TSV-Kicker auf Nostalgie-Sause

Einen echten Traditionsverein erkennt man unter anderem daran, dass es vor den Heimspielen sonntags an den Kassenhäuschen lange Warteschlangen gab. Eine solche Fußball-Attraktion war der TSV Marl-Hüls in der Vergangenheit.

Marl / Lippramsdorf. Schieber-Mützen, Tweed-Sakkos und Karomuster, wohin der Blick auch fiel. Dazu historische Zweiräder, einige stammten aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts. So gewandet und ausgerüstet machten sich in den 60er-Jahren Sonntag für Sonntag tausende Menschen auf ins Jahnstadion im Marler Stadtteil Hüls.

Lange Jahre spielte dort der TSV in der höchsten deutschen Liga, der 1. Liga West. Erst 1963 startete die Bundesliga, hier verpassten die Blau-Weißen nur haarscharf den Aufstieg.

Somit diente das neu gebaute Jahnstadion mit der seinerzeit modernsten Hängetribüne Europas den Spielen in der Regionalliga. "Die Kameradschaft war hier viel wert", sagt Jürgen Patzke, Organisator der Nostalgie-Sause der ehemaligen Akteure. Patzke: "Viele Spieler wanderten in dieser Phase ab zu Schalke 04, Alemannia Aachen und so weiter. Der Abstieg in die Verbandsliga, der damals höchsten Amateurklasse, war die Folge."

Genau hier kamen die ersten Spieler in das Team, das Anfang der 70er-Jahre das Amateurmeisterschafts-Endspiel gegen den FSV Frankfurt verlor.

Aber es gab eine erfolgreiche Jugendzeit, in der Spieler wie Michael Krenz (Werder Bremen und 1860 München), Pedro Milasincic (Hannover 96), Peter Gurgel (Lüner SV und Spvgg. Erkenschwick), Heinz Ptaszynski, Kalle Rossmann (beide Westfalia Herne) und viele mehr hervorgingen.

Gute Gründe für einen Nostalgie-Treff am kommenden Samstag ab 18 Uhr im Landhaus Föcker in Lippramsdorf gibt es genug. Trainer Rudi Mathäus, der 1954 selbst Amateurmeister mit dem TSV wurde, hat sein Kommen ebenfalls zugesagt.

Die Organisatoren Jochen Stephan und Jürgen Patzke freuen sich, die alten Kollegen nach 50 Jahren wieder zu sehen. Es gibt sicherlich viel zu erzählen und so mancher ungläubige Blick: "Wer bist Du denn?"

Jürgen Patzke: "Die Spieler, die wir trotz des Internets nicht ermitteln konnten und die diesen Bericht lesen, sind ebenfalls eingeladen. Wir würden uns sehr freuen."

Dirk Kolakowski