SV Altendorf - Noch gibt’s auf die Mütze

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Die etablierten Kräfte im Dorstener Frauenfußball – das sind: der FC Rhade, der FC RW Dorsten und der SV Lembeck. Nun sollen sie Konkurrenz bekommen. Das ist der Traum von Dirk Grünheit, der seit Juli 2011 die Frauen des SV Altendorf auf die erste Meisterschaftssaison vorbereitet.

Altendorf. Die etablierten Kräfte im Dorstener Frauenfußball – das sind: der FC Rhade, der FC RW Dorsten und der SV Lembeck. Nun sollen sie Konkurrenz bekommen. Das ist der Traum von Dirk Grünheit, der seit Juli 2011 die Frauen des SV Altendorf auf die erste Meisterschaftssaison vorbereitet.

Bevor das Leder rollt, muss der 45-Jährige seinen Spielerinnen aber erstmal die Abseitsregel erklären. Auch als Mode-Berater ist er in diesen Tagen gefragt.

Als die Altendorferinnen in ihrem zweiten Spiel überhaupt, beim Test gegen den VfL Grafenwald, mit 0:15 unter die Räder kamen, musste SV-Trainer Dirk Grünheit schon ein paar mal schlucken, bevor er die passenden Worte fand. Dann sagte er: „Grafenwald ist derzeit wohl noch eine Hausnummer zu groß.“

Beirren lässt sich der Co-Trainer der ersten Herrenmannschaft des SVA durch solche Ergebnisse allerdings nicht. „Hier wächst was heran. Eine gute Basis ist auf jeden Fall vorhanden“ Er spricht sogar von einem Selbstläufer.

In der Tat ist die Neugier beim Thema Frauenfußball im schmucken Dörfchen Altendorf riesengroß. 106 Zuschauer kamen zum Kunstrasenplatz und fieberten beim allerersten Testspiel gegen Schermbeck-Rüste mit. Das Grünheit-Team gewann mit 2:1. Ein Stück Altendorfer Sportgeschichte.

Gegen Grafenwald und im bisher letzten Test gegen den SC Hassel waren es mit rund 70 Fans nicht minder viele. Zahlen, mit denen die Altendorfer den Vergleich mit den meisten Bezirksligisten nicht scheuen müssten. Bei den Herren wohlgemerkt. „Die Resonanz ist Wahnsinn“, sagt Grünheit.

Dass man zwischenzeitlich vom Verband wegen „Wilden Spiels“ zu einer Geldstrafe verdonnert wurde, weil der Verein noch nicht sachgemäß eingetragen war, störte niemanden. Mittlerweile sind alle Unklarheiten beseitigt. Keine wilden Sachen mehr in Altendorf.

Nicht nur bei den Zuschauern ist der Andrang groß, auch die Trainingsbeteiligung ist super. Zu Beginn des Projekts kamen noch 17 Spielerinnen, die an der wöchentlichen Trainingseinheit teilnahmen, mittlerweile schnüren schon 21 junge Frauen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren die Fußballschuhe. Auch die Trainer-Töchter Julia und Sarah gehören zum Team.

Vor den Ball haben bislang die wenigsten Mannschaftsmitglieder getreten. Nur drei Spielerinnen kickten schon vor ihrer Zeit beim SVA.

Beim Training dabei ist auch Tammy Richter. Die junge Dorstenerin schaute im vergangenen Jahr bei der Frauen-Weltmeisterschaft zu und hatte die Idee. Dann brachte sie den Ball ins Rollen: „Eine Freundin machte uns in Altendorf bekannt und ziemlich schnell wurde aus unserer Hobby-Mannschaft ein richtiges Team.“

Der Ehrgeiz der jungen Frauen ist bis jetzt ungebrochen. So führt Trainer Dirk Grünheit auf Wunsch seiner Spielerinnen mittlerweile Nachhilfestunden in Sachen Regeln und Taktik durch: „Dabei erkläre ich meinen Spielerinnen von der Größe des Spielfeldes bis zur Abseitsregel alles.“

Auf die Frage nach den Unterschieden zum Herrenbereich überrascht der 45-Jährige mit einer unerwarteten Antwort: „Meine Frauen sind überpünktlich.“ Auch Zickengehabe ist für den Trainer ein Fremdwort. „Das ist ein Vorurteil.“ Im technischen und athletischen Bereich seien allerdings schon Differenzen bemerkbar.

Dass auch der Altendorfer Vorstand geschlossen hinter dem Projekt steht, zeigt die Wertschätzung für Grünheits Arbeit: „Ich habe noch nie einen dummen Spruch kassiert, selbst als meine Spielerinnen in Handschuhen und mit Pudelmütze übers Feld liefen“, erklärt Grünheit.

Bei der Accessoires-Auswahl während der Spiele muss sich dennoch noch etwas ändern: „Da bin ich wohl als Modeberater gefragt“, verrät der Übungsleiter. Auch Kosten scheuen die Verantwortlichen nicht und spendierten erst kürzlich einen Satz Trainingsanzüge für das Frauenteam.

Offiziell am Ligabetrieb teilnehmen wird das Team um Spielführerin Saskia Schlingmann voraussichtlich erst nach dem Sommer. In der Kreisliga wollen sich die Altendorfer Frauen etablieren: „Ein Platz im unteren Mittelfeld wäre ein großer Erfolg. Absteigen kann man zum Glück nicht“, beschreibt Dirk Grünheit die Erwartungshaltung.

Bis dahin bestreiten die Altendorferinnen noch einige Testspiele. Bei den aktuellen Temperaturen trägt fortan wohl nur die Torfrau Handschuhe.

 
 

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