Der Architekt eines ganz besonderes Turniers – Gahlen 2017

Mit der Vielseitigkeitsprüfung in der Halle haben die Verantwortlichen des RV Lippe-Bruch Gahlen alles richtig gemacht. Der Nachfolger der Hengstschau kommt bestens an, auch beim Lokalmatador Jens Hoffrogge.
Mit der Vielseitigkeitsprüfung in der Halle haben die Verantwortlichen des RV Lippe-Bruch Gahlen alles richtig gemacht. Der Nachfolger der Hengstschau kommt bestens an, auch beim Lokalmatador Jens Hoffrogge.
Foto: Jochen Emde
  • Eckhard Hilker ist im Januar auch bei Gahlen 2017 wieder für den Parcoursbau verantwortlich
  • Der 61-Jährige findet nur lobende Worte für die Organisatoren des RV Lippe-Bruch Gahlen
  • Mit dem Mannschaftsspringen steht er diesmal vor einer besonderen Herausforderung

Schermbeck.  „Gahlen sucht in vielerlei Hinsicht seinesgleichen“, sagt Eckhard Hilker. Der Mann muss es wissen, verbringt er doch seit einigen Jahrzehnten seine Wochenenden regelmäßig auf Turnieren – allerdings nicht mehr als Reiter, sondern als Parcourschef. „Eine Hallenvielseitigkeit baut man nicht oft. Aber es ist eine gute Ergänzung und Abwechslung“, sagt der Leiter des Ausschusses Springen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Er ist beim großen Winterturnier in Gahlen seit knapp 20 Jahren für Ausrichtung, Höhe und Abstände der Hindernisse verantwortlich.

Im Rahmen von Gahlen 2017 (6. bis 8. Januar) lädt der RV Lippe-Bruch am Sonntagvormittag zum fünften Mal die „Buschreiter“ in die Halle an der Nierleistraße, um über Naturhindernisse den Sieger zu ermitteln. „Da hat der Verein nach den Hengstschauen wieder ein gutes Gespür gehabt und ist auf den richtigen Zug aufgesprungen“, lobt RV-Aushängeschild Jens Hoffrogge.

Auffarth und Klimke haben ihr Kommen schon zugesagt

Die Vielseitigkeitsprüfung sei immer sehr stark besetzt und entwickle sich weiter. Für die kommende Auflage haben mit Sandra Auffarth und Ingrid Klimke bereits wieder zwei Mitglieder der deutschen Olympiasieger-Equipe von London 2012 und der Gewinnermannschaft der Weltreiterspiele 2014 zugesagt.

„Im Prinzip darf man alles bauen. Die große Herausforderung beim Aufbau ist das Zusammenspiel“, sagt Hilker. „Und das funktioniert hervorragend“, lobt Lippe-Bruchs Ehrenvorsitzender Heiner Nachbarschulte. „Es ist einmalig, wie das in zwei Stunden komplett steht. Und es können noch so viele Helfer vor Ort sein: Der Chef muss wissen, was zu tun ist.“

Keine dreifache Kombination in Richtung Theke

Und das weiß Eckhard Hilker offensichtlich. Der 61-jährige aus Oelde war 27 Jahre Parcourschef beim Preis der Besten in Münster und 22 Jahre beim Bundeschampionat in Warendorf. In Gahlen warten auf ihn und die Helfer des Vereins nicht nur die Vielseitigkeit, sondern auch gleich acht S-Springen sowie weitere Prüfungen. „Die Halle lässt mit ihren Abmessungen von 25 x 62,5 Metern Möglichkeiten“, sagt der Architekt und Diplom-Ingenieur. „Besonders ist sicherlich, wie nah die Zuschauer sind. Eine dreifache Kombination baut man besser nicht Richtung Theke.“

Als „einmalig“ bezeichnet Hilker die Tatsache, dass der RV Lippe-Bruch für so ein großes Turnier komplett eigenes Hindernismaterial benutzt. „Die Hindernisse wurden hier schon immer selbst gebaut und werden gehegt und gepflegt“, sagt Christiane Rittmann. Und prompt bekommen auch die Vereinschefin und ihr Team noch ein dickes Lob vom Parcoursarchitekten. „Dass so ein hochklassiges Turnier von Ehrenamtlichen in der Verantwortung organisiert wird, ist ebenfalls einmalig“, würdigt der 61-Jährige den Aufwand, der in Gahlen betrieben wird, um regelmäßig zu Beginn des Jahres pro Tag bis zu 2500 Zuschauer in die Halle zu locken.

Mannschaftsspringen als „Brückenschlag zur Basis“

Ebenfalls als „typisch Gahlen“ und „Brückenschlag zur Basis“ bezeichnet der Parcoursbauer die Idee, bei der kommenden Auflage am Freitag erstmals ein Mannschaftsspringen auszurichten. Es ersetzt das Finale des Jugend-Cups, das Reiter und Organisatoren nun noch im „alten Jahr“, nicht mehr so lange nach den Qualifikationsspringen stattfinden lassen wollen.

Für Hilker bedeutet dies ein Umdenken in Sachen Können von Ross und Reiter. Beim Mannschaftsspringen stehen vor dem S-Springen auch noch eine M- und sogar eine L-Runde an. „Es geht nicht nur um die Höhe der Hindernisse, sondern auch um die Linienführung“, erläutert der Architekt mit Blick auf den Wettbewerb, bei dem einige Reiter erstmals vor so einer Kulisse in den Sattel steigen dürften. „Fördern, nicht überfordern“, lautet Hilkers Motto, zumal so kurz nach dem Jahreswechsel auch alle Pferde quasi gerade „Geburtstag“ gefeiert haben und als ein Jahr älter eingestuft werden.

Gahlen sucht eben in vielerlei Hinsicht seinesgleichen.

>> „CIRKUS CASSELLY“ IM SHOWPROGRAMM

Für das Showprogramm am Samstagabend hat der RV Lippe-Bruch Gahlen erstmals den „Cirkus Casselly“ verpflichtet. „Wir wollten immer etwas mit den Jugendlichen aus dem Verein machen, aber an der Umsetzung haperte es“, erläutert RV-Vorsitzende Christiane Rittmann. „Nun werden auch einige Nachwuchsreiter von uns in das Zirkus-Programm eingebunden. Ab Donnerstag vor dem Auftritt wird trainiert und niemand darf vorher zuschauen.“ So sollen die Nerven von Kindern und Eltern geschont werden...

 
 

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