Im Wasser ist Caroline Friedrich in ihrem Element

Caroline Friedrich in ihrem Element. Im Wasser praktiziert sie am liebsten Freistil, also das Kraul-Schwimmen. Vielleicht, weil es das Schnellste ist.
Caroline Friedrich in ihrem Element. Im Wasser praktiziert sie am liebsten Freistil, also das Kraul-Schwimmen. Vielleicht, weil es das Schnellste ist.
Foto: privat

Wesel..  Die Vorbereitung für einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wesel dauert seitens der Behörde rund zwei Stunden. Die Zeit, die die Bürger investieren, um sich in der Geschichtschronik zu verewigen, ist zumeist deutlich länger – und im Falle von Caroline Friedrich auch deutlich anstrengender.

Für ihren Mehrkampf-Sieg bei der Deutschen Schwimm-Meisterschaft in Berlin wurde die Zwölfjährige nun im Rathaus empfangen. Dort erhielt sie neben viel Lob und Anerkennung auch den Sportpreis des Monats. Die Auszeichnung wird gesponsert von der Volksbank Rhein-Lippe und Ropa Sport, unterstützt von der Stadt Wesel sowie dem Stadtsportverband und präsentiert von der Neuen Rhein Zeitung. Einen Warengutschein in Höhe von 500 Euro gibt es obendrein.

„Ein schönes Gefühl“, sagt die Ausgezeichnete, die mit Familie und Klassenkameradinnen im Ratssaal erscheint. Viele Fragen muss sie beantworten, eine davon häufiger. Warum die Büdericherin seit 2009 für den SC Delphin Geldern startet, erläutert auch der Vater nicht zum ersten Mal.

„Wir waren im Weseler Schwimmverein, aber dort konnte man uns einfach nicht die Trainingszeiten anbieten, die man auf diesem Niveau benötigt. Das ist kein Vorwurf, der WSV hätte selbst auch gerne mehr Trainingstage als einen plus Samstagvormittags“, so Thilo Friedrich, früher selbst aktiver Schwimmer und einer der Trainer von Caroline. „Und das Schwimmbad in Obrighoven mit seinen vier Bahnen war nicht toll, aber es war da. Der Abriss passierte für uns völlig überraschend und ist für mich bis heute nicht nachzuvollziehen.“

Im Auto wird gelernt oder gelacht

Und so pendeln die Eltern mit ihrer Tochter durchschnittlich viermal pro Woche nach Geldern. „Ich nutze die Zeit für Hausaufgaben oder zum Lernen“, erzählt die Schülerin des Konrad Duden Gymnasiums. „Es sind von Büderich aus nur 25 Minuten Fahrzeit. Ich sehe das als Extra-Zeit mit meiner Tochter an. Zuhause sind alle immer schnell in ihren Zimmern verschwunden, im Auto kann sie ja nicht weg“, sagt Mutter Andrea. Das herzhafte Lachen von beiden lässt erahnen, dass diese Zeit ähnlich kurz erscheint wie Carolines persönliche Rekorde tatsächlich jetzt schon sind.

In den aktuellen Deutschen Bestenlisten für zwölfjährige Mädchen führt die Hansestädterin auf der 50m Bahn über 100 Meter Freistil (1:01,84 Minuten), 200m Freistil (2:13,46), 400m Freistil (4:40,13), 100m Schmetterling (1:08,38) sowie auf der 25m Bahn über 100m Freistil (1:01,76).

Vor Wettkämpfen geht es eigentlich jeden Tag ins Wasser, nicht nur ins 25m Becken nach Geldern. Auch die Kacheln der 50m Bahnen in Krefeld und Mönchengladbach zählt Caroline regelmäßig. Bei diesem Aufwand ist es sehr wahrscheinlich, dass das Weseler Top-Talent bald die Heimat gänzlich verlässt. Verbundsysteme Schule-Leistungssport sind nötig, um der Entwicklung gerecht zu werden. Wahrscheinlich schon nächstes Jahr, vielleicht Essen, vielleicht aber auch Hamburg.

Zuviel wird ihr es scheinbar nie. „Es gibt natürlich auch schlechte Tage, aber die hat jeder in jedem Sport“, so die aktuelle Siegerin von acht NRW-Jahrgangstiteln. „Sie ist ein sehr angenehmer Typ ohne Zicken“, sagt Jörg Löcker, einer ihrer Trainer in Geldern. „Wir haben 16 Kinder in den Top 100 in Deutschland, aber sie hat natürlich schon eine herausragende Position. Aber obwohl sie zwei- bis dreimal soviel Zeit im Wasser verbringt wie andere Leistungsgruppen, pflegt sie immer den Kontakt zu den anderen Kindern.“

Angst vor großen Fischen

Ihre Geburtstage feiern Schwimmer am liebsten im Schwimm- oder Spaßbad. Im Urlaub geht es ans Meer. „Obwohl ich Angst vor großen und gefährlichen Fischen habe“, räumt Caroline Friedrich ein. Das hindert sie allerdings nicht daran, als „Goldfisch“ auch von den Olympischen Spielen zu träumen. Auf Medaillengewinner dort warten noch mehr Lorbeeren als Einträge in Goldene Bücher.

Übrigens: In der achten Klasse hat Caroline Friedrich künftig auch Schwimmunterricht. Kein Problem – sollte man meinen. „Für gute Noten muss man sich eigentlich in seinen Zeiten verbessern“, erläutert die Deutsche Mehrkampf-Meisterin. Vielleicht geht sie die ersten Bahnen etwas langsamer an . . .

EURE FAVORITEN