niveau reichte es ob der Dominanz der Chinesinnen nicht ganz zu Edelmetall: 1979 in Pjöngjang (Nordkorea) und 1981 in Novi Sad (Jugoslawien) belegte Antonyan im Mannschaftswettbewerb mit der UdSSR jeweils den undankbaren vierten Platz.

Wer so erfolgreich werden will in dieser so rasanten Sportart, der muss früh beginnen: „Ich glaube, ich war damals sechs Jahre alt. Mein Vater war auch mein erster Trainer, wir hatten zu Hause auch eine Platte stehen. Da meine Schwester und auch mein Bruder Tischtennis gespielt haben, kam ich zwangsläufig auch irgendwann dazu“, erinnert sich die Herdeckerin.

Vier EM-Titel 1977 in Vichy

Dass sie eine Menge Talent hatte, mehr als andere, stellte sich schnell heraus: „Den ersten Meistertitel habe ich damals mit Zwölf gewonnen.“ 1976 stand Narine Antonyan erstmals im russischen Nationalteam. Erst 1986, als ihre Tochter zur Welt kam, verabschiedete sie sich zunächst von der ganz großen Bühne. Als Armenien dann seine Souveränität erlangt hatte, kehrte Antonyan 1993 aufs internationale Terrain zurück, wurde aber nur 19. bei der WM in Göteborg.

Als die Rechtshänderin nach Deutschland kam, schloss sie sich dem SSV Hagen an, spielte dort in der Ober- und Regionalliga. Später spielte Antonyan noch für den TTC Hagen, ehe der sein Team auflöste - die Chance für Blau-Weiß Annen, sich hochkarätig zu verstärken. „Ich möchte so lange weiter Tischtennis spielen, wie ich mich fit fühle“, sagt die 52-Jährige. Vermutlich dürfte das noch ein ganzes Weilchen dauern - ihre eindrucksvolle Bilanz von bislang 21:1-Spielen in der Verbandsliga (einzige Niederlage mit 2:3-Sätzen gegen Schwelms Tabea Meier) deutet darauf hin, dass das Feuer in der Armenierin noch längst nicht erloschen ist. „Es macht viel Spaß mit unserer Mannschaft. Die Mädchen hören zu, lassen sich Tipps geben und sind alle sehr lieb.“

Wobei: Die Ex-Europameisterin, die daheim in Herdecke als Jugendtrainerin ihr reiches Tischtennis-Wissen an den Nachwuchs weitergibt, ist extrem selbstkritisch und war mit ihren eigenen Partien nicht immer einverstanden. „Ganz so viel wie früher trainiere ich ja nicht mehr. Wenn ich ehrlich bin: Ganz so super lief es für mich selbst nicht wirklich - auch wenn ich viele Spiele gewonnen habe. Ich muss mich aber sicher noch verbessern.“ Klingt irgendwie verdächtig nach einer Drohung an die Konkurrenz in der Verbandsliga.

 
 

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