Erst Frust, dann Freude

Vize-Weltmeister: Stefan Galla.
Vize-Weltmeister: Stefan Galla.
Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Viersen.. Als die WAZ/WR-Redaktion Billard-Ass Stefan Galla (41) gestern erreichen wollte, musste sie sich erst einmal eine geschlagene halbe Stunde gedulden. Stets war die Leitung besetzt, man kam einfach nicht durch - was ja auch kein Wunder ist. Schließlich wurde der Ausnahmekönner des BCC Witten von telefonischen Glückwünschen überhäuft. Der Mann ist am Sonntag Vize-Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft (Duo mit Martin Horn/Essen) geworden. Es nahmen 18 Teams aus 17 Nationen teil.

„Ein Riesen-Erfolg“, kommentierte Galla seinen bis dato größten Erfolg auf internationalem Parkett: „Die Glückwünsche kamen von vielen Freunden, die meine Spiele live im Internet verfolgt haben.“ Horn, ein Spieler auf Weltklasse-Niveau, und der erst drei Tage vor dem Turnier nominierte Galla, lieferten eine großartige Leistung ab. Schon in der Vorrundengruppe, die mit Titelverteidiger Türkei und dem amtierenden Europameister Frankreich überdurchschnittlich gut besetzt war, zeigten die Kugelkünstler ihren Konkurrenten die lange Nase. Deutschland wurde Gruppensieger durch einen 2:0-Erfolg gegen die Franzosen und ein 1:1-Remis gegen die Türken. Gegen den Franzosen Jerome Barbeillon setzte sich Stefan Galla mit einer guten Leistung klar mit 2:0-Sätzen durch, während er sich Murat Naci Coklu mit 1:2-Sätzen beugen musste.

Galla nannte das Losglück im Viertelfinale - das Duo bekam es mit Österreich zu tun - eine „Belohnung“ für die zuvor abgerufene Glanzleistung. Doch das Duell gegen den vermeintlich klaren Underdog wurde zur Zitterpartie. Zwar besiegte Martin Horn Andreas Efler klar mit 3:0, aber Stefan Galla fand nicht zu seinem Spiel, unterlag gegen Herbert Sviacz klar mit 0:3. Nur die zahlreichen Punkte, die Galla in den drei Sätzen trotzdem eingesackt hatte (10:15, 14:15, 10:15), brachten Deutschland ins Halbfinale: „Martin hat mich da mit durchgeschleppt.“ Und deshalb haderte Galla mit sich. Trotz des Vorschlussrunden-Tickets. Deshalb „habe ich den Samstagabend mit einem sehr guten Freund verbracht, Boxen geschaut - und wir haben viel über Billard gesprochen“, so Galla: „Das war genau das Richtige - ich bin viel befreiter ins Halbfinale gegangen.“

Und siehe da: Gegen Gegner Dänemark hatte der 41-Jährige seine Schwäche abgelegt. Gegen Thomas Andersen lag er schnell mit 2:0-Sätzen vorne und stellte in dieser Partie die Turnierhöchstserie von 13 Punkten ein. Martin Horn besiegte Tonny Carlsen mit 3:1-Sätzen und die 2:1-Führung von Galla machte damit den Einzug ins Finale perfekt: „Eine sehr gute Leistung von uns beiden.“ So schnell kann aus Frust Freude werden.

Im Finale ging es gegen Belgien, „den haushohen Top-Favoriten“. Gegen den weltbesten Spieler Frederic Caudron musste Galla ‘ran und schlug sich achtbar. Er unterlag mit 1:3: „Gänzlich chancenlos war ich da nicht.“ Auch Martin Horn musste die Klasse seines Gegners Eddy Merckx anerkennen.

Für Galla ist die WM-Silbermedaille ein großartiger Erfolg. Nach dem Einzel-Europameistertitel 2010 (Kleiner Billard) und der Deutschen Dreiband-Meisterschaft 2003 kann Galla sich einen weiteren Erfolg ans Revers heften.

 
 

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