Der Niedergang des Weseler SV

Noch nie abgesteigen, noch nie in der Kreisliga C gespielt oder trainiert: Für Uwe Vengels bringt die neue Saison eine ungewohnte Klasse. (Foto: Bernd Lauter)
Noch nie abgesteigen, noch nie in der Kreisliga C gespielt oder trainiert: Für Uwe Vengels bringt die neue Saison eine ungewohnte Klasse. (Foto: Bernd Lauter)
Foto: WAZ FotoPool

Wesel.. „Es war einmal“ – so beginnen Märchen, die dann ihren Ursprung meist in weit zurückliegenden Zeiten nehmen. Mit „es war einmal“ könnte auch der Weseler SV seine Geschichte beschreiben, die sich allerdings kaum märchenhaft entwickelt hat und auch eher in der jüngeren Vergangenheit liegt.

Zu Beginn der Saison 2005/06 war es, da kickte die erste Mannschaft des Spielvereins noch in der Landesliga. Mit dem Rückzug vom Spielbetrieb dieser Klasse in der Winterpause läutete der WSV einen rasanten Absturz ein, der am letzten Wochenende seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat. In der kommenden Spielzeit kickt das einstige Aushängeschild des Weseler Fußballs nur noch in der Kreisliga C, der untersten aller Ligen am Niederrhein.

Zwei Jahre nach dem 100. Geburtstag des Vereins ist er nun da angelangt, wo „wir nie hin wollten“, beschreibt WSV-Vorsitzender Jürgen Lantermann die Stimmungslage. Dabei will er sich nicht mit Fehlern aus der Vergangenheit beschäftigen. Allein schon deshalb nicht, da er zu dem Zeitpunkt gar nicht in der Verantwortung stand. „Ich möchte keine alte Wäsche wachen. Nur eines: Man hätte schon zu Landesliga-Zeiten die Jugendarbeit forcieren müssen“, sagt Lantermann. Sein Trainer Uwe Vengels ist da etwas anderer Meinung. „Damals hätte man schon einen radikalen Schnitt machen sollen“, erklärt der Coach, der in seiner Karriere erstmals mit dem Gefühl eines Abstiegs konfrontiert wird.

Trainer hat „alles richtig gemacht“

Allerdings ein Abstieg, der nicht wirklich überraschend kommt. „Das war ja ein Prozess, der gereift ist, das Ende irgendwo absehbar“, erzählt Uwe Vengels. Zu schwer wog die Hypothek der ersten Serie, als der Spielverein gerade mal mickrige acht Zähler auf der Habenseite verbuchte. „Das war einfach zu wenig“, räumt der Ex-Profi ein. Und als es mit Neuzugängen zu Beginn der Rückrunde scheinbar bergauf ging, folgte mit Verletzungen von wichtigen Stammspielern der nächste Rückschlag – von dem sich der WSV dann nicht mehr erholt hat. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erklärt der 51-Jährige. Dass sich innerhalb einer Saison Glück und Pech die Waage halten, dies könne er beim Spielverein nicht bestätigen. „Diese Saison hat sich überhaupt nichts ausgeglichen“, fügt Uwe Vengels hinzu.

Trotz des Scheiterns in der Kreisliga B lässt Vorsitzender Jürgen Lantermann auf seinen Coach nichts kommen. „Der Trainer hat alles richtig gemacht. Er hat der Mannschaft seinen Stempel aufgedrückt, für die Verletzungen kann er schließlich nichts“, sagt Jürgen Lantermann. Nun biete sich die Möglichkeit eines Neuanfangs, „der richtige Weg ist, die A-Jugend mit einzubinden“, erläutert der Vorsitzende. Außerdem geht er davon aus, dass „der Großteil der Spieler bei uns bleibt, da auch Vengels bleibt“.

Die weitere Zusammenarbeit steht auch für Uwe Vengels außer Frage. „Ich kann den Verein in der Situation nicht im Stich lassen“, erklärt er. Allerdings befürchtet er, dass sich alle vielversprechenden Gespräche mit potenziellen Neuzugängen durch den Abstieg nun erledigt haben. „Wir bekommen aber eine schlagkräftige Truppe mit jungen Spielern zusammen“, so der Coach. Und das Saisonziel ist auch klar: „Wir müssen wieder aufsteigen, auch wenn das kein Selbstläufer wird.“

„Ich hoffe, dass wir in der C-Liga zeigen können, dass wir da eigentlich gar nicht hingehören“, meint auch Jürgen Lantermann. Denn in ein paar Jahren würde sich der Weseler Spielverein an die Kreisliga C-Saison sicherlich auch gerne nur als Grusel-Märchen mit den Worten „es war einmal“ erinnern.

 
 

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