Die 100-Kilo-Klasse ist Frey-Gebiet

In dieser Saison bestritt Johannes Frey (grüner Judogi) bislang nur einen Kampf für die SU Annen.
In dieser Saison bestritt Johannes Frey (grüner Judogi) bislang nur einen Kampf für die SU Annen.
Foto: Jürgen Theobald
  • Mit der SU Annen steht Johannes Frey am Samstag im Halbfinale der Judo-Bundesliga
  • Sein Bruder Karl-Richard, Weltmeister von 2015, steht im Team von Titelverteidiger Großhadern
  • Bislang hat es kein direktes Duell der beiden Top-Judoka gegeben

Köln/Witten.  „Gegen Hamburg wird es ganz bestimmt kein Zuckerschlecken - aber ich gehe davon aus, dass das ziemlich knapp ausgehen wird. Mit dem besseren Ende für uns.“ Vor dem Halbfinale in der Judo-Bundesliga zwischen der Sport-Union Annen und Ausrichter Hamburger JT (Samstag, 11.30 Uhr) in der Sporthalle Wandsbek strotzt Johannes Frey nur so vor Selbstbewusstsein. Eine besondere Motivation für ihn: Im Finale könnte er auf seinen großen Bruder und dessen TSV Großhadern treffen.

Im Halbschwergewicht, der Klasse bis 100 Kilogramm, sind die Frey-Brüder schon jetzt drauf und dran, den Judo-Sport auf nationaler Ebene zu dominieren. Auch darüber hinaus haben beide schon mehrfach von sich reden gemacht. Karl-Richard Frey feierte mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2015 in Astana (Kasachstan) seinen bislang größten Triumph, Johannes erkämpfte sich in diesem Jahr die Silbermedaille bei der U 21-Europameisterschaft in Malaga. „Eigentlich war mein Ziel der EM-Titel, aber mit Platz zwei war ich am Ende schon zufrieden“, sagt der 19-Jährige. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro drückte er daheim vor dem Bildschirm die Daumen für seinen Bruder, doch dessen Medaillen-Traum platzte im Bronzekampf gegen den Franzosen Cyrille Maret. „Natürlich war Kalle da enttäuscht, aber Fünfter bei Olympia zu sein ist ein toller Erfolg. Leider lief es bei ihm schon in der Vorbereitung nicht optimal“, so Johannes Frey.

Einziger Liga-Kampf gegen Holle

Die Olympischen Spiele, auch für den jüngsten der drei Frey-Brüder aus dem rheinischen Sankt Augustin schweben sie über allem. „Mein Bruder und ich gehen da im Prinzip in die gleiche Richtung. Auch ich will 2020 in Tokio bei den Spielen an den Start gehen. Wir werden uns den Weg dorthin schon frei kämpfen“, so der Wahl-Kölner, der im kommenden Jahr sein Fachabitur in der Domstadt bauen und dann vorerst alles auf die Karte Judo setzen will.

Dass der in der Bundesliga für die SU Annen auf die Matte gehende Johannes Frey in dieser Saison erst einen Kampf für die Wittener bestreiten konnte, bedauert er fast ein wenig. „Ich habe mich eben ganz auf die Einzel-Karriere konzentriert - mit Blick auf die U 21-EM. Da kam die Bundesliga bislang etwas zu kurz.“ Seinen einzigen Auftritt für die SUA hatte er gegen das Team aus Holle - mit Christian Struck hatte der baumlange Rheinländer keinerlei Probleme. Keine Frage, dass er am Samstag bei der Bundesliga-Endrunde in Hamburg zeigen will, was in ihm steckt. „Ich fahre da nicht hin, um zu verlieren. Wenn wir in bester Besetzung dort antreten, können wir die Hamburger sicher ärgern. Knapp wird das auf jeden Fall ausgehen“, sagt Johannes Frey.

Auf seinen Bruder Karl-Richard, der momentan als Sportsoldat auf einem Lehrgang in Hannover weilt, ansonsten aber wie der SUA-Judoka am Olympia-Stützpunkt in Köln trainiert, könnte Johannes Frey treffen, sofern die SU Annen ebenso wie Titelverteidiger TSV Großhadern (trifft im Halbfinale auf den KSV Esslingen) ins Finale einzieht. „Näher haben wir aber bislang über die Endrunde noch nicht gesprochen“, so der 19-Jährige. Im gemeinsamen Training jedenfalls schonen sich die Freys nicht im Geringsten. „Wenn wir zusammen Randori machen, dann geht’s auch richtig zur Sache. Aber danach sind wir wieder Brüder.“ Bei einem Turnier haben sich die 100-Kilo-Hünen bislang noch nicht gegenübergestanden. „Das wollen wir eigentlich auch nicht“, sagt Johannes Frey. Und falls sie doch einmal das Los gegeneinander führen würde, etwa bei einer Deutschen Meisterschaft? „Dann lassen wir uns schon was einfallen“, sagt der SUA-Kämpfer grinsend.

Dass seine aktuelle Form stimmt, davon ist Johannes Frey jedenfalls fest überzeugt. „Ich hatte zwar zuletzt eine leichte Einblutung im Ellenbogen und habe weniger Judo trainiert, aber jetzt habe ich keine Probleme mehr, mache viel Kraft- und Konditionstraining. Manchmal ist es auch ganz gut, mal ein oder zwei Wochen kein Judo zu machen - umso mehr brennt man dann wieder darauf.“ Im Halbfinale gegen das Hamburger Judo-Team könnte er am Samstagvormittag auf Robin Wendt treffen oder auf die etatmäßigen 90-kg-Judoka David Tekic bzw. Dario Kurbjeweit-Garcia. „Kein Thema. Die kann ich alle drei schlagen“, so der selbstbewusste U 21-Vizeeuropameister.

Dass er auch in der kommenden Saison für die Sport-Union in der Bundesliga antreten wird, davon können die Wittener Trainer Marcel Haupt und Stefan Oldenburg ausgehen. „Ich hatte zwar schon das eine oder andere Angebot - interessanterweise auch aus Hamburg. Aber ich fühle mich in Witten wohl, wir haben eine richtig gute, junge Mannschaft mit prima Typen. Es macht Spaß, für diese Truppe zu kämpfen“ - genau das will Frey auch am Samstag beweisen.

 
 

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