Von wegen La Paloma

Recklinghausen.. Am Freitag standen schon rund um die Wälle in Recklinghausen die ersten Absperrungen auf dem Bürgersteig. Am Sonntag werden sie auf der Straße stehen, werden verhindern, dass Autos auf den Wall fahren. Das 3. Wallringfest steht an und der Wall ist fast den ganzen Tag geöffnet für Fußgänger, Jogger, Inline-Skater, Jedermann. Als sportlicher Höhepunkt beginnt um 17.30 Uhr das Elite-Radrennen. Mit dabei: Björn Thurau. Thurau? Genau. Er ist der Sohn von Radsportlegende Didi Thurau, der Ende der Siebziger Jahre der Tour de France seinen Stempel aufdrückte.

Der Weg für Björn Thurau zum Radsport war demnach nicht weit. Unglücklich damit, dass er sozusagen in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, ist er nicht. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, habe ein gutes Leben, komme rum in der Welt, erlebe viele Dinge, die andere nie erleben werden.“ Zum Beispiel die Begeisterung der Zuschauer, wenn er mit seinem Rennrad vorbeifährt und versucht Rennen zu gewinnen. So wie in Recklinghausen.

Das Rennen „Rund um die Wälle“ sei durchaus ein richtiges Rennen, nicht nur Unterhaltung. „Wobei wir“, sagt Thurau, „natürlich den Zuschauern etwas bieten wollen. Aber auch da will jeder gewinnen. Da geht es Mann gegen Mann. Ein bisschen La Paloma um die Ecken geht dann eben nicht. Gerade bei solchen Rennen wie in Recklinghausen. Da wird von Beginn an auf das Tempo gedrückt. Bei Rundfahrten ist das meistens anders. “ Die Strecke in Recklinghausen sei im übrigen gar nicht so leicht. „Man darf nicht unterschätzen, dass wir immer im vollen Tempo den Berg vor dem Gymnasium Petrinum hoch müssen.“

Im Vorjahr belegte Thurau Platz zwei. Nur der Schweizer Alexander Aeschbach war schneller, gewann im Sprint. „Das ist halt nicht meine Stärke“, sagt Thurau. „Im Zweifelsfall muss ich die Flucht nach vorne antreten.“ Noch mehr als im vergangenen Jahr, als Thurau Teil einer Dreier-Ausreißergruppe war.

Bei den Deutschen Meisterschaften im Straßenrennen in Neuwied belegte Thurau zuletzt Platz 59, hatte 1:22 Minuten Rückstand auf den Sieger Robert Wagner. Seit 2008 ist der heute 23-Jährige nun Rad-Profi. Zehn, zwölf Jahre will er diesen Beruf im besten Fall noch ausüben. Anschlusspläne hat er deshalb jetzt noch nicht gemacht. „Das ist einfach noch zu weit weg, die Altersvorsorge noch kein Thema. Riesengehälter verdienen wir nicht als Radprofis. Aber wenn man mit 26, 27 Jahren noch einmal einen Leistungssprung macht, dann kann man auch etwas zur Seite legen.“

Ent- oder weder: Björn Thurau hat sicfh entschieden

Bayern München oder Borussia Dortmund?

Eintracht Frankfurt. Ich bin in Frankfurt geboren.

Lachen oder leiden?

Lachen.

Ganz in gelb oder ganz in weiß?

Das meint wohl die Tour de France. Also ganz in gelb.

Sprint oder Berg?

Lieber Berg. Ich bin zwar kein richtiger Bergfahrer, aber ich komme Berge ganz gut rauf, wenn ich einen guten Rhythmus fahren kann. Im Sprint habe ich nur eine Chance, wenn es eine Klein-Gruppe ist, in der kein gelernter Sprinter ist.

Rundfahrten oder Ein-Tages-Klassiker?

Ein-Tages-Rundfahrten.

Paris-Roubaix oder Paris-Dakar?

Paris-Roubaix. Ich bin das Rennen zwar selber noch nicht gefahren, nur eins, das so ähnlich ist. Aber was ich da erlebt habe und das, was ich von Fahrern gehört haben, die Paris-Roubaix gefahren sind, ist das schon eins der heftigsten Rennen überhaupt.

Kleines Ritzel oder großes Ritzel?

Ich tendiere mehr zum großen. Aktuell habe ich vorne außen ein 53-Ritzel, innen ein 39-Ritzel. Hinten fahre ich von 11 bis 23.

Windschatten oder Führungsarbeit?

Führungsarbeit in der Spitzengruppe.

Mutters Küche oder Vaters Erfahrung?

Selbstständigkeit.

Mit Helm oder ohne?

Mit Helm – immer. Auch bei großer Hitze mit 35 Grad. Ich hatte selber vergangenes Jahr einen Unfall, habe dabei viel Blut verloren.

 

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